Angeblicher Derby-Überfall war Sturz eines Betrunkenen

BVB gegen Schalke

Ein 69-jähriger BVB-Fan berichtet von einem brutalen Überfall vor dem Derby. Er verliert das Bewusstsein und erleidet einen Schädelbasisbruch. Ein Zeugenaufruf bei Facebook wird fast 7000 Mal geteilt. Jetzt liegen erste Aussagen vor: Schläge gegen den Kopf haben Zeugen nicht gesehen - aber einen Sturz.

DORTMUND

, 19.11.2015, 02:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Angeblicher Derby-Überfall war Sturz eines Betrunkenen

Beim Derby ist der 69-jährige BVB-Fan schwer verletzt worden - doch offenbar nicht von Schalke-Fans.

Bei Facebook und in einem Zeitungsbericht einer Zeitung im Sauerland war die Rede von einem brutalen Angriff auf den BVB-Fan aus Attendorn, der sich als Opfer von Schalkern sieht. Gegen 13.45 Uhr am 8. November hätten sie ihn vor dem Derby auf dem Weg zum Stadion aufgefordert, die Stimmungsmache für Borussia Dortmund zu unterlassen. Dann hätten die Täter ihm ein Megafon entrissen und niedergeschlagen. Auch unsere Redaktion veröffentlichte in der Zeitung einen Zeugenaufruf und die Rufnummer der Kriminalwache, da der Anfangsverdacht einer Straftat vorlag.

Von der Polizei versorgt

Inzwischen liegen Zeugenaussagen vor - und die weichen deutlich von den Aussagen des Opfers ab. Tatzeit sei nicht 13.45 Uhr, sondern etwa 17 Uhr gewesen. Ein betrunkener Mann habe an einem Getränkestand am Volksbad wegen seines bereits hohen Alkoholkonsums ein letztes Bier erhalten und sei dann im Schwimmbad auf Pflastersteine gestürzt. Polizisten einer Einsatzhundertschaft versorgten den 69-Jährigen. Ein im Stadion stationierter Notarzt eilte herbei.

Wenige Minuten später, gegen 17.30 Uhr, lieferte ein Rettungswagen den BVB-Fan ins Hörder St.-Josefs-Hospital ein. Die Ärzte dort diagnostizierten an jenem Sonntagabend einen Schädelbasisbruch. Drei Tage später, am 11. November 2015, erschien bei Facebook ein Bericht über den Angriff auf Herrn B., der bei der Polizei in Plettenberg eine Anzeige erstattet hat und sich selbst nur an wenige Details erinnern kann.

"Tatzeit" ist nicht 13.45 Uhr

Doch einige Fakten stehen der Überfall-Version gegenüber. So gab das Opfer an, gegen 13.45 Uhr niedergeschlagen worden zu sein. Tatsächlich nahm der 69-Jährige weit nach 16 Uhr mit seinem Smartphone ein Foto von sich auf - im Stadionumfeld, jedoch nicht in einem Krankenhaus. Darauf macht er einen vitalen Eindruck.

Auch beim Dortmunder Rettungsdienst sind die Daten des Mannes hinterlegt - allerdings für die Zeit ab 17 Uhr. Demnach muss B. das Stadion während der zweiten Halbzeit verlassen haben. Zeugen beobachteten später den Sturz eines Betrunkenen. Ein Krankenwagen nahm den Verletzten in der Nähe eines Bierstandes auf.

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