Armleuchter-Algen vom Phoenix-See kämpfen gegen die Wasserpest im Baldeneysee

rnUnterwasser-Krieg

Armleuchter-Alge – der Name klingt nicht gerade wie eine Verheißung. Doch die filigrane Pflanze aus dem Phoenix-See zieht als grüner Ritter in den Kampf gegen die Wasserpest am Baldeneysee.

Dortmund

, 14.09.2018, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die beiden Taucher Dr. Sebastian Meis und Fritz Siepen sitzen mit dem Biologen Dr. Klaus van de Weyen in einem Boot und tuckern über den Phoenix-See. Mithilfe von GPS-Ortung suchen sie eine bestimmte Stelle im grünen, dichten Pflanzenteppich auf dem Seegrund. Von dort wollen sie die Armleuchter-Alge entnehmen. Das Seegras soll in den Essener Baldeneysee transplantiert werden.

Im Phoenix-See ist die Armleuchter-Alge ein Garant für gute Wasserqualität. Sie entzieht – neben einer Phosphat-Eliminierungsanlage – dem Wasser Nährstoffe, die in allzu konzentrierter Form das Gewässer kippen lassen könnten. Dass der Einsatz der Armleuchter-Alge erfolgreich ist, hat der letzte Sommer gezeigt.

„Die Wasserqualität ist nach wie vor hervorragend, der Nährstoffgehalt ist niedrig, die Temperatur moderat, die Fische fühlen sich wohl“, berichtet Georg Sümer, Leiter des Phoenix-See-Betriebs. Nur der Wasserpegel ist wegen der Trockenheit und Hitze um 40 Zentimeter gesunken.

Geimpfter Seeboden

Doch im Baldeneysee wird es die Armleuchter-Alge ungleich schwerer haben, als im Hörder Gewässer. Als der Phoenix-See angelegt und in den Jahren 2010/2011 mit der Armleuchter-Alge – eine Spende aus dem Duisburger Innenhafen –bepflanzt wurde, war zuvor der komplette Seeboden mit einem nährstoffarmen Substrat abgedeckt und mit Fortpflanzungssporen gegen die Wasserpest geimpft worden.

Unter Wasserpest versteht man eine gefürchtete aus Nordamerika eingeschleppte Alge namens Elodea, die über Vögel ins Gewässer getragen wird und sich dort rasch ausbreitet.

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Armleuchter-Algen werden aus dem Phoenix-See entnommen

Zwei Taucher und ein Biologe tuckern im Boot über den Phoenix-See. Sie wollen die Armleuchter-Alge entnehmen. Das Seegras soll in den Essener Baldeneysee transplantiert werden.
14.09.2018
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Der Biologe Dr. Klaus van de Weyen mit Armleuchter-Algen am Phoenix-See.© Gaby Kolle
Der Biologe Dr. Klaus van de Weyen mit Armleuchter-Algen am Phoenix-See.© Gaby Kolle
Die steifhaarige Armleuchter-Alge© Gaby Kolle
Dr. Sebastian Meis ist bereit zum Tauchgang.© Gaby Kolle
Auch Fritz Siepen geht auf Tauchgang, um die Armleuchter-Algen vom Seeboden zu entnehmen.© Gaby Kolle
Und ab ins Wasser.© Gaby Kolle
In Eimern, die an ein Seil geknotet sind, holen die Taucher die Algen nach oben.© Gaby Kolle
Dr. van de Weyen nimmt die Eimer mit den Algen entgegen.© Gaby Kolle
Die Taucher kommen den Algen zurück zum Boot© Gaby Kolle
Die geernteten Armleuchter-Algen am Phoenix-See.© Gaby Kolle
Armleuchter-Algen am Anker.© Gaby Kolle
Stellten das Armleuchter-Algen-Projekt vor: (v.l.) Algenforscher Dr. Klaus van de Weyen, Markus Rüdel (Ruhrverband) und Georg Sümer (Phoenix-See-Betrieb).© Gaby Kolle

Gegen diese Wasserpest soll die Armleuchter-Alge nun antreten. Das Wasser im Baldeneysee ist zwar auch von sehr guter Qualität, doch die Elodea wächst vom Seeboden bis zu drei Meter hoch an die Wasseroberfläche und beeinträchtigt dadurch den Wassersport.

Jedes Jahr müsse der Ruhrverband 800 Tonnen Elodea mit einem Boot vom Essener Seeboden mähen, der auch Olympia-Stützpunkt fürs Paddeln und Rudern ist, erläutert Verbandssprecher Markus Rüdel. „Das ist ineffizient und nicht nachhaltig.“

„Kein Sensibelchen“

Die Armleuchter-Alge wird nur etwa einen halben Meter hoch und behindert so in dem rund 3,50 Meter tiefen Wasser den Sport nicht. Obwohl sie mit ihren dünnen Ärmchen sehr filigran wirkt, ist sie „kein Sensibelchen“, sagt Algenforscher van de Weyen. „Sie hat schon eine gewisse Konkurrenzkraft. Das sind die Guten.“ Es gebe 40 verschiedene Arten, zwei wurden für den Baldeneysee ausgeguckt. „Man muss wissen, welche Art in Frage kommt.“

Die beiden Taucher holen die besonders feingliedrige Sternarmleuchter-Alge und die steifhaarige Armleuchter-Alge in Plastikeimern aus dem Phoenix-See. Das Ausrupfen ist nicht so leicht. Van de Weyer erklärt das so: „Es ist, als ob man mit geschlossenen Augen Unkraut jätet; denn im Wasser wirbelt man sofort den Boden auf und sieht nichts.“

Zwei Testflächen von 25 Quadratmetern

150 Eimer voll mit Substrat und Algen bringen die Forscher vom Phoenix-See zum Baldeneysee und setzen sie dort auf zwei Testflächen von je 25 Quadratmetern wieder ein.

Armleuchter-Algen kann man nicht kaufen. Der Phoenixsee ist Spendergewässer für die Kooperation der Stadt Dortmund mit dem Ruhrverband. „Wir freuen uns, dass wir im Rahmen des Forschungsvorhabens den Schatz im Phoenix-See weiterreichen können,“ sagt Georg Sümer.

Spendergewässer dürfen nicht beeinträchtigt werden

Die Entnahme der Algen schade dem Phoenix-See nicht, sagt Dr. van de Weyen, dessen Beratungsbüro Ianaplan die Stadt Dortmund bei der Bewirtschaftung des Sees zur Seite steht. „Wir entnehmen sehr kleine Mengen“; denn Spendergewässer, so bestimmen es Leitlinien, dürfen auf keinen Fall beeinträchtigt werden.

Das Land fördert den Versuch. Neben den Algen experimentiert der Ruhrverband im Baldeneysee auch mit zwei sogenannten Rollenpflückern, die die Wasserpest mit Stumpf und Stiel ausreißen sollen. Da die Wasserpest keine Strömungen und Schleppkräfte mag, versucht man auch, mit Strömungslenkung ihr den Garaus zu machen.

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