Analyse: AfD verliert viele Stimmen in Hochburgen, bleibt aber stark

rnKommunalwahl in Mengede

Seit der Bundestagswahl 2017 macht der Stadtbezirk Mengede wegen seiner AfD-Hochburgen Schlagzeilen. Einzelne Stimmbezirke der Kommunalwahl liefern interessante Ergebnisse. Eine Analyse.

Mengede

, 23.09.2020, 12:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Europawahl 2019 und der Bundestagswahl 2017 machte der Stadtbezirk Mengede als eine Hochburg der AfD Schlagzeilen. In mehreren Wahllokalen holte die Alternative für Deutschland mehr als 20 Prozent der Stimmen. Bei der Europawahl war sie in einem Bodelschwingher Stimmbezirk sogar stärkste Kraft. Das Ergebnis der Kommunalwahl sieht etwas anders aus.

Auf Stadtbezirksebene ist die AfD in Mengede mit einem Stimmanteil für die Wahl der Bezirksvertetung von 7,8 Prozent im Vergleich zur Europa- (14,1) und Bundestagswahl (14,9) auf fast die Hälfte geschrumpft.

Aufsehen erregte bei der Europawahl der Bodelschwingher Stimmbezirk mit dem Wahllokal in der Kindertagesstätte Wattenscheidskamp. Hier holte die AfD 2019 27,7 Prozent – und damit nicht nur das stadtweit höchste Ergebnis in einem Stimmbezirk. Sie „gewann“ ihn sogar vor SPD, Grünen und der CDU.

Wattenscheidskamp bleibt Hochburg

Eine Hochburg ist die Großwohnsiedlung zwischen Bodelschwingher Straße, Westerfilder Straße und S-Bahn-Gleis auch bei der Kommunalwahl. Mit 19,6 Prozent holt die AfD hier rund zweieinhalbmal so viele Stimmenanteile wie auf Stadtbezirksebene – wenn auch mit rund einem Drittel Verlust zur Europawahl. Sie ist nach der SPD (30,4) dort die Nummer zwei – vor CDU (18,9) und Grünen (8,8).

Die Kita in der Großwohnsiedlung Wattenscheidskamp bleibt eine Hochburg der AfD.

Die Kita in der Großwohnsiedlung Wattenscheidskamp bleibt eine Hochburg der AfD. © Uwe von Schirp

In der „BuRiAd“, einer weiteren Großwohnsiedlung südlich der Dörwerstraße in Nette, errang die AfD ebenfalls bei Europa- und Bundestagswahl ein hohes Ergebnis. Wahllokal ist die Albert-Schweitzer-Realschule (ASR). Waren es bei der Wahl zum Bundestag 20,7 Prozent, sind es bei der Kommunalwahl noch 8,6 Prozent.

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Unter ganz anderen städtebaulichen Vorzeichen steht der Stimmbezirk „KiTa Erbeerfeld“. Zu ihm gehören zum einen das große gleichnamige Neubaugebiet mit vielen Eigenheimen, zum anderen die Bergbausiedlung zwischen Mengeder Straße und Eisenbahnlinie. Hier erzielt die AfD 8,6 Prozent. Bei der Bundestagswahl waren es ebenfalls 20,7 Prozent.

Parteien der Mitte sind weiterhin besorgt

Auffällig: In den drei AfD-Hochburgen im Stadtbezirk Mengede holt die Partei „Die Rechte“ ebenfalls weit überdurchschnittliche Ergebnisse: von 4,1 Prozent (Erdbeerfeld) über 5,7 Prozent (ASR) bis zu 6,1 Prozent (Wattenscheidskamp).

In der Albert-Schweitzer-Realschule an der Dörwerstraße gehen vor allem die Bewohner der "BuRiAd"-Siedlung wählen.

In der Albert-Schweitzer-Realschule an der Dörwerstraße gehen vor allem die Bewohner der "BuRiAd"-Siedlung wählen. © Uwe von Schirp

Das Wählerpotenzial rechts der Mitte erschreckt einmal mehr die etablierten Parteien. „Das starke Abschneiden von AfD und Rechter besorgt mich“, sagt Sandra Spitzner, Stadtbezirksvorsitzende der SPD.

Erwin Bartsch, Vorsitzender des CDU-Stadtbezirks, will noch einmal genau die einschlägigen Stimmbezirke analysieren. „Das ist schon kritisch“, sagt er. Denn auch in der Netter „BuRiAd“-Siedlung liegt die AfD vor der CDU und nur knapp hinter den Grünen.

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„Wir hatten die Sorge, wie die Rechte und AfD in Nette und Bodelschwingh/Westerfilde abschneiden“, erklärt die Fraktionssprecherin der Grünen in der Bezirksvertretung, Isabella Knappmann. Allein im eher bürgerlichen Erdbeerfeld entspricht das Ergebnis in etwa dem des Stadtbezirks.

SPD verliert massiv an absoluten Wählerstimmen

In den Großwohnsiedlungen geht das überdurchschnittliche Ergebnis von AfD und Rechter einher mit einer extrem unterdurchschnittlichen Wahlbeteiligung. Gerade 20,8 Prozent beträgt sie im Wattenscheidskamp, 17,7 Prozent in der ASR, gar 15,8 Prozent im Wahllokal Awo-Begegnungsstätte Speckestraße in Westerfilde. Hier erzielte die AfD 11,5 Prozent.

In der Awo-Begegnungsstätte Westerfilde inmitten der Großwohnsiedlung Speckestraße war die Wahlbeteiligung besonders gering.

In der Awo-Begegnungsstätte Westerfilde inmitten der Großwohnsiedlung Speckestraße war die Wahlbeteiligung besonders gering. © Uwe von Schirp

Die geringe Wahlbeteiligung geht vor allem zu Lasten der SPD. Das zeigt die Anzahl der absoluten Wählerstimmen. Wählten in der Speckestraße 2014 noch 144 Bürger die SPD, waren es am 13.9. noch 62. Ähnlich in der ASR: von 184 blieben 54, von 119 ging es im Wattenscheidskamp auf 45 runter.

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Ebenfalls gravierend ist der Rückgang der Stimmen bei der CDU. Die Ergebnisse der Briefwahlbezirke relativieren das nur gering. Allein die Grünen stabilisierten in den AfD-Hochburgen ihr Ergebnis oder legten noch zu.

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