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Aktion der Schülervertretungen gegen Homophobie: Küssen in der Mensa ist absolut erwünscht

rnSchulzentrum Nette

Wenn sich Heinrich Heine und Albert Schweitzer küssen, ist das Kunst. Viereinhalb mal drei Meter groß, in Acryl, in der Mensa des Netter Schulzentrums – und mit einer klaren Botschaft.

Nette

, 18.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn Heinrich Heine Albert Schweitzer küsst, ist das eine künstlerische Verfremdung. Modell gestanden haben der Schriftsteller und der Arzt dafür nicht: Denn als Albert Schweitzer geboren wurde, war Heinrich Heine schon 20 Jahre tot. Ein 4,5 mal 3 Meter großes Bild zeigt nun die Namensgeber des Heinrich-Heine-Gymnasiums (HHG) und der Albert-Schweitzer-Realschule (ASR) – beim innigen Kuss auf den Mund.

Es hängt in der gemeinsamen Mensa im Netter Schulzentrum. Am 17. Mai weihten es Schüler und Schulleitungen ein. Anlass war der Tag gegen Homophobie. Das Acrylgemälde drückt die Verbundenheit beider Schulen aus. Aber erst in zweiter Linie: Vor allem soll es ein Zeichen setzen für Vielfalt. „Gott hilf mir, diese törichten Grenzen zu überwinden“, ist es betitelt.

Schüler, die über den Tellerrand schauen

„Es sind zwei sich küssende Männer“, sagt HHG-Direktor Dr. Detlef von Elsenau in einer kurzen Ansprache. „Vor 10, 15 Jahren wäre das nicht möglich gewesen.“ Die Initiative ging von den beiden Schülervertretungen aus. „Wir sind stolz darauf, Menschen zu erziehen, die über den Tellerrand schauen“, betonte von Elsenau. „Ohne Toleranz ist eine Gesellschaft nicht vorstellbar.“

ASR-Rektorin Christel Stegemann wies auf Albert Schweitzer hin, „der die äußeren Grenzen seiner Zeit überwunden hat.“ Nicht umsonst stehe über dem Eingang das Motto „Ehrfurcht vor dem Leben“ – ein Zitat des Mediziners und Theologen.

Aktion der Schülervertretungen gegen Homophobie: Küssen in der Mensa ist absolut erwünscht

Marlene Soester (2.v.l.) unterstützte Lithushan Kiritharan (3.v.l.) und Hanna Haake (r.) beim Malen des Bildes. Klaus Preukschat (l.), Vorsitzender der Kunstfachschaft am HHG, dankte den Dreien für das Engagement © Uwe von Schirp

Die Oberstufen-Schüler Hanna Haake und Lithushan Kiritharan schufen das Bild mit Unterstützung von Marlene Soester vom Dortmunder Schauspiel. Mehrere Wochen verbrachten sie in einem Werkraum, um drei verzinkte Stahlplatten zunächst zu grundieren und die Vorlage von Marlene Soester über ein Rasterverfahren auf das große Format zu übertragen. Mit Acrylfarbe malten sie anschließend die beiden berühmten sich küssenden Köpfe aus.

Wochen des Kusses im Schulzentrum

Die kyrillische Schrift des Titels gibt einen Hinweis auf ein bekanntes Vorbild. „Mein Gott hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“, heißt ein bekanntes Berliner Graffito. Es zeigt den Bruderkuss der beiden kommunistischen Staatschefs Leonid Breschnew und Erich Honecker. Zu sehen ist es auf der East Side Gallery, einem verbliebenen Stück der Berliner Mauer. Der Bruderkuss auf den Mund war im Sozialismus üblich, erklärte Detlef von Elsenau den Schülern. Der Bruderkuss: kein romantischer Liebesbeweis, sondern Ausdruck von Gleichheit und Brüderlichkeit.

Aktion der Schülervertretungen gegen Homophobie: Küssen in der Mensa ist absolut erwünscht

Das Graffito an der Berliner East Side Gallery stand Pate für das Kunstwerk im Schulzentrum. © Uwe von Schirp

Bei der Einweihung des Kunstwerkes soll es nicht bleiben, erklärten die Netter Schülervertretungen. Sie riefen die Wochen des Kusses aus. Jeder, der mag, soll sich vor dem Kunstwerk küssen. Im Schulzentrum ist die Vielfalt nicht nur bildlich angekommen.

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