Schüler (15) aus Dortmund ist der jüngste Jung-Unternehmer Deutschlands

rnEigenes Gewerbe

„Von 8 bis 15 Uhr bin ich Schüler, danach Unternehmer“, sagt Amir Younes Gdamsi aus Dortmund. Mit seinem eigenen Gewerbe will er Geld verdienen. In der Schule polarisiert der 15-Jährige.

Asseln

, 07.05.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Teenager in seinem Alter haben normalerweise wohl andere Gedanken im Kopf als ein eigenes Unternehmen zu gründen. Schnell wird jedoch klar, dass Amir Younes Gdamsi ein bisschen anders tickt als andere Gleichaltrige. „Von acht bis 15 Uhr bin ich Schüler, danach ein Unternehmer“, sagt der 15-Jährige.

Anfang Mai 2020 meldete der Sohn einer Polin und eines Libyers sein eigenes Gewerbe an. Der Name: AGM-Marketing. AGM steht dabei für „Attention Generation Media“. „Generation“ sei dabei eine Anspielung an die „Generation Z“, die die zwischen 1997 und 2012 geborenen Jugendlichen beschreibt. Dazu zählt Amir auf dem Papier auch – und trotzdem wirkt der Neuntklässler deutlich reifer.

Die Aufgaben seines Unternehmens beschreibt Amir so: „Ich helfe lokalen Unternehmen dabei, Kunden online zu erreichen und eine Philosophie zu entwickeln.“ Er fokussiere sich dabei auf den Bereich Social Media. „Die Digitalisierung ist wie eine Welle“, sagt der Jung-Unternehmer. „Entweder man schwimmt darauf oder geht unter.“

Das Café seiner Mutter als erster Testkunde

Seine ersten Wirtschaftserfahrungen habe das zwischenzeitliche Mitglied der Bezirksschülervertretung Dortmund auf dem Schulhof beim Handel mit Süßigkeiten gemacht, sagt Amir nicht ganz ernst gemeint. In Eigeninitiative habe sich Amir daraufhin über Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmertum informiert. Da er in seiner Freizeit sowieso viel Zeit am Handy verbringe – und in dieser Hinsicht tickt Amir wohl doch wie seine Mitschüler –, schien ihm der Bereich Social Media als Einstiegs-Thema am sinnvollsten.

Über Vorträge, Seminare und Kontakte in die Szene informierte Amir sich über Performance- und Social-Media-Marketing. Nur selten traf der Senkrechtstarter dabei auf andere Jugendliche. Deswegen habe er bei den Veranstaltungen automatisch für viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Erste Praxiserfahrungen sammelte Amir mit dem Café seiner Mutter, für das er eine Webseite erstellte, sie in den sozialen Netzwerken postete und Online-Anzeigen schaltete. Auch die Zielgruppe definierte er in diesem Fall: Frauen ab 50 Jahren im Umkreis von zehn Kilometern. Als Haupt-Kommunikationsplattform nutzte Amir Facebook. „Mit meinen Maßnahmen habe ich circa 10.000 Menschen pro Monat erreicht“, sagt er stolz.

Amir löst bei Mitschülern gemischte Gefühle aus

Da er mit seinen Fähigkeiten Geld verdienen wollte, musste Amir ein Gewerbe anmelden. Das sei für Minderjährige verständlicherweise schwieriger als für Erwachsene, sei aber dank des Paragraphen 112 des Bürgerlichen Gesetzbuches möglich. Notwendig dafür ist die Genehmigung der Eltern und des Familiengerichts sowie das Einverständnis des Jugendamts und der Schule.

Amir Younes Gdamsi im Café seiner Mutter. Sie war sein erster Testkunde.

Amir Younes Gdamsi im Café seiner Mutter. Sie war sein erster Testkunde. © Oliver Schaper

Besonders Amirs Schulleiter war erst skeptisch, habe aber später zugestimmt. Seine Eltern musste er zwar auch erst überzeugen, aber sie würden ihn voll unterstützen, sagt er. In seiner Schule polarisiert Amir zum Teil. „Natürlich gibt es manche, die neidisch sind, aber viele finden das auch cool“, sagt der Schüler des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln.

An andere Gleichaltrige hat Amir einen Tipp: „Befasst euch mit Persönlichkeitsentwicklung, weil ein Schulabschluss alleine reicht heute nicht mehr“, ermutigt der Gymnasiast. „Und habt Mut, ins kalte Wasser zu springen und etwas zu wagen.“

Amir hat einen Fünf-Jahres-Plan

Für seine berufliche Zukunft hat Amir ambitionierte Ziele. „In den kommenden fünf Jahren möchte ich mein Ein-Mann-Unternehmen zu einer 'richtigen' Firma aufbauen und mehrere Mitarbeiter einstellen.“ Da seine Eltern Wert auf ein Studium legen würden, überlegt Amir nach dem Abitur zu studieren. „Auf jeden Fall etwas in Richtung Wirtschaft“, so Amir. „BWL oder so etwas.“

Angst vor dem Scheitern hat der gebürtige Dortmunder nicht. „Wenn ich in den kommenden fünf Jahren scheitern sollte, habe ich immer noch mehr gelernt als viele andere 20-Jährige“, erklärt Amir.

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