Arche 90 alarmiert: Wieder ein totes Lamm auf einer Weide in Dortmund

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Wieder ist ein Lamm aus der Schafherde gestorben, die tagelang in Mengede für Aufregung sorgte. Das Team der Arche 90 musste mit ansehen, wie sich ein Schaf tagelang bei der Geburt quälte.

17.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Dortmunder Tierschutzorganisation Arche 90 ist im Dauereinsatz, wenn sie der Herde eines Schäfers aus Castrop-Rauxel folgt. Auf einer Weide an der Ellinghauser Straße musste das Team nach eigenen Angaben am Dienstag (14.4.) stundenlang mit ansehen, wie sich ein Schaf bei der Geburt eines Lamms quälte.

Der Schäfer, der den Tierschützern das Betreten der Weide verboten habe, habe erst spät eingegriffen, um dem Muttertier zu helfen, berichtete Arche-90-Sprecherin Gabi Bayer.

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Das Lamm hat nicht überlebt. „Der Kadaver des Tieres blieb auf der Wiesenfläche liegen und zog bereits am Nachmittag Krähen an“, berichtet Arche 90. Der Schäfer habe das blutende Muttertier von der Herde getrennt und unversorgt auf der Weide an der Ellinghauser Straße zurückgelassen.

Die restlichen Tiere seien mit einem Anhänger abtransportiert worden. Das zurückgelassene Schaf – ein Herdentier – „schrie sich die Seele aus dem Leib“, sagt Gabi Bayer, die das Geschehen aus nächster Nähe beobachtete.

Das Veterinäramt ist eingeschaltet

Schon vor drei Wochen hatte es auf einer Weide an der Strünkeder Straße in Mengede mehrere Vorfälle dieser Art gegeben. Unter anderem wurde ein gebärendes Schaf an den Beinen unsanft in einen Anhänger gezerrt. Immer wieder lagen trächtige Schafe auf dem Rücken, konnten sich nicht mehr zurückdrehen und drohten zu ersticken.

Passanten und Arche 90 mussten wiederholt eingreifen und die Schafe aufrichten. Der Schäfer sagte damals gegenüber dieser Redaktion zu den Vorwürfen unsachgemäßer Tierhaltung, das sei „alles Quatsch“.

Für das Lamm kam die Geburtshilfe des Schäfers zu spät.

Für das Lamm kam die Geburtshilfe des Schäfers zu spät. © Arche 90

Wie schon in Mengede hat Arche 90 auch in dem jüngsten Fall das Veterinäramt eingeschaltet. In Mengede waren die Amtstierärzte mehrmals vor Ort und machtem dem Schäfer Auflagen. „Wir hoffen, dass die Behörden in diesem Fall noch strenger durchgreifen“, sagte Gabi Bayer.

„Hartnäckig bei den Kontrollen“

Diese Hoffnung wird sich wohl nicht erfüllen. Auf Anfrage erklärte Stadtsprecher Maximilian Löchter, die Geburtshilfe bei dem Schaf habe nicht ändern können, dass das Lamm nur noch tot geboren werden konnte. „Um das von der Geburt stark belastete Schaf nicht noch durch einen Transport zusätzlich zu strapazieren, wurde dies zunächst auf der Weide gelassen. Es ist mittlerweile aber nach Angabe des Haltungsbetriebes wieder bei der Gesamtherde.“

Das Veterinäramt der Stadt bleibe auch weiterhin „hartnäckig bei den Kontrollen“, sagte Löchter. Die Schafherde sei am Donnerstag (16.4.) erneut im Hinblick auf etwaige tierschutzrelevante Sachverhalte kontrolliert worden.

Ordnungsrechtliche Maßnahmen im Spätsommer?

Der Schäfer habe letztes Jahr den grundsätzlichen Fehler begangen, die Mutterschafe zu früh zu belegen. „Für die Tiere hätte es weniger Stress bedeutet, wenn sie ihren Nachwuchs vier Wochen später - bei besseren Witterungsverhältnissen – bekommen hätten“, zitierte Löchter das Veterinäramt.

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Im kommenden (Spät-) Sommer seien „ordnungsrechtliche Maßnahmen bezogen auf den Belegungszeitraum beziehungsweise die Aufstallungspflichten angedacht, um im nächsten Frühjahr Geburten bei Frosttemperaturen zu vermeiden“, so der Stadtsprecher. Ganz ausschließen oder vermeiden ließen sich Schwer- und Totgeburten trotz aller Vorsorgemaßnahmen nicht.

Es seien nur noch Geburten im einstelligen Bereich zu erwarten, ebenso frühlingshafte Temperaturen, so dass die weiteren ordnungsbehördlichen Maßnahmen im Hinblick auf das Herdenmanagement des Schäfers auf die nächste Saison abzielten.

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