Dortmunder Apotheken: Mehr als 200 Medikamente nicht lieferbar

rnVersorgungsproblem

Seit September hat sich die Zahl der Arzneien, die nicht lieferbar sind, mehr als verdoppelt. Darunter sind auch gängige Alltagsmedikamente, die in großen Mengen nachgefragt werden.

Dortmund

, 31.01.2020, 08:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Antibiotika, Blutdruckmittel und Antidepressiva sind nur einzelne Beispiele für Medikamente, die von Lieferengpässen betroffen sind - aber auch gängige Schmerzmittel etwa mit dem Wirkstoff Ibuprofen sind aktuell nicht immer zu bekommen. Und: In Dortmunder Apotheken wird die Lage zunehmend ernster. Seit September hat sich die Zahl der nicht lieferbaren Medikamente verdoppelt.

„Eine solche Situation haben wir in den vergangenen 30 Jahren noch nie erlebt“, wird der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände Friedemann Schmidt in einer Pressemitteilung zitiert.

Ein Blick in die Datenbank von Apotheker Dr. Felix Tenbieg genügt, um die kritische Situation zu verdeutlichen. „Aktuell werden mir 262 Artikel angezeigt, die nicht lieferbar sind. Das dürfte ein neuer Rekord sein“, erklärt Tenbieg, der nicht nur Inhaber der Patroklus-Apotheke, sondern auch Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Dortmund ist.

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Oft große Rabatte

Ursächlich für die Lieferengpässe seien vor allem Rabattverträge, so der Apotheker: Seit 2007 bestehen diese Verträge zwischen Krankenkassen und Arzneimittelherstellern, die dazu führen, dass Krankenkassen ihren Versicherten bevorzugt Medikamente von Herstellern empfehlen, mit denen eine Kooperation besteht.

„Dann sind aber im Verkauf schnell auch mal 80 bis 90 Prozent Rabatt fällig“, verdeutlicht Apotheker Ulrich Ausbüttel. „Und dann wundern sich hier alle, dass nicht mehr in Deutschland produziert wird und die in Indien oder China hergestellte Menge an Medikamenten oftmals nicht ausreicht.“

Patienten müssen auf andere Medikamente umsteigen

Laut Tenbieg werden die Apotheken dadurch zum Improvisieren gezwungen. Glücklicherweise seien die Fälle, in denen Apotheken Patienten tatsächlich ohne wichtige Medikamente nach Hause schicken mussten, bislang äußerst selten gewesen.

Meistens versuche man, die Menschen in Absprache mit den Ärzten von anderen Medikamenten mit dem gleichen Wirkstoff zu überzeugen.

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Die Wirkstoffe, die von Lieferengpässen betroffen sind, erstrecken sich Ausbüttel zufolge auf zahlreiche Anwendungsbereiche: „Es mangelt an Antibiotika, Mitteln gegen Epilepsie, Schilddrüsenhormonen und Antidepressiva. Die Apotheken müssen dann einen großen Aufwand betreiben, um die Mittel trotzdem zu besorgen.“

Auf der sogenannten gelben Liste, die die Medikamente aufzeigt, bei denen es aktuell zu Lieferengpässen kommt, stehen derzeit (Stand 30. Januar) unter anderem weit verbreitete Medikamente wie das Schmerzmittel Ibuflam oder das Schilddrüsentherapeutikum Thyrotardin. Weitere Informationen unter www.gelbe-liste.de/lieferengpaesse/lieferengpaesse-medikamente.

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