Anwalt bekommt bis zu 30 Pizzen am Tag – ungewollt

Mahlzeit-Mobbing übers Internet?

Ist es Mobbing, Stalking oder ein Computerproblem? Der Dortmunder Rechtsanwalt Guido Grolle bekommt seit zweieinhalb Wochen zuhauf Essen ins Büro geliefert, das er nicht bestellt hat. Jetzt ermittelt die Polizei.

Dortmund

, 14.02.2018, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anwalt bekommt bis zu 30 Pizzen am Tag – ungewollt

Das E-Mail-Verzeichnis von Rechtsanwalt Guido Grolle ist voll mit Ankündigungen von Pizza-Lieferungen, die er nicht bestellt hat. Vieles wurde auch tatsächlich geliefert. © Oliver Schaper

Eigentlich mag Guido Grolle Pizza, aber nur dann, wenn der Rechtsanwalt sie selbst bestellt hat. Doch vor seiner Kanzlei in der Bremer Straße laufen sich in den letzten zweieinhalb Wochen mittags und abends zuweilen gleich mehrere Pizzaboten über den Weg, die die Teigfladen bei Grolle abliefern wollen.

Rund 100 Bestellungen waren es bereits, die jemand in Grolles Namen bei verschiedenen Lieferdiensten im Internet aufgegeben hat. Wer das gewesen sein könnte und aus welchem Grund – er weiß es nicht. Die Polizei ermittelt.

Erste Mails schon unter der Dusche

Schon morgens unter der Dusche bekam Grolle E-Mails mit der Ankündigung, dass ihm mittags Pizza ins Büro geliefert werde. „Das nervt total“, sagt er, „man kommt kaum zum Arbeiten.“ Viele Pizzerien rufen auch vorher an, und fragen, ob er wirklich etwas bestellt hat.

Guido Grolle kann sich nicht erklären, wer oder was dahintersteckt. Er glaubt nicht an verärgerte Mandanten oder Prozessgegner. An einem Tag wurden ihm zwischen 9.20 Uhr und 9.47 Uhr 15 Vorbestellungen angekündigt. „Das kann eigentlich kein Mensch so schnell bestellen,“ sagt er.

Deshalb, so eine Vermutung, könnte es sich auch um einen Roboter oder ein Computerproblem bei Betreibern der Plattformen handeln. Seinen eigenen Computer habe er checken lassen, sagt Grolle. Da sei alles in Ordnung.

Strafanzeige erstattet

Der Jurist lässt zudem seine E-Mails jetzt durch einen Filter laufen, hat sein Arbeitshandy stillgelegt, um sich auf seinen Job konzentrieren zu können, Anzeige bei der Polizei erstattet und die Bestellnummern für die Ermittlungen an sie weitergegeben.

Möglicherweise ist auch einfach nur die Adresse seiner Kanzlei im Gerichtsviertel das Ziel; denn in dem Gebäude sind auch Gerichtsvollzieher ansässig, die schon zuvor von solchen Bestellungen heimgesucht wurden. „Aber ob das mit meiner Sache zu tun hat, ist Spekulation“, sagt Grolle.

Leidtragende sind die Pizzerien

Die Polizei ermittelt wegen Stalkings. Wegen Betrugs geht nicht, weil sich ein möglicher Täter ja nicht materiell bereichert. Und Grolle ist kein direkter finanzieller Schaden entstanden. Er muss die Pizzen ja nicht annehmen. Die Leidtragenden sind die Pizzerien im Umkreis der Kanzlei, die die Ware liefern.

Über den Fortgang der Ermittlungen hält sich die Polizei aus taktischen Gründen bedeckt. Möglicherweise kommt sie über die IP-Adresse (Computeradresse) des Bestellers weiter.

Derweil ist der Speiseplan abwechslungsreicher geworden; denn inzwischen wurde auch Currywurst, griechische Küche und Sushi unter Guido Grolles Namen bestellt und geliefert.

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer einer anderen Person in einer Weise unbefugt nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung schwerwiegend zu beeinträchtigen. Dazu gehört unter andrem, beharrlich unter missbräuchlicher Verwendung von personenbezogenen Daten dieser Person Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen für sie aufzugeben.
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