Arbeitnehmer wollen Kandidaten aus Köln in den Vorstand der Dortmunder Stadtwerke holen

rnArbeitsdirektor-Posten

Überraschende Personalie bei den Dortmunder Stadtwerken (DSW21): Harald Kraus (53), Betriebsratsvorsitzender der Kölner Verkehrsbetriebe, soll Arbeitsdirektor Manfred Kossack beerben.

Dortmund

, 05.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Mit ihrem Personalvorschlag hat die sechsköpfige, von der Gewerkschaft Verdi einberufene Findungskommission einen Überraschungscoup gelandet. Den Namen Harald Kraus hatte so gut wie niemand auf der Rechnung – weder bei DSW21 noch im Rathaus. Der Kölner soll den scheidenden DSW21-Arbeitsdirektor Kossack beerben. Das nächste Wort hat nun die Nominierungsversammlung, in der Betriebsräte, Vertrauensleute und Gewerkschafter sitzen. Sie trifft die eigentliche Entscheidung über den Personalvorschlag.

Im Terminplan allerdings ist noch jede Menge Luft: Die Sitzung ist aktuell erst für 28. Mai geplant. Nehmen die Arbeitnehmer Kraus auf ihr Ticket, muss ihr Kandidat in der Folge vom DSW21-Aufsichtsrat und vom Rat der Stadt bestätigt werden. Der Kandidat selber zeigt sich auf Anfrage zurückhaltend. Die Aufgabe bei DSW21 sei „eine tolle und spannende Herausforderung“, gab Kraus zu Protokoll. Weiter wolle er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern, sagte der Kölner mit Blick auf Nominierungsversammlung, vor der „hohen Respekt“ habe.

Harald Kraus sorgte in Köln für politischen Wirbel

Setzt sich der Kandidat vor dem Gremium durch, entsenden die Arbeitnehmer eine interessante und spannende Persönlichkeit in den Stadtwerke-Vorstand. Er ist kein unbeschriebenes Blatt: Im Juli 2018 sorgte SPD-Mitglied Kraus für einen Paukenschlag, als er entgegen der ausdrücklichen Empfehlung des Rates der Stadt Köln zum kommissarischen Aufsichtsratsvorsitzenden der Kölner Stadtwerke gewählt wurde – und damit Oberbürgermeisterin Henriette Reker ausbootete. Ein ebenso ungewöhnlicher wie einmaliger Vorgang, der im Kölner Klüngel einmal mehr politischen Wirbel auslöste.

In seinem Job als Betriebsratsvorsitzender der Kölner Verkehrsbetriebe AG (KVB), Tochter der Kölner Stadtwerke, ist Kraus für die Belange von knapp 3600 Mitarbeitern zuständig. Die KVB sind das deutschlandweit viertgrößte kommunale Bus- und Bahnunternehmen. Zum Vergleich: Bei DSW21 träfe Kraus auf rund 1860 Beschäftigte. Noch offen ist, wann er im Falle seiner Wahl wechselt. Angeblich soll Noch-Arbeitsdirektor Kossack mit dem Gedanken spielen, seinen Schreibtisch vor Vertragsende im September 2020 zu verlassen.

Gleiches würde auch für seinen Job bei der Stadtwerke-Tochter Dortmunder Energie und Wasser (DEW21) gelten – auch dort ist Kossack als Arbeitsdirektor tätig. Nun soll die Doppelfunktion aufgelöst werden und DEW21 einen eigenen Arbeitsdirektor bekommen. Der ist quasi schon da: Die Findungskommission schlägt Dirk Wittmann (54) vor. Wittmann ist seit März 2010 Betriebsratsvorsitzender beim heimischen Energieversorger.

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