Angst-Erkrankungen - Bis zur Lähmung des Lebens

Populär-medizinischer Vortrag

DORTMUND Angst hat unseren Vorfahren Beine gemacht. Wenn sie Aug' in Aug' dem wilden Tier gegenüberstanden, hieß es: Beine in die Hand und wegrennen. In solch einem Fall ist Angst etwas Gutes. Sie kann unser Leben aber auch zur Hölle machen.

von Von Jörg Heckenkamp

, 09.12.2009, 10:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nach dem Vortrag unterhielt sich Dr. Harald Krauß (l.) in lockerer Runde mit Zuhörern.

Nach dem Vortrag unterhielt sich Dr. Harald Krauß (l.) in lockerer Runde mit Zuhörern.

Über Angsterkrankungen sprach Dr. Harald Krauß am Dienstagabend im Harenberg City-Center. In einem gut strukturierten Vortrag vor mehr als 200 Zuhörern legte der Mediziner vom Marien-Hospital zunächst die Vorteile der Angst dar. "Angst schützt uns vor Leichtsinnigkeit", so Krauß. Oder eben, früher, vor dem Gefressenwerden durch wilde Tiere. Angst kann aber auch behindern, z. B. wenn ich aus Furcht vor Schmerzen nicht zum Zahnarzt gehe und das Gebiss dadurch noch mehr verfällt. Schließlich kann übersteigerte Angst regelrecht krank machen. Der Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie erklärte den Zuhörern die "Angstspirale".   Aus einem vergleichsweise harmlosen Angst-Erlebnisse kann der Patient über verschiedene Steigerungs-Schritte in einem Zustand kommen, wo die Angst für ihn lebensbedrohend erscheint. Krauß: "Es gibt Patienten, die ihr Haus nicht mehr verlassen, die gelähmt sind vor Angst, obwohl es keinen realen Grund zur Furcht gibt."Sich der Angst stellen Wie gegensteuern? Die Angst-auslösenden Situationen, z. B. bei dem Horror vor großen Höhen, vermeiden? Völlig falsch. "Wenn wir solche Situationen vermeiden, nimmt die Angst weiter zu", warnt der 45-Jährige. Wer zunächst Angst habe, auf ein Hochhaus zu steigen werde durch Vermeidung irgendwann bei der Angst vor einer Treppenstufe landen. Was tun? Es gibt die Behandlung mit Medikamenten, die allerdings zum Teil abhängig machten. Und es gibt das Expositions-Training: Den Patienten mit seiner Furcht direkt konfrontieren. Beispiel Höhe: Den Menschen mit Höhenangst mit auf den Florianturm nehmen. Dort muss er runterschauen, sich der vermeintlichen Gefahr stellen. Seine Furcht steigt. "Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Dann bleibt sie auf dem Niveau und dann sinkt sie", erklärt der Experte das Procedere.  Gute Vorbereitung wichtig Mehrmals angewendet, flache sich diese Angst-Parabel bei jedem Besuch auf dem Turm mehr und mehr ab. "Am Schluss ist die Angst verflogen." Das funktioniere aber nur bei bestimmten Erkrankungen und nur nach guter Vorbereitung  - Viel Applaus der Runde nach diesem aufschlussreichen, von zahlreichen Fragen aus dem Auditorium begleiteten Vortrag.

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