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Am „Car-Freitag“ zog die Polizei Autos vor der Burgerbude von JP Kraemer aus dem Verkehr

rnVerkehrskontrollen in Dortmund

Die Polizei Dortmund kontrollierte am „Car-Freitag“ 200 Fahrzeuge und verhängte Verwarngelder gegen Raser und Tuner. Auch vor der Burgerbude von TV-Star JP Kraemer stand die Polizei.

Dortmund

, 20.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Am Freitagabend um Punkt 21.42 Uhr blickt Nico in das rote Licht der Polizeikelle. Rechts ran an der Brackeler Straße, stadteinwärts, gegenüber vom Metro-Parkplatz. Honiggelb schimmert der Vollmond über der Szenerie, es ist 17 Grad mild. Gut ein Dutzend Polizeibeamte haben einen Kontrollposten eingerichtet, schon hundert Meter davor zwingen orangeblinkende Warnleuchten die Autofahrer auf eine einzige Spur.

Polizei achtet besonders auf die Rad-Reifen-Kombination

Unter den Nachtschwärmern, die in Richtung Stadt wollen, hat ein 24 Jahre alter Polizeikommissar den tiefergelegten Golf IV als potenziell verdächtig ausgemacht. Er hebt die Kelle, Nico muss rechts ran. „Polizeikontrolle, die Wagenpapiere bitte!“

Am „Car-Freitag“ zog die Polizei Autos vor der Burgerbude von JP Kraemer aus dem Verkehr

Nico und Patrick aus Unna gerieten am „Car-Freitag“ in eine Verkehrskontrolle der Polizei. Dass getunte Autos kontrolliert werden, kann Nico nachvollziehen: „Manche übertreiben es auch.“ © Oliver Schaper

Nico (28) und sein Beifahrer und Kumpel Patrick (27) kommen aus Unna, wollen gleich noch zu einer House-Party in der City. Beide steigen aus und sehen zu, wie zwei Kommissare den dunkelblauen Golf unter die Lupe nehmen. Das Auto (Zeitwert etwa 3500 Euro) hat Metalliclackierung und funkelt so neu, als habe es am Vortag die Fabrik verlassen.

Zunächst prüfen die Beamten die Papiere, schauen nach, ob technische Veränderungen ordnungsgemäß in den Fahrzeugschein eingetragen und vom TÜV abgenommen sind. „Wir achten ganz besonders auf die Rad-Reifen-Kombination“, sagt Heiko Radmacher (43). Der Hauptkommissar ist stellvertretender Einsatzleiter und ermittelt schon seit sieben Jahren schwerpunktmäßig im Bereich der Tuning- und Raserszene. „Wenn ein Auto tiefergelegt wird, ist häufig nur ein bestimmter Reifentyp dafür zugelassen“, erklärt Radmacher. „Das muss aber nicht unbedingt der sein, der dem Fahrer gefällt oder zu dem er passende Felgen hat.“

Am „Car-Freitag“ zog die Polizei Autos vor der Burgerbude von JP Kraemer aus dem Verkehr

Autofahrer Nico sieht zu, wie die Polizisten seinen Golf IV unter die Lupe nehmen. © Oliver Schaper

Also montieren manche der Tuningfans nicht zugelassene Reifen, die am Radkasten Schleifspuren hinterlassen können. „Das kann den Reifen so weit aufschlitzen, dass er nur noch auf Felge fährt – eine riesige Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer.“

Aufgehübschter Blinker kostet 50 Euro Verwarngeld

Was die Rad-Reifen-Kombination betrifft, kann Nico aufatmen, an seinem Golf ist alles in Ordnung. Gut hundert Stunden Arbeit und „locker“ 4000 Euro hat der Anlagen- und Maschinenführer in sein Hobby gesteckt. Über den Scheinwerfern hat er eine schmale Folie angebracht, die seinem Golf „den bösen Blick“ verleiht, wie es Polizeisprecherin Nina Vogt erklärt, die die Kontrolle begleitet.

Ein Detail wird Nico dann doch noch zum Verhängnis. Er hat die Seitenblinker so präpariert, dass beim Betätigen nur der Schriftzug „Golf“ aufblinkt. Nicht zugelassen, 50 Euro Verwarnungsgeld werden fällig. Nico reicht zähneknirschend seine EC-Karte rüber, sagt aber auch: „Im Grunde habe ich Verständnis für die Kontrollen, denn manche übertreiben es auch.“ „Manche“, das sind diejenigen, die die vermehrten Kontrollen der letzten Zeit ausgelöst haben: Fahrer, die aufgemotzte Motoren heulen und unzulässige Auspuffanlagen röhren lassen, zum Leid vieler Anwohner in der City.

Am „Car-Freitag“ zog die Polizei Autos vor der Burgerbude von JP Kraemer aus dem Verkehr

Dieser Seitenblinker ist so präpariert, dass beim Betätigen nur der Schriftzug „Golf“ aufblinkt. Das kostet den Fahrzeughalter 50 Euro Verwarngeld. © Oliver Schaper

Nico scheint dem Hauptkommissar fast Leid zu tun. „Wir haben überhaupt nichts gegen legales Tuning, aber es darf halt zu keiner Gefährdung kommen“, sagt Radmacher, der sich selbst für gut designte Felgen begeistern kann. „Es kommt schon vor, dass wir auch mal jemandem ein Kompliment für sein toll hergerichtetes Fahrzeug machen.“

Beamten postierten sich bei Szenegröße JP Kraemer

Schon seit dem frühen Nachmittag sind die Beamten des Dortmunder Polizeipräsidiums im Einsatz. Das schöne Wetter hat nicht nur Ausflügler aus den Häusern gelockt, auch die Tuner wollen ihre Gefährte präsentieren. Seit einigen Jahren läutet der Karfreitag in der Szene als „Car-Freitag“ den Saisonbeginn ein.

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Was den Polizisten gar nicht gefiel: Die aus dem Privatfernsehen bekannte Szenegröße Jean Pierre „JP“ Kraemer (38) hatte Autofans zu einer Burgerbude in der Nordstadt gelockt, um dort Aufkleber zu verteilen. Die Beamten postierten sich rechtzeitig, schickten schon nachmittags zwölf Autos zum Gutachter. „Der Ingenieur wird immer hinzugezogen, wenn wir selbst nicht eindeutig beurteilen können, ob ein Auto noch verkehrssicher ist“, sagt Michael Harder, Erster Polizeihauptkommissar, Einsatzleiter am „Car-Freitag“.

Ein Audi wurde wegen einer falschen Rad-Reifen-Kombination und illegaler Folienausstattung noch an Ort und Stelle stillgelegt. „Das Auto hatte gar kein Fahrwerk, sondern lief auf Federn, von denen eine nur an einer einzigen Schraube befestigt war.“ Neben den Polizisten waren auch Radarwagen der Stadt unterwegs. Auf Phoenix-West, wo sich am Nachmittag Tuner versammelten hatten, machten Ordnungsamtsmitarbeiter klar, „dass dort um 20 Uhr Schluss ist“.

Polizei hält britische Punkrockband an

Wenig später an der Brackeler Straße. Es ist dunkel geworden, schon von weitem ist durch das Zucken der Blaulichter auf dem Polizeibulli klar, dass kontrolliert wird. Zur Umkehr ist es nun zu spät. Auch ein silbergrauer Lexus IS 200 mit britischem Kennzeichen muss anhalten. Drin sitzen Dave, Dani und Jack von der Punkrockband „Blank Screen“ aus Nottingham, in der Musikanlage dröhnt gerade „Take a bite“ von ihrer eigenen CD „Nothing Rhymes with Orange“. „Wir wollen nur ein paar Tage Urlaub im Ruhrgebiet machen“, sagt Dave, dann dürfen die Jungs auch schon weiterfahren.

Am „Car-Freitag“ zog die Polizei Autos vor der Burgerbude von JP Kraemer aus dem Verkehr

Die Dortmunder Polizei kontrollierte am „Car-Freitag“ vor allem an der Brackeler Straße ihr auffällig erscheinende Fahrzeuge. © Oliver Schaper

Für den 28 Jahre alten Schweißer Mateusz aus Dortmund ist es inzwischen Routine, in seinem getunten Honda Civic Type R mit 320 PS angehalten zu werden. „Dabei hab‘ ich schon vieles zurückgebaut, um keinen Ärger mit der Polizei zu haben.“ Dennoch springt den Beamten der stylische Schaltknüppel ins Auge. Funkgeräte knacken, es fallen Begriffe wie „Bruchsicherungsgutachten“. Dann darf auch Mateusz weiter in die Frühlingsnacht. „Den Originalschaltknüppel hab‘ ich vorsichtshalber immer dabei.“

64 Raser erhielten Verwarngelder

Die Polizei teilte mit, dass sie gemeinsam mit Einsatzkräften der Stadt Dortmund an Karfreitag „bis hin die Nacht hinein“ 202 Fahrzeuge sowie 250 Personen kontrollierte. Vor allem in der Innenstadt und an der Brackeler Straße. Die Polizei verhängte 64 Verwarngelder gegen Raser. Ein 45-jähriger Motorradfahrer fuhr auf der B54 163 statt 100 km/h, eine 31-jährige Autofahrerin wurde auf der B236n mit 142 statt 80 km/h gemessen. Zusätzlich schrieb die Polizei 35 Ordnungswidrigkeitenanzeigen. Drei Fahrzeuge legte die Polizei still, sieben Fahrführern untersagte sie die Weiterfahrt. Die Beamten schrieben 32 Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen technischer Mängel beziehungsweise des Erlöschens der Betriebserlaubnis und verhängten 15 Verwarngelder wegen des Erlöschens der Betriebserlaubnis.
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