Anonyme Schreiber terrorisieren Rentner mit Beileidskarten

Verwechslung

Wenn Siegfried Böcker aus Brechten seinen Briefkasten öffnet, weiß er schon vorher, was drin liegt: Trauerkarten. Immer wieder Trauerkarten. Trauerkarten für gefällte Bäume. Dabei ist Böcker nur das Opfer einer Verwechslung.

BRECHTEN

19.11.2011, 07:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Siegfried Böcker hinter einigen Trauerkarten. Eigentlich waren diese für seinen Namensvetter bestimmt.

Siegfried Böcker hinter einigen Trauerkarten. Eigentlich waren diese für seinen Namensvetter bestimmt.

 „Ich bin es leid“, sagt der 78-Jährige, der offensichtlich Opfer einer Verwechslung geworden ist; denn die Karten dürften eher für seinen Namensvetter Siegfried Böcker, Bezirksbürgermeister der Nordstadt, bestimmt gewesen sein. Beklagt werden die Bäume am zentralen Busbahnhof, die für das DFB-Museum weichen sollen.Wie berichtet, gibt es eine Hand voll anonymer Beileidskarten-Schreiber, die die Briefkästen mehrerer Persönlichkeiten der Stadt fast täglich mit Trauerkarten verstopfen und sie darin als Naturfrevler und Baum-Mörder beschimpfen. Zu den Opfern dieses politischen Stalkings gehören Superintendent Paul Stamm und der Chef der Grünen Ratsfraktion Mario Krüger, der inzwischen auf rund 3100 Beileidskarten kommt.

 Krügers Frau Rita-Maria Schwalgin macht daraus Kunstwerke, aber Siegfried Böcker aus Brechten ist mit dem Trauer-Terror überfordert. Sein hilfreicher Nachbar Peter Mützel (74) schimpft: „Es ist ein Unding, dass unbeteiligte Menschen damit belästigt werden.“  Er hat sich an die Geschäftsstelle von Bezirksbürgermeister Siegfried Böcker gewandt. „Wir haben uns schon dafür entschuldigt,“ erklärte der Bezirksbürgermeister gegenüber unserer Redaktion, obwohl er gar nicht schuld ist.

„Warum macht man so etwas anonym?“, fragt er, „warum macht man nicht dort den Mund auf, wo es angebracht ist? Ich finde es schlimm, dass wir ein paar Verwirrte haben, die anderen Leuten Angst und Schrecken einjagen. Das ist für mich Terror.“ Er könne damit umgehen, meint der Bezirksbürgermeister, wenn die Kartenschreiber die Briefe künftig an ihn adressierten – auch wenn jeder Adressat dieser Karten der falsche ist. 

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