Anfälliges Nadelöhr legt häufig Dortmunds Hafen lahm

Waltroper Schleuse

Oft haben Schiffe Probleme, in Dortmunds Hafen einzulaufen. Denn Europas größter Kanalhafen hat eine Achillesferse: die Waltroper Schleuse. Sie ist reparaturanfällig und ein ums andere Mal geschlossen. Im September erneut. Und über allem hängt eine Horrorvorstellung.

DORTMUND

, 22.07.2016, 02:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anfälliges Nadelöhr legt häufig Dortmunds Hafen lahm

Sandra Luwe vom Wasser- und Schifffahrtsamt an der störanfälligen Schleuse Waltrop. Die muss immer wieder für Reparaturen geschlossen werden.

Hafen-Vorstand Uwe Büscher ist nur noch genervt „Die Frage nach der Baufälligkeit der Schleuse in Waltrop stellt sich jeden Tag.“ Sie sei „Achillesferse und Nadelöhr“ für Dortmunds Hafen. Wie zum Beweis hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich für die Zeit vom 19. September bis 22. September erneut eine Sperrung angekündigt. Grund: ein Lagerschaden. „Erst hatten wir befürchtet, das Obertor hängt komplett daneben“, sagt Bauingenieurin Sandra Luwe vom WSA. „Da hätte ein kompletter Austausch Monate gedauert.“

Eine Horrorvorstellung für die Hafen AG und der im Hafen ansässigen Betriebe, die auf Schiffsgüterumschlag angewiesen sind. Sie sind ohnehin gebrannte Kinder: 2012 und 2013 musste das „Nadelöhr“ in Waltrop gleich mehrfach geschlossen werden. Mal wegen einer „großen Inspektion“, ein anderes Mal wegen einer technischen Umstellung, dann wegen des Streiks der Schleusenwärter. Unter dem Strich sei der Hafen an 109 Tagen nur eingeschränkt erreichbar gewesen, davon an 33 Tagen gar nicht.

Pro Jahr kommen 2000 Schiffe nach Dortmund

Erst im Juni des laufenden Jahres mussten die Schiffer eine weitere Pause einlegen, weil das Einsturz gefährdete Sperrtor am Dortmund-Ems-Kanal in Holthausen abgebaut werden musste. „Jeder Tag schadet uns, an dem der Hafen nicht zu erreichen ist“, sagt Büscher. Pro Jahr machen rund 2000 Schiffe mit ihrer Fracht an den Hafenbecken fest. Büscher sieht Dortmunds Hafen durch das Waltroper Nadelöhr „strukturell benachteiligt.“   Eine Sperrung des Wasserweges habe zur Folge, dass die Unternehmen ihre Transporte auf Lkw und Schiene verlagerten. „Und da bleiben sie dann auch oft“, sagt Büscher. „Einiges ist für den Schiffsverkehr verloren und kehrt eher nicht mehr auf den Wasserweg zurück.“

Ersatz-Schleusentor ist zu teuer

Das Problem mit der Schleuse, seit 1989 in Betrieb, ist auch im Berliner Verkehrsministerium angekommen. Dafür hat u.a. eine Allianz aus Oberbürgermeister Ullrich Sierau, der Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordneten Sabine Poschmann und Mitstreitern aus dem Regionalverband Ruhr (RVR)  gesorgt. In Schreiben an Bundesverkehrsminister Dobrindt (CDU) beklagen sie das Fehlen einer Ausweichschleuse. Allerdings würde ein solcher Bau Millionen Euro kosten.

Als Alternative käme für den Hafen und seine Verbündeten die vorsorgliche Beschaffung eines zweiten Schleusentores durch den Bund in Betracht. Sollte es zu einem Totalausfall kommen, so das Kalkül, könne das WSA zumindest schnell reagieren. 

Im Bundes-Verkehrsministerium schüttelt man den Kopf: Das wäre ein Investition von fünf Millionen Euro, für die es keinen Wirtschaftlichkeitsnachweis gebe. Leider könne man eine Havarie (und somit auch einen Totalausfall) der Schleuse nicht komplett ausschließen. Das Risiko sei aber gering, heißt es im Antwortschreiben des Ministeriums.

Im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans sind gut eine Milliarde Euro für drei NRW-Kanalprojekte eingestellt. Mit 646 Millionen Euro fließt der Löwenanteil in den Ausbau des Wesel-Datteln-Kanals. Für die Schleuse in Waltrop ist kein Geld eingestellt.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt