Angeklagter wendet sich an die Eltern von Nicole Schalla - „Ich bin es nicht gewesen“

rnMord-Prozess

Auch am 14. Verhandlungstag im Schalla-Prozess beteuert der Angeklagte Ralf H. aus Castrop-Rauxel seine Unschuld. Den Richtern wirft er vor, ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden.

Dortmund

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Sitzung war schon fast vorbei, als der 53-Jährige das Mikrofon im Dortmunder Schwurgerichtssaal zu sich zog und sich räusperte. „Ich möchte auch noch was sagen“, legte er los. Und das, was folgte, hatten alle Beteiligten schon viele Male gehört.

Ralf H. mahnt Verantwortung an

Ralf H. sieht sich als Opfer eines Justizirrtums. Es könne doch nicht sein, dass er nur wegen ein paar kleiner DNA-Spuren an der Leiche der im Herbst 1993 ermordeten Schülerin nun schon so lange in Untersuchungshaft sitze. „Sie müssen auch mal ihre Verantwortung für mich auf dem Schirm haben“, sagte er zu den Richtern. Seine Familie und er würden sehr unter der derzeitigen Situation leiden. „Wobei ich ihren Schmerz aber natürlich nicht schmälern möchte, Familie Schalla“, legte er noch nach.

DNA-Spuren sollen nicht als Beweis reichen

Für die Eltern der damals 16-jährigen Schülerin steht dagegen fest, dass Ralf H. der Mörder ist. Wie sonst seien seine Hautschuppen an einer unbekleideten Stelle der Leiche zu erklären? Ralf H. hat dafür zwar auch keine Begründung. Er sagte jedoch: „Wir alle stecken voller Spuren. Wir vermischen uns jeden Tag.“

Ursprünglich hatte das Schwurgericht den Prozess schon längst abgeschlossen haben wollen. Doch immer neue Anträge des Angeklagten und seiner Verteidiger Gencer Demir und Christian Dreier müssen entschieden werden. Seit Montag erscheint es tatsächlich möglich, dass der 53-Jährige nun noch einmal von einem Handchirurgen untersucht werden wird. Ralf H. behauptet, zwei Daumen-Operationen in den Jahren 1978 und 1980 hätten dazu geführt, dass er körperlich gar nicht in der Lage sei, einen Menschen zu erwürgen. „Ich kann es nicht gewesen sein, und ich bin es nicht gewesen“, sagte der Castrop-Rauxeler.

Suche nach Handchirurg läuft

Fraglich ist jedoch, ob es überhaupt einen Experten geben wird, der sich zutraut, aus dem heutigen Zustand der Daumen des Angeklagten den Stand der Dinge von 1993 herzuleiten. Alle bisherigen Versuche der Richter, einen geeigneten Sachverständigen zu finden, schlugen fehl. Einer lehnte ab, weil ihm einfach viel zu viele Informationen fehlen. Krankenunterlagen über die Operationen gibt es nämlich keine mehr. Selbst Röntgenbilder sind nach so langer Zeit wohl nicht mehr zu bekommen.

Neue Verhandlungstage bis Juli

Und auch Versuche, bei der Arbeitsagentur Dokumente zu finden, die bestätigen, dass Ralf H. wegen der Handverletzungen eine Umschulung machen musste, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt.

Das Gericht hat nun vorsorglich weitere Termine bis Mitte Juli anberaumt. Verteidiger Dreier soll selbst einen Sachverständigen vorschlagen.

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