Akuter Lehrermangel: Schule kürzt den Unterricht

rnFörderschulen

Den Förderschulen gehen die Lehrer aus. An einer Schule hat das nun Konsequenzen: Dort muss der Unterricht systematisch verkürzt werden. Die Schule steht nicht allein da. Abhilfe braucht Zeit.

Dortmund

, 23.01.2020, 11:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verlässliche Schule ist ein wichtiges Thema für berufstätige Eltern. Die Eltern von Kindern der Max-Wittmann-Förderschule stehen deshalb demnächst vor einem Problem. Denn zumindest an einem Tag in der Woche kommen ihre Kinder bald früher als üblich nach Hause - wegen akuten Lehrermangels.

Mit der Ankündigung: „Wir möchten Sie informieren über die anstehenden Unterrichtskürzungen ab Februar aufgrund der unzureichenden Versorgung der Schule mit Lehrkräften“, wurden die Eltern der Förderschule mit Schwerpunkt Geistige Entwicklung unlängst zu einem Elternabend eingeladen.

Unterrichtszeit gekürzt

Dort hatte Schulleiter Torsten Sundermann schlechte Nachrichten: Ab Anfang Februar endet der Unterricht an jedem Donnerstag bereits um 13.30 Uhr statt 15.15 Uhr. Der Fahrdienst, der die geistig behinderten Kinder vor und nach der Schule transportiert, muss dazu neu organisiert werden - und natürlich auch der Tagesablauf in vielen Familien.

Der Grund für die Maßnahme: „Zehn von 80 Lehrerstellen sind bei uns aktuell nicht besetzt“, berichtet Sundermann auf Anfrage unserer Redaktion. Die Hoffnung, dass sich das bald ändert, ist gering.

Man stehe vor einer regelrechten Pensionierungswelle, erklärt der Schulleiter. Allein vier Lehrer gehen zum 1. Februar in Pension und würden vorerst nicht ersetzt. Denn der Lehrermarkt sei leergefegt. „Auf unsere letzten Ausschreibungen haben wir nicht eine Bewerbung bekommen“, berichtet Sundermann.

Lage „insgesamt schwierig“

Ein Sprecher der für das Lehrpersonal zuständigen Bezirksregierung bestätigt das Problem. Und die Max-Wittmann-Schule ist damit nicht allein, auch wenn sie in Dortmund aktuell besonders betroffen ist.

„Die Situation an den Förderschulen ist insgesamt schwierig“, erklärt Christoph Söbbler als Sprecher der Bezirksregierung. Die Lage in Dortmund sei dabei noch vergleichsweise gut. An einigen Förderschulen vor allem im ländlichen Raum seien die Lehrerstellen nur zu 60 Prozent besetzt.

Und was tut die Bezirksregierung? Freie Stellen würden immer wieder neu ausgeschrieben, erklärt Söbbeler. Es werde auch geschaut, ob Lehrer aus anderen Schulen abgeordnet werden oder Teilzeitkräfte Stunden aufstocken könnten.

Eine wichtige Rolle spielt langfristig die Lehrerausbildung, um den Generationswechsel an den Schulen bewältigen zu können. Größte Ausbildungsstätte für Förderschullehrer in NRW ist die TU Dortmund. 2018 haben 180 junge Lehrkräfte mit dem Schwerpunkt sonderpädagogische Förderung die Uni verlassen, ein Jahr zuvor waren es 161.

Mehr Lehramts-Studierende an der TU

Und man ist auch auf den steigenden Bedarf eingestellt. Die Zahl der Studienplätze wurde bereits erhöht und soll weiter erhöht werden, erklärt TU-Sprecherin Eva Prost. „2019/20 haben sich bereits rund 50 Studienanfänger mehr eingeschrieben als drei Jahre zuvor.“

Aktuell laufen landesweite Verhandlungen zwischen NRW-Universitäten und Ministerium über den weiteren Ausbau der Studienplätze, berichtet Eva Prost.

Akuter Lehrermangel: Schule kürzt den Unterricht

Die Ausbildung von Förderschul-Lehrern an der TU wird ausgebaut. © TU, Golsch

Grundlage ist das im November 2019 vom NRW-Schulministerium vorgestellte dritte „Maßnahmenpaket zur Gewinnung von Lehrkräften“.

„Im Lehramt für sonderpädagogische Förderung (Lehrkräfte an Förderschulen und im Gemeinsamen Lernen) werden die Kapazitäten um weitere 500 Bachelorstudienplätze erweitert. Der Ausbau erfolgt ab dem Wintersemester 2020/21“, heißt es dort. Und: „Bereits 2018 waren in der Sonderpädagogik 250 zusätzliche Studienplätze geschaffen bzw. gesichert worden. In der aktuellen Legislaturperiode werden somit 750 neue Studienplätze für Sonderpädagogik dauerhaft eingerichtet.“

Über Jahre abgezeichnet

Für die aktuell betroffenen Eltern der Max-Wittmann-Schule ist das ein schwacher Trost. Denn bis die neuen Lehrkräfte ausgebildet sind, werden einige Jahre vergehen.

„Dabei hat sich das Problem schon über Jahre abgezeichnet“, stellt Tamara Menne als Elternpflegschaftsvorsitzende der Max-Wittmann-Schule fest. „Das ist ein riesengroßes Versäumnis auf Landesebene.“

Akuter Lehrermangel: Schule kürzt den Unterricht

Einer der Übergangsstandorte der Max-Wittmann-Schule ist die ehemalige Minister-Stein-Schule in Kemminghausen. © Oliver Volmerich

Vorerst habe man an der Max-Wittmann-Schule einen „tragbaren Kompromiss“ gefunden, berichtet Tamara Menne. Die Schule bietet an, donnerstags zumindest eine Betreuung der Kinder bis zum Nachmittag sicherzustellen. Die Eltern müsten dann allerdings den Fahrdienst selbst organisieren.

Und der ist oft mit weiten Wegen verbunden. Weil sich die Sanierung des Gebäudes der Max-Wittmann-Schule an der Oberevinger Straße in Eving um Jahre verzögert, ist die Schule derzeit mit der Primarstufe in die frühere Minister-Stein-Schule in Kemminghausen und mit den höheren Klassen an den Dollersweg in Wickede ausgelagert.

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