Alte Stahlhäuser erstrahlen im Hoesch-Museum in neuem Glanz

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An der Lütgenholthauser Straße stehen ungewöhnliche Häuser aus Stahl. Eine Ausstellung im Hoesch-Museum zeigt sie aus unterschiedlichen Perspektiven. Ein Haus könnte bald sogar umziehen.

Kleinholthausen

, 04.02.2019, 04:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für gewöhnlich bestehen die Wände der meisten Häuser aus Stein. Aber rund um die Lütgenholthauser Straße ist es bei sieben Häusern Stahl. Nicht allen würde man es auf den ersten Blick ansehen, denn im Laufe der Jahre haben einige Eigentümer die Häuser an ihre Bedürfnisse angepasst: Holzverkleidung, Wintergarten oder ein Satteldach kamen hinzu.

Die Geschichte der Stahlhäuser in Kleinholthausen, der sich jetzt eine Ausstellung im Hoesch-Museum widmet, begann 1963/64. Damals errichtete die Firma Hoesch in Kleinholthausen eine Siedlung mit 261 Wohneinheiten für höhere Konzernangestellte.

Ein Stahlhaus sieht noch fast wie das Original aus

Neben mehreren Hoch- und Reihenhäusern wurden auch sechs Stahlfertighäuser vom Typ K 109 gebaut. 109 steht für die Quadratmeteranzahl der Fertighäuser und das K sagt aus, dass die Immobilien über einen Keller verfügen. Die einheitlich weißen Bungalows haben darüber hinaus Garten und Garage.

Alte Stahlhäuser erstrahlen im Hoesch-Museum in neuem Glanz

Das L 141 sieht heute fast noch so aus wie in den 60er-Jahren, als es gebaut wurde. © Robien

1966 wurde ein weiterer Bungalow errichtet: Der Prototyp L 141. Das L steht für den winkelförmigen Grundriss des Hauses und 141 wiederum für die Quadratmeteranzahl. Dieses Modell verfügt über eine verbesserte Wärmedämmung und Fugenausbildung. Geschätzt hat dieser Haustyp mindestens 123.000 DM gekostet.

Auf dem Markt kamen die Häuser nicht gut an

Von den Fertighäusern sind weltweit etwa 200 errichtet worden. Der Vertrieb wurde jedoch relativ schnell wieder eingestellt, weil die Nachfrage nicht so groß wie erwartet war. Die Leiterin der Hoesch Museums, die sich mit der Historie der Häuser ausführlich beschäftigt hat, nennt als Gründe für den wirtschaftlichen Flop vor allem den verhältnismäßig hohen Preis sowie die gestiegenen Stahl- und Energiepreise in den 60er Jahren. Da es sich bei den verbliebenen Häusern um Raritäten handelt, sind die Stahlhäuser für das Hoesch-Museum von hohem Interesse, allen voran das L 141, weil es noch heute im fast Originalzustand erhalten ist.

Alte Stahlhäuser erstrahlen im Hoesch-Museum in neuem Glanz

Ein Anwohner hat die Stahlfassade im Laufe der Jahre mit Holz ersetzt. © Robien

Das L 141 soll in die Nordstadt transloziert, also abgebaut und originalgetreu wieder aufgebaut, werden. Auf dem Gelände neben dem Hoesch-Museum könnte der Stahlbungalow dann als zusätzliche Ausstellungsfläche im nächsten Jahr zur Verfügung stehen. Die Verhandlungen mit den Eigentümern der Immobilie und Thyssen Krupp Steel sollen bis Ostern abgeschlossen sein. Die Leiterin des Hoesch Museums, Isolde Parussel, ist zuversichtlich und begeistert: „Die Idee ist fabelhaft. Die Vorstellung, dass ich das begleiten darf, ist der Hammer.“

Auf der Ausstellung sind die Umbauten dokumentiert

Der Fotograf Philipp Robien (FH Dortmund) hat die Veränderungen und Umbauten der Stahlhäuser dokumentiert. Vom 3. Februar bis 7. April 2019 sind seine Fotografien im Hoesch-Museum zu sehen. Eröffnet wird die Schau am Sonntag, 3. Februar, 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Fotoausstellung heißt „Zum Aufhängen eines Bildes reicht ein Magnet“. Zu sehen sind neben den Stahlbungalows und historischen Ansichten auch alte Werbebroschüren für die schlüsselfertigen Eigenheime.

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