Altenheim in der Corona-Krise: „Die normalen Regeln gelten nicht mehr“

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Angehörige dürfen nicht mehr in die Seniorenheime, Mitarbeiter und Senioren müssen sich schützen. Der Leiter eines Dortmunder Seniorenzentrums erzählt, wie sein Heim mit der Krise umgeht.

Kirchlinde

, 09.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zu den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gehört, dass Seniorenheime nur noch für die Mitarbeiter zugänglich sind. Besuch von Angehörigen ist verboten. Zudem müssen Mitarbeiter sich schützen, um die Senioren zu schützen.

„Die normalen Regeln gelten nicht mehr“, sagt Peter Boeckel als Leiter des Awo-Seniorenzentrums in Kirchlinde. „Es gibt immer wieder Neuerungen, man weiß nicht mehr, ob das, was heute gilt, morgen auch noch gültig ist.“

Derzeit sei die Situation im Seniorenzentrum jedoch noch entspannt. Bislang sei kein Mitarbeiter krankheitsbedingt ausgefallen oder unter Quarantäne. Auch mit Schutzkleidung sei das Zentrum gut ausgestattet. „Aber es gibt natürlich Pandemie-Pläne, falls es hier einen Corona-Fall geben sollte“, sagt Peter Boeckel. „Und wie es dann hier aussieht, weiß ich nicht. Davor habe ich Muffe.“

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Wohnbereiche sind voneinander getrennt

Die Mitarbeiter des Seniorenzentrums seien jedoch hoch motiviert, den Bewohnern die Zeit der Corona-Krise so angenehm wie möglich zu machen – solange es im Zentrum selbst keinen Fall gebe, der andere Maßnahmen erforderlich mache.

„Meine Mitarbeiter, nicht nur aus der Pflege, sondern aus allen Bereichen, kümmern sich und sorgen dafür, dass unsere Bewohner mehr Zerstreuung haben als beispielsweise jemand, der alleine wohnt“, sagt Peter Boeckel.

Beispielsweise sei das alljährliche Bepflanzen der Blumenkästen diesmal aus Hygienegründen in Einzelbetreuung erfolgt. Gleichzeitig hatten die Senioren so eine Zeit lang einen Mitarbeiter des Zentrums ganz für sich alleine und konnten auch die Osterdekoration aufstellen.

Mitarbeiter schützen sich und die Senioren mithilfe von selbst genähten Masken.

Mitarbeiter schützen sich und die Senioren mithilfe von selbst genähten Masken. © dpa

Bingo und andere Aktionen innerhalb des Seniorenzentrums finden weiterhin, allerdings in kleineren Gruppen und mit mehr Abstand zueinander, statt. „Die drei Wohnbereiche sind außerdem separiert, damit sich die Senioren und Mitarbeiter nicht begegnen“, erklärt Peter Boeckel. „So habe ich letztens an drei Tagen für je einen Wohnbereich auf dem Balkon gegrillt.“

Virtuelle Besuche sind Dank neuer Tablets möglich

Weitere Grillabende seien nach den Ostertagen geplant. Zudem gebe es nun „Parkplatz-Konzerte“, denen die Senioren von den Fenstern aus zusehen und lauschen können. „Ich habe unter anderem einen Dudelsack-Spieler an der Hand, der dann auch ums ganze Haus herumgehen wird.“

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Angehörige bekommen per Post oder per E-Mail regelmäßig Informationen und Fotos, was im Seniorenzentrum gemacht wird. Zusätzlich stehen die Mitarbeiter telefonisch zur Verfügung und rufen selbst regelmäßig an.

„Die Angehörigen freuen sich sehr darüber“, sagt Peter Boeckel. „Und mit den vor gut zwei Wochen neu angeschafften Tablets können wir auch Video-Chats ermöglichen.“ Virtuell bekommen die Senioren also weiterhin Besuch.

„Hier vereinsamt niemand, weil niemand allein gelassen wird“, betont Peter Boeckel. Um die umfassende Betreuung der Bewohner weiterhin zu gewährleisten, gibt es neue Hygienevorschriften, damit möglichst weder die Mitarbeiter noch die Senioren erkranken.

Verschärfte Hygienevorschriften sollen das Coronavirus vom Heim fernhalten

Neben den nun scharf voneinander getrennten Wohnbereichen, gelten derzeit weitere neue Regeln. Die Mitarbeiter tragen selbst genähte Masken und desinfizieren ihre Hände noch häufiger als normalerweise. Türklinken und andere Dinge, die von vielen Personen berührt werden, werden mindestens drei Mal am Tag desinfiziert.

Zudem müssen die Senioren Abstand voneinander halten, auch wenn teilweise Freundschaften bestehen. „Die Bewohner sind da sehr verständnisvoll und auch wenn ich nicht kontrollieren kann, was meine Mitarbeiter abseits der Arbeit tun, bin ich sicher, sie handeln verantwortungsvoll“, sagt Peter Boeckel.

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