Arztpraxis soll Patienten in Vertrags-Falle locken – Der Arzt weist die Vorwürfe von sich

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Offenbar gibt es in Dortmund Ärzte, die Berufsregeln verletzen. Mehrere Fälle von illegalen Krankenscheinen werden gemeldet. Auch Sprachprobleme sollen ausgenutzt worden sein. Ein Arzt widerspricht.

Dortmund

, 21.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unsere Berichterstattung über einen Arzt, der Krankschreibungen ohne Untersuchung illegal herausgibt, hat für viele Diskussionen gesorgt. Vielen Dortmundern sind solche Fälle bekannt. Einige geben via Facebook sogar an, dass sie bei ihren Ärzten nur anrufen müssen und schon die Arbeitsunfähigkeit (AU) bescheinigt würde.

Eine Dozentin für Integrations- und Alphabetisierungskurse erhebt jetzt Vorwürfe gegen einen anderen Arzt aus dem Dortmunder Norden. Ziemlich hellhörig sei sie geworden, als ihr ein Kurs-Teilnehmer ein Schreiben der Krankenkasse AOK Nordwest zeigte. „Der Arzt legte dem Patienten mit Verständigungsproblemen offensichtlich ohne Erklärung Formulare zum Unterschreiben vor“, so die Frau.

Patienten binden sich für ein Jahr an einen Hausarzt

Mit ihrer Unterschrift binden sich die Patienten dann für mindestens ein Jahr an die betreffende Arzt-Praxis. Ohne fristgerechte Kündigung wird der Vertrag automatisch verlängert. Und die Patienten erfuhren das erst, als die Dozentin das Schreiben erklärte, sagt sie.

Angebote wie dieses AOK-Hausarzt-Programm gibt es bei mehreren Krankenkassen. Der festgelegte Hausarzt koordiniert dann als erster Ansprechpartner sämtliche Behandlungsschritte: „Dafür erhalten Sie verbesserte Serviceangebote und haben weitere Vorteile“, wirbt die Kasse im Internet.

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Die Behandlung des Patienten soll effizienter werden, weil der Hausarzt alle Behandlungsdaten zusammenführe. Unnötige Untersuchungen sollen vermieden werden. Außerdem bieten die Ärzte den berufstätigen AOK-Vertragspatienten entweder Termine bis mindestens 20 Uhr, ab 7 Uhr oder an Samstagen an. Dafür verpflichtet sich der Patient, für die Vertragsdauer immer zuerst zum festgelegten Hausarzt oder zu seiner Vertretung zu gehen.

Der beschuldigte Arzt sagt zur Anfrage unserer Redaktion ganz klar, dass er Hausarzt-Verträge für eine gute Versorgung befürworte. Zum Vorwurf der ungenügenden Information sagt er: „Wir haben sechs Mitarbeiter, die Arabisch sprechen.“ Er geht davon aus, dass auch ausländische Patienten in der Praxis gut und verständlich aufgeklärt würden. Nach unserer Anfrage will er die Mitarbeiter für das Thema aber noch einmal sensibilisieren.

„Wir werden einen Weg finden“

Die AOK beruhigt Patienten, die sich von ihrem Arzt getäuscht oder nicht richtig informiert fühlen. „Wir werden garantiert einen Weg finden, um den Versicherten zu helfen“, verspricht Sprecher Jens Kuschel. Alle Betroffenen sollen sich bei der Krankenkasse melden.

Vor Beginn der Teilnahme am Hausarzt-Programm erhalte der Patient ein Begrüßungsschreiben. „Mit Erhalt dieses Schreibens haben unsere Versicherten ein 14-tägiges Widerrufsrecht“, so Kuschel.

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Eine außerordentliche Kündigung sei außerdem unter anderem möglich, „wenn sich das Arzt-Patienten-Verhältnis verschlechtert hat und eine Teilnahme bei diesem Hausarzt für den Versicherten nicht mehr in Frage kommt“. Dann sei eine Kündigung zum Ende des nächsten Quartals wirksam.

Übergeht ein Patient trotz bestehenden Vertrages ohne Notfall oder Urlaubszeit seinen Hausarzt, „hat die Krankenkasse die Möglichkeit, eventuelle Mehrkosten vom Versicherten zurückzufordern“, so der AOK-Sprecher.

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