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Amok-Übung in Eving: Leben retten, auch wenn die Gefahr gar nicht echt ist

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Als am Mittwochabend Alarm an der Hauptschule am Externberg ausgelöst wurde, sah es zuerst nach einem Amoklauf aus. Was zunächst nur wenige wussten: es war nur eine Übung.

von Sylva Witzig

Eving

, 09.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Rund 120 Einsatzkräfte wurden Mittwoch kurz nach 18 Uhr an die Hauptschule am Externberg gerufen. Eine lebensbedrohliche Gefahrenlage wurde gemeldet. Hinter diesem Einsatzstichwort könnte sich zum Beispiel ein Amoklauf verbergen. Entsprechend viele Einsatzkräfte der Feuerwehr wurden alarmiert. Auch Polizisten und Notärzte kamen dazu. Erst vor Ort wurde klar: es handelte sich nur um eine Übung.

Fünf professionelle Helfer der DLRG-Ortsgruppe stellten die Situation gemeinsam mit drei Dummys nach. Die Helfer gaben sich, realistisch geschminkt, als Opfer aus. Der Hausmeister wusste Bescheid und schloss die Räumlichkeiten für die Einsatzkräfte auf.

Zum Zeitpunkt der Übung befand sich auch noch eine Schulklasse im Gebäude. Die Jugendlichen wurden eingeweiht und hielten sich nicht in der Nähe des Übungsortes auf. An echten Schülern sollte nicht geübt werden. Die Anwohner wurden über Twitter über den Vorgang informiert – deshalb gab es keine besorgten Anrufe aus dem Umfeld.

„Es geht einem viel durch den Kopf, wenn die Meldung eingeht. Man ist natürlich unsicher und spult im Kopf die bestehenden Notfallpläne ab. In dem Moment ist keine Zeit, sich Sorgen um die eigene Sicherheit zu machen. Entscheidend sind die ersten Minuten des Einsatzes und die Kommunikation zwischen der Leitstelle und den Teams“, erzählt Einsatzleiter Dr. Carsten Speth. Insgesamt dauerte es eine Stunde, bis das erste simulierte „Opfer“ auf dem Weg ins Krankenhaus war. Nach etwa zwei Stunden war der Einsatz beendet.

Auch Lehrer sind vorbereitet

„Im Ernstfall sollten Schüler im Klassenraum bleiben und sich an die Lehreranweisungen halten“, empfiehlt Feuerwehrsprecher Andreas Pisarski. Die Lehrer würden regelmäßig gebrieft. Zu viel Infos über die Sicherheitsvorkehrungen wolle man den Schülern und damit leider auch potenziellen Tätern nicht geben, damit die Sicherheit gewährleistet bleibe.

Bei der Hauptschule am Externberg handele es sich um keine konkret gefährdete Schule, wurde betont. Auch die Schulform sei nicht ausschlaggebend - es hätte genauso gut ein Gymnasium sein können.

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Die Übung war schon länger geplant, eine Flughafenübung kam jedoch terminlich dazwischen. Die Feuerwehr übt regelmäßig für den Ernstfall (z.B. bei der Bahn oder in Tunneln). „Es ist unheimlich wichtig, dass niemand von der Übung weiß. Nur so können wir wirklich testen, ob die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften funktioniert“, so Speth. Wenige Feuerwehr- und Polizeikräfte planten das Szenario gemeinsam.

Handeln, wie im echten Notfall

Auch bei einer Übung stehen die Einsatzkräfte unter Stress. Dr. Carsten Speth berichtet: „Die Minuten, die die Polizei gebraucht hat, um die Schule zu sichern, kamen mir sehr lang vor. Wir hörten Schüsse, sahen Qualm und malten uns aus, wie es wohl in der Schule aussehen könnte. Als die Polizei meldete, sie habe den Täter gefasst, waren wir schon etwas erleichtert. Selbst als klar war, dass es sich Gott sei Dank nur um eine Übung handelte, funktionierten die Einsatzkräfte wie bei einem echten Notfall. Man denkt nicht viel nach, sondern versucht Leben zu retten - auch wenn die Gefahr nicht echt ist.“

Im Ernstfall betreuen Notfallseelsorger nicht nur die Opfer, sondern auch Angehörige und Einsatzkräfte. Die Bilder, die sich bei einigen Einsätzen bieten, brennen sich oft im Gedächtnis ein.

Für die Dortmunder Einsatzkräfte war es die erste Übung eines Amokfalls. Aus Sicht der Feuerwehr war die Übung ein voller Erfolg. Das einzige Manko seien technische Probleme mit den Funkgeräten gewesen.

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