Altenpflegerin: „Die Sorge, das Virus ins Heim zu tragen, ist groß“

rnAlltag im Pflegeheim

Die Angst vor dem Coronavirus in Dortmunder Pflegeheimen ist allgegenwärtig. Auch das Leben der Altenpfleger hat sich spürbar verändert. Doch die angespannte Situation macht erfinderisch.

Dortmund

, 24.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein einzelner Corona-Fall kann in einem Altenpflegeheim schwere Folgen haben. Das zeigen Vorkommnisse aus anderen deutschen Städten. Den Dortmunder Einrichtungen sind solche Erfahrungen bislang erspart geblieben. Die Sorge vor einer möglichen Ansteckung ist aber weiterhin groß. Vor allem auch für das Pflegepersonal ist die momentane Situation eine zusätzliche Herausforderung.

Mareike Hank und Manuela Grawe arbeiten im Altenzentrum St. Hildegard in Berghofen. Mit ihren Kollegen kümmern sich die beiden Altenpflegerinnen um die knapp 100 Bewohner. Die Corona-Pandemie hat sowohl ihr berufliches als auch ihr privates Leben stark verändert.

Bewohner sind verständnisvoll

„Die Umstellungen und notwendigen Maßnahmen kamen für die Bewohner und uns anfangs schon sehr kurzfristig. Aber es haben alle Hand in Hand gearbeitet, sodass die Regelungen schnell umgesetzt werden konnten“, erklärt Manuela Grawe.

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Wichtig sei zu diesem Zeitpunkt gewesen, dass die Bewohner sehr verständnisvoll reagierten. „Natürlich muss man beispielsweise demenziellen Patienten häufiger erklären, weshalb jetzt bestimmte Veränderungen erforderlich sind. Aber das klappt nach wie vor sehr gut“, so Grawe.

Hofgottesdienst und Videoanrufe

Durch die derzeitige Lage sei außerdem der Zusammenhalt zwischen Bewohnern und Pflegepersonal noch einmal stärker geworden. Das zeige sich vor allem in den unterschiedlichen Aktionen, die während der Corona-Krise organisiert wurden.

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„Es wurde zum Beispiel ein Gottesdienst im Innenhof veranstaltet, den die Bewohner von ihren Fenstern aus verfolgen konnten“, erklärt Grawe. Und auch beim Thema Besuche ist man erfinderisch geworden, wie die 58-Jährige unterstreicht: „Wir haben Tablets angeschafft, mit denen die Bewohner ihre Angehörigen per Videoanruf sehen konnten. Das war natürlich erstmal etwas völlig Neues, aber hat das Ganze auch durchaus entspannt.“

Situation hat Auswirkungen auf Privatleben

Ohnehin hätten die Angehörigen beinahe ausnahmslos Verständnis gezeigt. Selbst diejenigen, die zuvor jeden Tag im Pflegeheim vorbeischauten, seien einsichtig gewesen. „Auch die kurzfristige Ankündigung, dass ab dem Muttertag wieder richtige Besuche erlaubt seien, hat zu keinem Chaos geführt. Es werden jetzt Termine vergeben und das klappt bisher ohne Probleme“, so Hank.

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Dennoch sei es momentan keine einfache Situation. Die Arbeit in einem Pflegeheim hat der 37-Jährigen zufolge auch Auswirkungen auf das Privatleben: „Meine Kinder sagen mir schon immer, dass ich übervorsichtig bin. Aber ich möchte auch auf keinen Fall den Virus in die Einrichtung tragen. Vielleicht achte ich deshalb noch intensiver auf die Vorsichtsmaßnahmen.“

Spaß geht nicht verloren

Das führe unter Umständen auch zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Dingen. Hank: „Wenn ich beispielsweise beim Einkaufen Menschen sehe, die es mit den Regeln offensichtlich nicht so ernst nehmen, dann werde ich schon sauer. Vor allem weil man eine Infektion einfach nie ganz ausschließen kann.“

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Der Spaß an der Arbeit geht aber auch durch solche Vorkommnisse nicht verloren. Dafür sorgen nicht zuletzt die Bewohner, sagt Hank. Das jüngste Beispiel: „Unser Friseur im Altenzentrum ist noch geschlossen und deshalb war eine Bewohnerin mit ihren Haaren unzufrieden. Sie hat dann aber gesagt, dass sie zwar strubbelig aussehe, aber wenigstens noch lebe. Also der Humor ist nach wie vor vorhanden.“

Auch wegen solcher Geschichten wollen die beiden Frauen ihren Job im Pflegeheim nicht missen: „Die Dankbarkeit, die wir von den Bewohnern zurückbekommen ist einfach unbezahlbar und ich würde nie einen anderen Beruf ausüben wollen“, betont Mareike Hank. Da wird auch die Corona-Krise nichts dran ändern können.

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