„Wir haben fürchterliche Angst“: Alleinerziehende wirft neuem Vermieter schweres Mobbing vor

rnMieterin in Not

Eine Mutter, die sich mit einem Hundesalon selbstständig gemacht, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, droht Wohnung und Geschäft zu verlieren - der Grund ist ein neuer Hausbesitzer.

Aplerbeck

, 17.06.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine Mischung aus Hilflosigkeit und Scham. Martina Broszeit steht in ihrem kleinen Hundesalon an der Ramhofstraße und weiß nicht mehr weiter. Unter der Decke sieht man braune Flecke. Ein Wasserschaden vor ein paar Wochen. Irgendwann hat es aufgehört zu tropfen. Sie hat sich bei der Hausverwaltung gemeldet, gekümmert hat sich bisher niemand.

Vor dem Wohnhaus, in dem auch der kleine Laden beheimatet ist, sieht es aus wie auf einer Müllhalde. Alte Akten, Dachziegel, Reste von alten Betten und Schamottsteine aus alten Nachtspeicheröfen liegen auf der Rasenfläche vor den Häusern mit der Nummer 20 und 22. Die Leute, die vorübergehen, bleiben stehen und tuscheln. Laut Martina Broszeit tut ein neuer Hausbesitzer alles, um die alleinerziehende Mutter aus dem Haus zu bekommen. Auch bezüglich des Mülls brachte eine Beschwerde bei der Hausverwaltung keinen Erfolg.

Seit vier Wochen keine Haustür mehr

„Es ist ganz schwierig für uns geworden“, sagt Martina Broszeit. Zumal es nicht nur vor dem Haus so aussieht, als wenn ein Hurrikan über das Grundstück gezogen ist, sondern auch im Haus. So ist Martina Broszeit in der linken Hälfte mit der Hausnummer 20 zurzeit die letzte verbliebene Mieterin. Und die soll, so scheint es zumindest, von dem neuen Eigentümer mit allen Mitteln vor die Tür gesetzt werden. Drei der vier Wohnung stehen schon leer, werden saniert.

„Wir haben fürchterliche Angst“: Alleinerziehende wirft neuem Vermieter schweres Mobbing vor

Einen Hundesalon hat Martina Broszeit. Nebenan ist die Wohnung. Einen neuen Geschäftsraum samt Wohnung zu bekommen ist schwierig. © Jörg Bauerfeld

Im Hausflur hängt ein Schreiben, dass sich die Anschrift der IBS GmbH Hausverwaltung geändert hat. Für diejenigen die Fragen haben. Lesen kann das jeder, der an dem Haus vorbeigeht, denn seit vier Wochen fehlt hier die Haustür. Und das, obwohl Martina Broszeit und ihre achtjährige Tochter dort noch wohnen.

Der Hausflur ist eine Baustellen, Kabel hängen aus der Wand

Im Hausflur ist Baustelle, Kabel hängen von der Wand. Ein Baustellenschild sucht man im Übrigen vergebens. Martina Broszeit hat die Sache ihrem Anwalt übergeben, die Miete gekürzt. Auch der Mieterschutzbund ist eingeschaltet.

„Gott sei Dank, dass es das gibt“, sagt die 46-Jährige.

„Wir haben fürchterliche Angst“: Alleinerziehende wirft neuem Vermieter schweres Mobbing vor

In dem Eingang zum Haus mit der Nummer 20 fehlt die Haustür. © Jörg Bauerfeld

Das Ganze fing im September 2018 an. Da gab es einen neuen Besitzer für die Häuser Ramhofstraße 20 und 22. Der sprach auch sofort die fristlose Kündigung aus. „Für die Wohnung, die Garage und meinen Laden“, sagt Martina Broszeit. Sie wehrte sich. „Wo soll ich denn auch hin mit meinem kleinen Laden?“. Seit 4,5 Jahren wohnt und arbeitet sie an der Ramhofstraße. „Tinas Hundesalon“ hat viele Stammkunden. „Zum Glück, die lassen sich von dem Müll vor der Tür nicht abschrecken“, sagt die 46-Jährige.

Sogar Stromkabel wurden schon durchgeschnitten

Aber wie geht es nun weiter? „Ich weiß es nicht, wir haben fürchterliche Angst.“ Zumal man nicht wisse, was als nächstes passiert. Denn am Stromkasten, der die Wohnung und den Laden versorgt, wurde manipuliert. Das stellte ein eiligst gerufener Elektriker fest, als bei Martina Broszeit plötzlich das Licht ausging. „Sie wollen mich raushaben, koste es, was es wolle“, sagt die alleinerziehende Mutter. Beweisen kann sie es nicht, aber die Bilder vor Ort sprechen Bände.

„Wir haben fürchterliche Angst“: Alleinerziehende wirft neuem Vermieter schweres Mobbing vor

Die durchgeschnittenen Kabel sind per Foto dokumentiert worden. © Jörg Bauerfeld

„Das ist geschäftsschädigend, das geht gar nicht. Das ist für die ganze Siedlung schlimm“, sagt eine Stammkundin, die kurz vorbeischaut. Auch ein Mieter aus dem Haus mit der Nummer 22 kommt nach draußen. „Die haben die Keller und die Wohnungen ausgeräumt, aus denen die Mieter ausgezogen sind und haben alles vor das Haus geworfen“, sagt er.

Nur wie geht es weiter? Die Mieter, die noch in den Häusern wohnen, wissen es nicht und die IBS Hausverwaltung hat auf eine Mail unserer Redaktion bis jetzt nicht geantwortet. Martina Broszeit hat einen Anwalt eingeschaltet.

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