Angeklagter im Mordfall Schalla lehnt Richter als befangen ab

Gerichtsprozess

Im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla vor 25 Jahren hat der Angeklagte die Richter als befangen abgelehnt. Ralf H. zweifelt sogar die Echtheit der DNA-Klebefolien an.

Dortmund

, 04.02.2019, 14:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Angeklagter im Mordfall Schalla lehnt Richter als befangen ab

Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Gencer Demir. © Martin von Braunschweig

Mit einem verbalen Rundumschlag hat sich der 53-jährige Ralf H. aus Castrop-Rauxel am Montag vor dem Schwurgericht erneut Gehör verschafft. Den seit Dezember laufenden Prozess bezeichnete er in seinem Ablehnungsantrag als "rechtsstaatliche Achterbahnfahrt". So, wie aktuell verhandelt werde, sei eine faire Verteidigung nicht gegeben. "Diese Form der Befangenheit ist für mich nicht länger hinnehmbar", sagte der Angeklagte.

Zweifel an DNA-Indiz

Der 53-Jährige zweifelt inzwischen sogar die Echtheit der Klebefolie an, auf der bei einer nachträglichen DNA-Untersuchung im Sommer 2018 eine Hautschuppe gesichert werden konnte, die dem Angeklagten zugeordnet wird. "Eine Schuppe kann nicht 25 Jahre auf einer solchen Folie überstehen", legte sich der Angeklagte fest. H. glaubt vielmehr, dass Polizei und Justiz ihm die Probe untergeschoben hätten, um den Fall endlich als aufgeklärt abhaken zu können.

Die Richter reagierten auf den Antrag und die darin enthaltenen Vorwürfe bisher nicht. Auch Staatsanwalt Felix Giesenregen will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Nebenklägervertreterin Arabella Pooth, die die Eltern der getöteten Nicole-Denise Schalla vertritt, wollte den Antrag dagegen schon am Montag nicht unkommentiert lassen.

Alle von Antrag überrascht

"In den Zeilen kommt einmal mehr die auffällige Persönlichkeit des Angeklagten zum Ausdruck", sagte Pooth. Sie bezeichnete den 53-Jährigen als narzisstischen Menschen, der offenbar auch "beratungsresistent" sei. Sein Verteidiger Gencer Demir sei offensichtlich von dem Antrag ebenso überrascht worden wie alle übrigen Verfahrensbeteiligten.

Bevor in dem 25 Jahre zurückliegenden Mordfall weiter inhaltlich verhandelt werden kann, müssen nun andere Richter am Dortmunder Landgericht über den Befangenheitsantrag gegen die Schwurrichter entscheiden. Das wird in den kommenden Tagen geschehen. Unabhängig davon hat das Gericht bereits weitere Sitzungstage bis Mitte März anberaumt.

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