Aldi will umweltfreundlicher werden - die Dortmunder Kunden sind‘s schon

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Aldi will den Plastiktütenverbrauch reduzieren: Die kostenlosen Obst- und Gemüsebeutel werden abgeschafft, bald gibt es Bioplastik-Tüten für einen Cent. Das sagen Dortmunder Kunden dazu.

14.06.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aldi will eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Plastikmüll übernehmen. Die Bepreisung der herkömmlichen Plastiktüte habe „Verbraucher sichtlich zum Umdenken bewegt“, erklärte der Discounter. Deshalb schafft Aldi jetzt auch die kostenlosen dünnen Plastiktüten für Obst und Gemüse ab - und verlangt zukünftig einen Cent für Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen.

Die stehen allerdings in der Kritik - und verzichtet man wegen eines Cents Aufpreis auf die Tüten? Wir haben bei Dortmunder Aldi-Kunden nachgefragt: Viele sagen, das eigentliche Problem ist ein anderes.

Plastikverbrauch reduzieren - das finden die Dortmunder Kundinnen und Kunden gut. „Gerade wenn man Kinder hat, sollte man ein bisschen nach vorne schauen“, meint Jan Soremsky. „Die möchten ja auch noch was von der Zukunft haben.“

Die neuen sogenannten Knotenbeutel für Obst und Gemüse sollen bei Aldi künftig aus einem nachwachsenden Rohstoff bestehen, der bei der Zuckerrohrproduktion anfällt. Kann man die dann sorglos verwenden?

Was sich auf den ersten Blick gut anhört, steht in der Kritik. Weil Zuckerrohr vor allem aus Brasilien, Indien und China komme, bestehe die Gefahr, durch die gesteigerte Nachfrage die Landnutzung vor Ort zu verändern - und indirekt Regenwaldabholzung und Artensterben zu fördern, warnt die FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny gegenüber AFP. Greenpeace gibt außerdem zu bedenken, dass auch Bioplastik sehr lange brauche, bis es verrottet.

Die Kunden haben schon Mehrwegnetze von der Konkurrenz

Die meisten Dortmunder Kunden haben ohnehin Beutel aus Stoff zum Einkaufen dabei - und auch Alternativen für die Knotenbeutel. „Von mir aus braucht‘s gar keine Tüten geben. Ich hab meine eigenen dabei,“ erzählt Ramuna Adjayi. Ursula Bonk macht es genauso. Für Obst und Gemüse benutzt sie ein wiederverwendbares Netz. Ab Herbst soll es diese waschbaren Mehrwegnetze bei Aldi zu kaufen geben, die 78-Jährige hat schon eins - von Rewe. „Normale Plastiktüten hab‘ ich nicht, ich hab’ so ein Netz von Netto, das nutz‘ ich auch“, sagt auch Marion Knust.

Wer aber noch kein Mehrwegnetz hat, verzichtet der künftig wegen eines Cents Aufpreis auf die Plastiktüten? Nein, meint Ali Elhamassi. „Man guckt nicht nach einem Cent.“ Jan Sorensky sieht das ähnlich: „Ein Cent macht den Kohl ja nicht mehr fett.“ „Ich glaub’ nicht, dass ein Cent so viel bewirken wird, viele realisieren das erst an der Kasse“, mein auch Alina Küspert. Die Maßnahme ist für die 22-Jährige somit eine schöne, aber nur symbolische Idee.

Ein anderes Problem

Serab Aktürk meint allerdings: „Wenn es einen Cent kostet, hat man eher eine Tüte dabei.“ Die 31-Jährige vermeidet Plastikmüll aber sowieso schon so weit es möglich ist und will das auch ihren Kindern so beibringen. Sie stößt dabei aber auf ein anderes Problem: Obst und Gemüse sind meistens schon in Plastik verpackt, und die unverpackten Produkte sind oft teurer. „Da müsste noch mehr einzeln, unverpackt liegen“, findet auch Alina Küspert. Was Aktürk und Küspert beobachten, kritisiert auch die Aldi-Konkurrenz an der neuen Maßnahme. So verwies laut AFP-Bericht ein Edeka-Sprecher darauf, dass die sogenannten Knotenbeutel bei Aldi ohnehin kaum eine Rolle spielen, weil nur wenige Produkte lose verkauft werden. Dass vieles schon in Plastik verpackt ist, findet Ramuna Adjayi unnötig: „Versteh‘ ich eh nicht, wieso die das machen. So war das früher auch nicht, wir sind ohne Plastik großgeworden.“

Im Aldi an der Schützenstraße wird dennoch erwartet, mit der neuen Maßnahme die Anzahl der verwendeten Knotenbeutel reduzieren zu können. „Viele nehmen die massenweise“, erzählt eine Mitarbeiterin. Für Obst und Gemüse und auch für andere Produkte.

Das ist auch Ursula Bonk schon aufgefallen: „Da kommt immer eine Frau, die packt jedes einzelne Teil in ‘ne Plastiktüte ein. Ob ‘nen Apfel oder ‘ne Birne.“ Die 78-Jährige findet das ganz schön verrückt. „Ist spannend zu beobachten, manchmal besser als im Fernsehen.“

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