Angst vor Corona: Bettnachbar verschwindet stundenlang aus dem Krankenhaus

rnKlinikum Dortmund

Die Corona-Zahlen steigen, die Regeln sollen wieder strenger werden. Indes sorgt ein Klinikum für Ärger: Patienten spazieren aus dem Krankenhaus – und bergen damit eine Infektions-Gefahr.

Deusen, Nordstadt

, 10.10.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Dortmunder (71), der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte, musste in den vergangenen Monaten mehrfach für mehrere Tage oder sogar Wochen ins Krankenhaus.

Insgesamt habe er fast einen Monat im Krankenhaus verbracht, so der Deusener. Den Grund möchte er nicht nennen, wohl aber auf einen Missstand hinweisen, der ihm Angst macht.

Bettnachbar verschwindet aus Zimmer

Bei einem seiner Aufenthalte im Klinikum Nord lag er drei Tage lang mit einem jungen Mann auf einem Zweibettzimmer. „Bei der Aufnahme wurde ich, so wie alle, auf Corona getestet“, erzählt der 71-Jährige, der aufgrund seines Alters und einer Bypass-Operation zu den Corona-Risikopatienten zählt.

Auch sein Bettnachbar sei ordnungsgemäß getestet worden. Mit einem entscheidenden Unterschied: Während der Deusener sich ausschließlich innerhalb des Krankenhauses aufhielt und die Wahrscheinlichkeit somit recht hoch war, dass das Ergebnis seines Corona-Tests bestehen bleibt, verschwand sein Bettnachbar in einer Nacht für mehrere Stunden aus dem Klinikum Nord.

Krankenschwester kann nichts machen

Ein Unding, findet der Deusener. „Man weiß ja nicht, was er gemacht und wo er die Nacht verbracht hat“, sagt er. „Er hätte sich draußen mit dem Virus anstecken und es ins Krankenhaus bringen können. Für mich als Bettnachbar war die Gefahr besonders groß, mich auch zu infizieren.“

Er habe deshalb am Morgen danach im Beisein seines Bettnachbarn eine Krankenschwester darauf angesprochen. „Sie hat nur gesagt, man könne die Patienten ja nicht festbinden und der junge Mann hat nichts gesagt.“

Der 71-Jährige bestand daraufhin auf einem weiteren Corona-Test und konnte sich damit dem Krankenhaus-Personal gegenüber durchsetzen. „Der Abstrich wurde gemacht und war zum Glück negativ“, sagt er.

Dennoch hält er das Verhalten seines Bettnachbarn für unverantwortlich. Zumal das Vorkommnis im Klinikum Nord kein Einzelfall gewesen sei. In den Abendstunden habe er viele Patienten beobachtet, die aus dem Krankenhaus gegangen, mit Autos abgeholt und später zurückgebracht worden seien.

Corona-Zahlen steigen

Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens sei das nicht hinnehmbar. Die Stadt Dortmund meldete am Freitag (9.10.) 53 Corona-Neuinfektionen – das ist der zweithöchste jemals gemeldete Tageswert in Dortmund. Der bisherige Höchstwert wurde am 7. April mit 58 neuen Corona-Fällen gemessen.

Der Deusener fordert hier mehr Verantwortungsbewusstsein des Klinikums, das auf die Gesundheit der Patienten achten sollte. „In der Pandemie-Zeit kann und sollte jeder seinen Beitrag dazu leisten, dass wir gut durch die Corona-Krise kommen“, sagt ein Klinikums-Sprecher auf Anfrage.

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Das Krankenhaus könne die Patienten nicht festbinden oder einsperren. Gerade jüngere Patienten – vor allem die voll mobilen – gehen gern nach draußen. Das könne mitunter auch bedeuten, dass sie draußen Freunde oder Familie treffen. „Da liegt es nicht in unserer Hand zu kontrollieren, was sie während dieser Zeit tun.“ Das Klinikum Nord informiere die Patienten jedoch, wie sie sich corona-gerecht verhalten sollten.

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„Wir sehen kein ausgeprägtes Risiko“

„Wir sehen aktuell angesichts der immer noch relativ geringen Verbreitung von Covid-19 hier aber auch kein ausgeprägtes Risiko“, sagt der Sprecher. „Dies möchten wir zugleich mit einem Appell verbinden, dass jeder durch die AHA-Regel (Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmaske tragen, Anm. d. Red.) dazu beitragen kann, dass es bei dieser relativ geringen Verbreitung auch bleibt.“

In den Nachbarkreisen Unna und Recklinghausen werden indes bereits Corona-Grenzwerte erreicht, die auch auf Dortmund überschwappen könnten.

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