Was macht ein Schulleiter an den ersten Ferientagen? Nachsitzen sozusagen. Auch Olaf Lücke, neuer Leiter der Hauptschule Kley, hat noch einiges zu tun, bis es auch für ihn in den Urlaub geht.

Kley

, 19.07.2018, 17:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erst vor einem Monat ist Olaf Lücke offiziell Schulleiter geworden. Jetzt sitzt er bei bestem Sommerwetter in seinem Büro, vor dem es aussieht wie in einem künstlichen Urwald. Sämtliche Zimmerpflanzen der Schule stehen dort. Schön im Schatten, damit sie die nächsten sechs Wochen überleben. Ferien. Die Schule ist merkwürdig still, in Lückes Büro dudelt ein Radio. „Jetzt habe ich endlich mal Ruhe zum Arbeiten“, scherzt der 51-Jährige.

Was er meint: Zeit für Büroarbeiten, die noch zu erledigen sind. Zeit, um noch ein paar Bücherbestellungen auf den Weg zu bringen, Zeit für Dinge, die im normalen Schultrubel noch so nebenbei erledigt werden müssen.

„Neuland ist der Schulleiterposten für mich nicht“, sagt Lücke. Schon länger stand fest, dass sein Vorgänger Holger Nolte ins Dortmunder Schulamt wechseln würde. „Da konnte ich Stück für Stück seine Arbeit übernehmen und in die Aufgabe reinwachsen“, so Lücke. Eigentlich habe er zuvor nicht unbedingt Schulleiter werden wollen, berichtet er. „Aber diese Schule ist klasse. Es macht Spaß mit dem Kollegium hier zusammen zu arbeiten.“

Schul-Schließung hautnah erlebt

Das tut Olaf Lücke inzwischen seit viereinhalb Jahren. Der gebürtige Duisburger war eigentlich Grundschullehrer, arbeitete dann aber seit 2000 an Hauptschulen. Zunächst in Herne, dann in Dortmund, wo er hautnah miterlebte, wie eine Schule von der Landkarte verschwand. „Ich war Lehrer an der Hauptschule Kirchlinde, die ja dann geschlossen wurde“, berichtet er. Anschließend unterrichtete er an der Jeannette-Wolff-Schule in Mengede. Von dort ging es nach Kley. Und wie die Mengeder Schule erlebt auch die Kleyer Hauptschule zurzeit so etwas wie den dritten Frühling. „Die Eltern entdecken die Hauptschule wieder“, sagt Lücke. „Leider geht dem oft ein ziemlicher Leidensweg ihrer Kinder voraus.“

Denn bei freier Schulwahl steht die Hauptschule für viele Eltern auf dem letzten Platz der geeigneten Schulen für ihr Kind. Kriterien wie Leistungsvermögen und Förderbedarf der eigenen Kinder werden bei der Auswahl gern ignoriert. Irgendwie, glauben sie, werde ihr Kind die Realschule schon packen.

„Deshalb kommen viele Rückläufer zu uns. Schüler, die zwei Jahre an einer anderen Schule waren, dort viele Enttäuschungen erlebten und Niederlagen im Schulalltag eingesteckt haben“, weiß Lücke. An der Hauptschule werden sie dann wieder auf die Füße gestellt. „Wir investieren da viel Energie“, sagt Lücke. Denn wer zwei Jahre nur schlechte Noten hatte, muss sein Selbstvertrauen erst einmal zurückgewinnen. Inzwischen erkennen diese Problematik wieder mehr Eltern und entscheiden sich direkt für die Hauptschule. Auch wenn der Weg zur Schule an der Kleybredde für manch einen Schüler länger dauert. Da es nur noch wenige Hauptschulen gibt, kommen nicht nur Kinder aus den westlichen Vororten an die Kleybredde, sondern auch aus Hombruch und Hörde.

Gezielte Förderung je nach Herkunftsland oder Berufswunsch

Beinahe schon traditionell ist die Hauptschule Kley so etwas wie eine internationale Schule. In den 1980er- und 1990er-Jahren besuchten sie besonders viele Kinder aus dem ehemaligen Jugoslawien, heute sind es Kinder aus bis zu 40 Ländern. Darunter natürlich auch Flüchtlingskinder. „Die Kinder aus den verschiedenen Herkunftsländern besonders zu fördern, ist einer unserer Schwerpunkte“, berichtet Olaf Lücke. Das gilt für die Schulfächer ebenso wie für das Sozialverhalten.

Ein wichtiger Punkt, denn an der Hauptschule werden die Schüler auch durch gezielte Unterstützung auf den Beruf vorbereitet. „Dafür gibt es die Berebs, die Berufseinstiegsbegleiter“, erklärt der Schulleiter, der mit Beginn der Ferien auch noch die Weichen für das kommende Schuljahr stellen will. „So haben wir uns entschlossen, weniger Plastik zu verbrauchen“, sagt Lücke. Farbige Pappordner statt Kunststoffordner soll es geben. Jede Farbe steht für ein Schul-Fach.

Mehr Deutsch und Mathe

Neue Schüler der Hauptschule werden zudem im nächsten Schuljahr mehr Deutsch-, Mathematik-, und Englischstunden haben. „Diese Fächer haben sie im ersten Halbjahr jeden Tag“, so Lücke. Ziel sei es, schnell ein einheitliches Leistungsniveau zu schaffen. Begrüßt werden die beiden neuen Klassen am 30. August (Donnerstag) im Rahmen einer kleinen Feier.

Vorher macht dann allerdings auch Olaf Lücke Urlaub. Wandern in Tirol steht auf dem Programm, wenn das „Nachsitzen“ beendet ist.

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