Angst vor Todesdroge "Krok"

Dortmunder Drogenszene

Seitdem in Bochum die lebensgefährliche Heroin-Ersatzdroge Krokodil, kurz "Krok", aufgetaucht ist, machen sich auch in der Dortmunder Drogenszene Unruhe und Verunsicherung breit. Die Drogenhilfe-Einrichtung "Kick" hat Warnzettel ausgehängt und klärt ihre Klientel per Videofilm auf.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle und Ulrike Böhm-Heffels

, 15.10.2011, 10:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Krok ist gefährlicher als Heroin.

Krok ist gefährlicher als Heroin.

Mehr als 100 Drogensüchtige suchen die Einrichtung täglich auf. In Dortmund gelten insgesamt 5000 als abhängig von harten, illegalen Drogen. Christina (40) hat gerade entgiftet. „Wenn ich noch konsumieren würde, hätte ich panische Angst. Wenn man knüppelsüchtig ist, nimmt man alles.“ Die chemische Substanz hinter Krok ist das lebensgefährliche Desomorphin. In Drogenküchen wird der Morphium-Abkömmling gewonnen, indem codeinhaltigen Pillen unter anderem Farbverdünner, Feuerzeugbenzin und Phosphorsäure beigemischt werden. „Auf dem Löffel sieht man keinen Unterschied“, meint Jörg (43), der seinen Stoff nur bei „Leuten kauft, die er lange kennt“. Er kann sich nicht vorstellen, dass ein Dealer in Dortmund Krok bewusst verkauft: „Das würde sofort die Runde machen.“ Kay (39) ist „ziemlich sicher, dass der Horror-Stoff auch nach Dortmund kommt“. Dominik (38) hält es für „eine große Schweinerei, dass das Zeug als Heroin verkauft wird.“  Krok ist in der Herstellung deutlich billiger als Heroin, für das Junkies 25 Euro pro halbem Gramm zahlen. Die Drogenabhängigen im Kick sind, was Chemie-Cocktails angeht, einiges gewöhnt. In dem gestreckten Stoff seien in der Regel sechs bis zwölf Prozent Heroin, „der Rest ist im netten Fall Zitronentee, im schlimmen Fall Rattengift“, weiß Kay, der nicht „ballert“, aber raucht. Kokain sei auch schon Klostein, Rohrfrei oder Gips beigemischt worden, erzählt Dominik. Er würde – wie andere auch im Kick – einen Dealer, der Krok verkauft, „sofort bei der Polizei zinken“ und meint verpfeifen. „Nein, zinken geht nicht“, sagt dagegen Jörg, „das würde man anders klären.“ Dominik plädiert dafür, die Warnhinweise rund um den Nordmarkt aufzuhängen „oder am besten gleich im ganzen Norden“. Im Café Flash neben der Drogenberatungsstelle (Drobs) am Schwanenwall herrscht noch Gelassenheit. „29.000 Kontakte haben wir im Jahr, aber das sind überwiegend Substituierte mit Beikonsum, nicht die Heroinabhängigen“, sagt Drobs-Leiter Wolfram Schulte. Auch er warnt Konsumenten: Sollte das Heroin plötzlich anders riechen, nach Benzin oder Phosphor, unbedingt die Finger davon lassen.

Dortmund am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter Über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Lesen Sie jetzt