Ersatzveranstaltung nach Lichterfest-Debakel - OB Sierau verteidigt alle Entscheidungen

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Nach dem Debakel beim Lichterfest will die Stadt frustrierten Besuchern eine Ersatzveranstaltung anbieten. OB Ullrich Sierau sieht keine Fehler, höchstens ein paar „Unwuchten“. Alle Details.

Dortmund

, 04.09.2019, 11:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Fiasko beim Lichterfest erregt seit Tagen die Gemüter. Nun hat sich die Stadt eine Wiedergutmachung einfallen lassen.

Zum Auftakt des Winterleuchtens, voraussichtlich am 7. Dezember, soll der Eintritt frei sein. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Außerdem soll es ein Feuerwerk geben – als Ersatz für die beiden ausgefallenen Feuerwerke beim Lichterfest.

Diese Maßnahme soll die Besucher entschädigen, die das Lichterfest verlassen hatten, weil zur Evakuierung des Westfalenparks wegen eines drohenden Gewitters aufgerufen wurde. Problem: Nach einem kurzen Regen-Intermezzo wurde das Lichterfest dann fortgesetzt - 20.000 der 35.000 Besucher waren da aber schon gegangen.

Außerdem werde man prüfen, ob man Besuchern, die das Lichterfest aufgrund der Evakuierung vorzeitig verlassen haben, das Eintrittsgeld rückerstattet, kündigte Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Mittwoch an. Genau dazu gibt es inzwischen eine Online-Petition, die bis Mittwochmittag 200 Menschen unterschrieben haben.

OB Sierau holte seine Tochter vom Lichterfest ab

Sierau, der selbst seine Tochter und ihre Freundinnen vom Lichterfest abgeholt hatte, verteidigte die Entscheidung der Parkleitung angesichts des zeitlichen Drucks, unter dem sie gestanden habe. Dazu zitierte er Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp. Der hatte – damals schon Trainer in Liverpool – nach dem Anschlag auf den BVB-Bus im April 2017 und der Diskussion um die Terminierung des Champion-League-Spiels nur einen Tag später gesagt: „Wenn diejenigen, die das entschieden haben, im Bus gesessen hätten, hätten sie die Partie nicht spielen lassen. Wenn du nicht in dem Bus sitzt, kannst du dir nicht vorstellen, wie es wirklich ist.“

Sierau ließ die Ereignisse beim Lichterfest noch mal Revue passieren: Es habe am Samstagabend kurz nach 21 Uhr die Mitteilung gegeben, dass sich eine Gewitterfront auf Dortmund zubewege. Bei einer Lagebesprechung zwischen Park- und Technischer Leitung um 21.20 Uhr habe es fünf Minuten später die einvernehmliche Entscheidung gegeben, das Gelände zu evakuieren Das wiederum sei innerhalb von zehn Minuten unter den 35.000 Besuchern kommuniziert worden.

„Westfalen sind keine Weicheier“

Der Regen habe um 21.40 Uhr eingesetzt und 20 Minuten gedauert, so Sierau. Weil in dieser Zeit 15.000 Besucher den Park noch nicht verlassen hätten, habe man überlegt, weiterzumachen; denn nachdem der Regen aufgehört habe, hätte man den Menschen „nicht plausibel“ erklären können, dass das Lichterfest nicht weitergeht. Der OB: „Westfalen sind zwar süß, aber keine Weicheier.“ Deshalb habe man entschieden, dass für die, die noch im Park waren, das Lichterfest fortgeführt werde.

Mit dieser Entscheidung habe man auch „Konfliktpotenzial“ und „Auseinandersetzungen“ vermeiden wollen. Sierau: „Das war eine Abwägung für Leib und Seele.“

Er könne sich vorstellen, sagte der OB, „dass das Unverständnis auslöst“. Gleichzeitig forderte er eine Versachlichung der Vorgänge. Ein Fiasko sei das nicht gewesen. „Damit das mal klar ist.“ Ein Fiasko seien die 28 Verletzten bei einer Freiluft-Veranstaltung am selben Abend in Essen gewesen.

„Ein paar Unwuchten“

Auf die desaströse Kommunikation der Stadt auch im Nachgang des Lichterfestes wollte Sierau nicht eingehen. Ebenso wenig darauf, dass bei der nächsten Veranstaltung Menschen den Sicherheitskräften keine Folge mehr leisten, wenn das anschließend belohnt werde.

Das wolle er so im Raum stehen lassen, bestätigte Sierau auf Nachfrage. Um dann doch einzuräumen, dass es „ein paar Unwuchten“ gegeben habe. Dortmund sei erfahren in Großveranstaltungen, bei denen in den vergangenen 15 Jahren niemand zu Schaden gekommen sei. „Dortmund habe einen guten Namen zu verteidigen. Deshalb werde es die „ein oder andere Schlussfolgerung“ für künftige Großveranstaltungen im Westfalenpark geben.

Kritik an der Informationspolitik

Auf die Vorgänge rund um das Lichterfest, aber vor allem an der Informationspolitik hat es massive Kritik vor Ort und auch im Nachhinein gegeben. Besucher seien von Ordnern und auf Anzeigetafeln zum Verlassen des Parks aufgefordert worden, von Evakuierung sei die Rede gewesen. Zeitgleich sei auf der Hauptbühne von einer Unterbrechung gesprochen worden.

In den Sozialen Medien entspann sich eine intensive Diskussion über die Vorfälle: Zahlreiche Besucher forderten ihr Geld zurück - und machten ihrem Unmut darüber Luft, dass jene, die sich der Anordnung widersetzten und geblieben seien, am Ende mit einem Feuerwerk und dem Auftritt von Star-DJ Alle Farben geradezu belohnt worden seien.

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Facebook sperrte zwischenzeitlich sogar die Möglichkeit, für den Veranstaltungsort Westfalenpark Bewertungen abzugeben, weil sich hier die Negativ-Aussagen geradezu stapelten und eine Prüfung nicht mehr möglich war.

Nicht die erste Absage eines Lichterfestes

Auch im Nachhinein lief die Kommunikation nicht optimal: Westfalenpark-Chefin Annette Kulozik hatte am Sonntag von einer Gewitterwarnung der Stufe Rot gesprochen, die zur Evakuierung des Parks geführt habe. Wetter-Experten hingegen sagen: Eine solche Warnung habe es zur fraglichen Zeit für Dortmund nicht gegeben.

Das Lichterfest hat die Stadt 300.000 Euro gekostet. Regen beim Lichterfest hat es nicht zum ersten Mal gegeben: Das erste Lichterfest 1959 aus Anlass der Bundesgartenschau wurde abgesagt, weil es wie aus Eimern schüttete. Das hat schon vor zehn Jahren der frühere Sportdezernent Erich Rüttel berichtet. Das Krisenmanagement damals funktionierte: „Wir haben es selbstverständlich verschoben, und es wurde ein Erfolg.“

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