Alte Eiche in Scharnhorst trotzt dem Kneipensterben mit Wandlungsfähigkeit

Gastronomie

Sie sind viel weniger geworden, aber es gibt sie noch, die traditionellen Kneipen. Eine davon ist die Alte Eiche in Scharnhorst von Wirtin Gabi Steinmann. Die stellt allerhand auf die Beine.

Scharnhorst

, 26.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gabi Steinmann (r.) und ihre Angestellte Marina Lambrecht managen die Kneipe „Zur Alten Eiche", Westholz 107, in Scharnhorst.

Gabi Steinmann (r.) und ihre Angestellte Marina Lambrecht managen die Kneipe „Zur Alten Eiche", Westholz 107, in Scharnhorst. © Andreas Schröter

Gefühlt ist das berühmt-berüchtigte „Kneipensterben“ in den vergangenen Jahren rasanter geworden als in der Zeit davor. Grund genug, einmal eine der verbliebenen Gaststätten vorzustellen, in der man Bierchen und Frikadelle bekommt und einfach mal mit Freunden in Ruhe quatschen kann - so wie in der Alten Eiche, Westholz 107, in Scharnhorst.

Dabei handelt es sich um eine Gastwirtschaft mit langer Tradition. Kürzlich feierte Wirtin Gabi Steinmann (49) die 80-jährige Schankerlaubnis: 1938 erhielt ihre Oma Helene Steinmann das begehrte Papier. Deren Tochter Renate Steinmann hatte 1974 übernommen, bevor die beliebte Kneipe 1997 an die heutige Inhaberin ging.

In der Kneipe hängen viele alte Bilder - auch von den Gästen. Hier sind Gabi Steinmanns Eltern zu sehen: Renate und Werner Steinmann (l.), die früher die Alte Eiche betrieben haben.

In der Kneipe hängen viele alte Bilder - auch von den Gästen. Hier sind Gabi Steinmanns Eltern zu sehen: Renate und Werner Steinmann (l.), die früher die Alte Eiche betrieben haben. © Steinmann

Und klar, zum Thema Kneipensterben kann auch Gabi Steinmann einiges sagen. Es gebe drei Probleme für die heutigen Wirte: das Aussterben oder zumindest Schwinden der althergebrachten Vereine, die abends in der Kneipe ihre Sitzungen und Treffen hatten, das Rauchverbot und ein Gesellschaftsverhalten, das sich ganz einfach generell verändert habe: „Früher gab‘s zum Beispiel viel mehr Knobel- und Skatrunden.“

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Dass die Alte Eiche dennoch bisher überlebt habe, liege daran, dass sie sich immer wieder den Bedürfnissen ihrer Gäste angepasst habe, so Gabi Steinmann. So gibt es seit einiger Zeit wechselnde Gerichte in gutbürgerlicher Tradition. „So etwas findet man doch heute kaum noch“, sagt die Wirtin, „aber viele Gäste mögen es.“ Und die nehmen auch in Kauf, dass sie mitunter etwas länger auf ihr Essen warten müssen. Denn erstens hat die Inhaberin mit Marina Lambrecht nur eine einzige feste Angestellte, zweitens bereiten die beiden alle Speisen selbst und frisch zu: Die Kartoffeln werden gekocht, kurz bevor sie gegessen werden, die Schnitzel eigenhändig aus dem Fleischstück geschnitten.

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Auch Geburtstags- oder Trauerfeiern sind in der Alten Eiche möglich, und ein großes Plus sei natürlich die Kegelbahn. Trotzdem sei es ein steter Kampf, eine solche Kneipe am Laufen zu halten. Manchmal sei sie 12 bis 17 Stunden am Tag dafür im Einsatz. Wenn sie mal nicht da sei, fragen die Gäste: „Wo ist Gabi?“ Es bringe also nichts, den gesamten Betrieb nur mit Aushilfen zu fahren.

Ein Bild aus den Anfangszeiten der Alten Eiche vor rund 80 Jahren.

Ein Bild aus den Anfangszeiten der Alten Eiche vor rund 80 Jahren. © Steinmann

Die Alte Eiche hat auch Sky und DAZN für Fußballübertragungen, aber, sagt die Chefin, weil sie dafür 800 Euro im Monat berappen müsse, habe sie dadurch kaum Gewinn. Das habe nahezu ausschließlich Werbeeffekte: Leute, die zum Fußball gucken kommen, schneien vielleicht auch an anderen Tagen mal rein, oder sie kommen früher und essen vor den Spielen eine Kleinigkeit. Denn allein vom Getränke-Verkauf könne heute keine Kneipe mehr überleben, sagt Gabi Steinmann.

Übrigens ist sie auch im Internet und im sozialen Netzwerk Facebook vertreten. Vielleicht sind auch das Überlebens-Faktoren.

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