Angeklagter Ralf H. will Handverletzungen haben: "Ich kann gar nicht würgen"

Schalla-Prozess

Muss der Angeklagte im Mordfall Nicole-Denise Schalla von einem Arzt untersucht werden? Ralf H. behauptet, keine Kraft in den Händen zu haben und deshalb gar nicht würgen zu können.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 26.03.2019 / Lesedauer: 3 min
Angeklagter Ralf H. will Handverletzungen haben: "Ich kann gar nicht würgen"

Rechtsanwalt Christian Dreier (l.) regt die Einholung eines medizinischen Gutachtens an. © Martin von Braunschweig

Der 53-jährige Angeklagte meldete sich am Dienstag erneut selbst zu Wort. "Ich kann gar nicht würgen", behauptete er. Einen solchen Krafteinsatz ließen seine beiden Hände schon seit längerer Zeit gar nicht mehr zu. Vor allem die Daumen könne er so gut wie gar nicht mehr benutzen.

Der Castrop-Rauxeler will in seiner Jugend Handball gespielt und dabei auch die eine oder andere Verletzung erlitten haben. Besonders schwer habe es ihn einmal in den 1970er-Jahren erwischt, sagte er den Richtern. "Die Sehnen waren gerissen und ich hatte Splitterbrüche."

Operationen 1978 und 1980

In den Jahren 1978 und 1980 sei er schließlich nacheinander an beiden Daumen operiert worden. Seitdem habe er so gut wie keine Kraft mehr in diesen Fingern. Die Verletzung habe große Auswirkungen auf seinen weiteren Lebensweg gehabt, erklärte der Angeklagte weiter. Er habe sich immer gerne handwerklich betätigt. Das sei nach den chirurgischen Eingriffen aber nicht mehr möglich gewesen. "Wegen der Verletzung war ich gezwungen, eine kaufmännische Lehre zu machen", so Ralf H. am Dienstag. Als Speditionskaufmann habe er schließlich sein Geld verdient.

Verteidiger Christian Dreier regte nach dem Vorstoß vom Dienstag an, seinen Mandanten von einem Sachverständigen medizinisch begutachten zu lassen. Einen förmlichen Antrag will er aber erst am nächsten Verhandlungstag Mitte April stellen. Bis dahin will Ralf H. den Richtern auch die Namen der Krankenhäuser und Ärzte nennen, die ihn seinerzeit behandelt haben sollen. Für den Castrop-Rauxeler steht fest: "Der Täter soll das Opfer erwürgt haben. Das kann also nicht ich gewesen sein."

Zwei Haare an Leiche gesichert

Tatsächlich hatte die Polizei im Oktober 1993 an der Leiche der Schülerin aus dem Jungferntal zwei Haare gesichert, die augenscheinlich nicht von Nicole-Denise Schalla, aber wohl auch nicht von Ralf H. stammten. Bei einem handelte es sich um ein blondes Kopfhaar, bei dem anderen um ein ebenfalls blondes Schamhaar. Aus beiden ließ sich aber offenbar kein DNA-Muster mehr reproduzieren, sodass diese Spuren schon 1998 nicht weiter verfolgt werden konnten.

Obwohl der 53-Jährige inzwischen durch neuerliche DNA-Untersuchungen zusätzlich belastet wird, sind die beiden Verteidiger Christian Dreier und Gencer Demir weiterhin guter Dinge, dass ihr Mandant freigesprochen wird. "Wir gehen davon aus, dass er bald aus der Haft entlassen wird", sagte Demir schon unmittelbar nach der Erstattung des neuen DNA-Gutachtens. Aus Sicht der Verteidigung habe diese zweite Spur vom unbekleideten Leistenbereich der Leiche, die auf Ralf H. hindeutet, "nichts Wesentliches verändert".

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten Schlager-Festival in Wischlingen

Ärger nach Dortmund Olé: Darum liegt im Revierpark auch am Montag noch alles voller Müll