Am Klinikum gibt es drei Millionen Überstunden

Proteste

Drei Millionen Überstunden, acht oder neun Prozent Krankenstand - den Beschäftigten des städtischen Klinikums geht es offenbar schlecht. Am Donnerstag machten sie auf einer Demonstration ihrem Ärger Luft.

DORTMUND

von von Ulrike Böhm-Heffels

, 02.12.2011, 04:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Klinikum gibt es drei Millionen Überstunden

Die Klinikbeschäftigten protestierten am Donnerstag.

 Der Krankenstand in der Pflege soll bei 8 bis 9 Prozent liegen, Arbeitsdirektor Ortwin Schäfer spricht von 7 Prozent – höchster Stand unter allen Beschäftigten.  Die Überstunden summieren sich inzwischen auf über drei Millionen, sagt Silke Scheele-Drüke, stellvertretende Sprecherin der verdi-Vertrauensleute. Bei den Vertrauensleuten türmten sich im Schnitt acht Belastungsanzeigen am Tag. Sogar Intensivbetten seien wegen Personalmangels gesperrt. „Die Mitarbeiter leben privat quasi in einer ständigen Rufbereitschaft. Und weil wir dieses Helfer-Syndrom haben, lassen die meisten tatsächlich Freizeit und Urlaub sausen, ja selbst die Mittagspause“.

 So auch am Donnerstag, aber da hatte die Gewerkschaft verdi zur „Aktiven Mittagspause“ an den Klinikum-Standorten Mitte und Nord aufgerufen. Zum Protest gegen weiteren Personalabbau. Noch einmal sollen 22 Stellen geopfert werden. Als der Sanierer Berger im Oktober das Klinikum verließ, habe es geheißen, der Personal-Abbau sei abgeschlossen, mahnt Scheele-Drüke an. Jetzt werde die Sanierung auch auf dem Rücken der Auszubildenden forciert, kritisiert Rejhan Nailovic, Jugendsekretär bei verdi: „Mit rund 350 Azubis ist das Klinikum der größte Ausbilder in Dortmund. Sie werden im Personalplan als Vollbeschäftigte eingerechnet.“

 Außerdem werde so gut wie niemand von den Azubis übernommen, obwohl es an Nachwuchs fehle und der Altersdurchschnitt am Klinikum in der Pflege bei 45 Jahren liege, ergänzt Scheele-Drüke. Und so schnappte sich auch eine Auszubildende das Megaphon und mahnte die fehlende Praxisanleitung an.  Unterdessen mehren sich Anzeichen, dass heute der Aufsichtsrat den Wirtschaftsplan doch nicht in vorgelegter Form beschließen wird. Stattdessen machen erneut Gerüchte um eine Teil-Privatisierung die Runde. 2012 soll der Haushalt glatt gebügelt sein, noch besser gepolstert für Investitionen. Statt schwarzer Null ein Plus in der Bilanz. Laut Plan müssen noch einmal 3,5 Millionen Euro eingespart werden, davon allein 2,6 Millionen durch Personalabbau bei Ärzten, Pflegern und in der Verwaltung.  Das Gremium wird wohl das Ende der Ära Mechthild Greive als Hauptgeschäftsführerin einläuten.  

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