Angeklagte: "Wir sind selbst Opfer"

Prozess um Kreditbetrug

Gewiefte Kreditbetrüger oder ahnungslose Opfer eines Finanz-Hais? Ein türkisches Ehepaar aus Dortmund muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht verantworten. Es geht um dubiose Immobiliengeschäfte in den Jahren 2007 und 2008.

DORTMUND

05.10.2016, 13:53 Uhr / Lesedauer: 1 min

Über einen Landsmann hatte der 51-jährige Angeklagte damals einen Dortmunder Immobilien-Investor kennengelernt. Der war offenbar sehr gut in den türkischen Gemeinden der Region vernetzt und baute sehr schnell ein Vertrauensverhältnis zu dem Angeklagten und dessen Ehefrau auf. So weit ist der Fall klar. Doch, was dann passierte, bewerten Staatsanwaltschaft und Verteidigung bislang völlig unterschiedlich.

Zu überhöhten Preisen verkauft

Fakt ist, dass der Investor dem Ehepaar mehrere seiner Eigentumswohnungen zu überhöhten Preisen verkaufte. Und Fakt ist auch, dass bei den finanzierenden Banken Kreditanträge eingingen, in denen es von gefälschten Dokumenten nur so wimmelte. Auf dem Papier waren der 51-Jährige Gutverdiener bei ThyssenKrupp und seine Ehefrau stolze Besitzerin eines prall gefüllten Sparbuchs. Kein Wunder, dass die Banken die Kredite gerne freigaben.

Doch wer hat diese Unterlagen gefälscht? Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Angeklagten mit dem Investor unter einer Decke steckten und von den falschen Unterlagen wussten. Die Verteidiger sagen jedoch: „Unsere Mandanten sind selbst Opfer geworden. Sie haben die Dokumente weder ausgefüllt noch selbst unterschrieben.“

Als sie Kredite schließlich nicht mehr bedient wurden, blieben die Banken jedenfalls auf sechsstelligen Summen sitzen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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