Anklage gegen Niebaum - es geht um Kreditbetrug

Ex-BVB-Chef

Die Staatsanwaltschaft Dortmund erhebt nach über einjähriger Ermittlungsarbeit Anklage gegen Ex-BVB-Chef Dr. Gerd Niebaum. Es besteht der Verdacht des Kreditbetrugs. Niebaums Anwalt erklärte, sein Mandant habe keinen Schaden verursacht.

DORTMUND

von Von Tobias Großekemper

, 03.05.2011, 13:24 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ex-BVB-Chef Dr. Gerd Niebaum.

Ex-BVB-Chef Dr. Gerd Niebaum.

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Der ehemalige BVB-Präsident

Die Staatsanwaltschaft Dortmund erhebt Anklage gegen Ex-BVB-Chef Dr. Gerd Niebaum. Das teilte Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel am Dienstagmorgen mit. Es besteht der Verdacht des Kreditbetrugs. Niebaums Anwalt erklärte, sein Mandant habe keinen Schaden verursacht.
03.05.2011
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Während der Bundesligist damals nur knapp der Insolvenz entging, sich furios vom Sterbebett erhob und am vergangenen Wochenende vorzeitig die siebte Deutsche Meisterschaft sicherte, dürfte auf der anderen Seite der B1 in der Kanzlei Niebaum alles andere als Feierlaune herrschen: Nach gut 17 Monaten Ermittlungsarbeit machte die Staatsanwaltschaft gestern öffentlich, dass sie gegen Niebaum Anklage erhoben hat. Im Jahr 2005, in dem Niebaum mehr gezwungen als freiwillig den Vorsitz der Geschäftsführung der BVB-Kommanditgesellschaft auf Aktien zurückgab, schloss der Anwalt mehrere Darlehensverträge mit Banken ab, es ging um rund eine Million Euro.Bereits während seiner Zeit als BVB-Präsident, Ende der 90er Jahre, hatte Niebaum kräftig auf dem Immobilienmarkt in den neuen Bundesländern mitgemischt – Geschäfte, für die er viel Geld benötigte. Laut Staatsanwaltschaft soll er dabei seine Kreditgeber nicht über seine bereits existierenden Verbindlichkeiten informiert haben. 

Auch von Privatleuten soll sich Niebaum Geld geliehen haben. Und der Jurist ging noch weiter: Aus einem Nachlass, den er als Testamentsvollstrecker zu verwalten hatte, gewährte er sich selbst mehr als 450 000 Euro als Darlehen. Niebaum stopfte vorhandene Löcher, indem er neue an anderer Stelle aufriss. Ein Geschäftsgebaren, das, alarmiert durch einen anonymen Brief, im Jahr 2009 die Staatsanwaltschaft Dortmund auf den Plan rief. In den Morgenstunden des 11. November 2009 durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft Niebaums Privat- und Arbeitsräume, zahlreiche Akten wurden hier aber auch in verschiedenen Banken sichergestellt.

Niebaum selbst gab später gegenüber unserer Zeitung an, dass vor den Durchsuchungen auch verdeckt gegen ihn ermittelt worden sei, er sich des Weiteren aber nichts zuschulden habe kommen lassen und kooperativ mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeite.

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Der ehemalige BVB-Präsident

Die Staatsanwaltschaft Dortmund erhebt Anklage gegen Ex-BVB-Chef Dr. Gerd Niebaum. Das teilte Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel am Dienstagmorgen mit. Es besteht der Verdacht des Kreditbetrugs. Niebaums Anwalt erklärte, sein Mandant habe keinen Schaden verursacht.
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Ein Tenor, den – wenig überraschend – auch Niebaums Anwalt Sven Thomas aus Düsseldorf vertritt. Sein Mandant habe keinen konkreten Schaden verursacht, auch das selbstbewilligte Darlehen aus dem Nachlass ist mittlerweile hinterlegt worden. Das geschah allerdings erst nach Androhung von juristischen Zwangsmaßnahmen.

In der Tat ist die Anklageerhebung knifflig, wie auch die leitende Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel einräumt. So habe Niebaum seit 2008 begonnen, seine Kredite wieder zu bedienen – allerdings, so die Staatsanwaltschaft, sei das „verspätet und unzureichend“ geschehen, somit sei sein Verhalten strafbar. Niebaum selbst hatte Anfang des Jahres sein Notariat an die Anwaltskammer zurückgegeben, wohl auch, um einem Entzug des Notariats zuvorzukommen. Über eine Zulassung zum Hauptverfahren entscheidet jetzt die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes. Holznagel rechnet mit einer Entscheidung erst in mehreren Monaten.   

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