Auf der Harley mit Italiens Konsul durch Dortmund

Roadtrip

Er ist Konsul und hat eine Harley - vermutlich die einzige mit Diplomatenkennzeichen: Franco Giordani. Seit Oktober 2017 ist er Leiter des Italienischen Konsulats an der Goebenstraße in Kaiserstraßenviertel. Mit seinem Motorrad erkundet er gerne die Stadt. Wir haben ihn begleitet.

DORTMUND

17.09.2017, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Konsul Franco Giordani mit seiner Harley durch Dortmund und sein Umland knattert, dann bewundert er immer wieder die Hecken. "Das sind wahre Kunstwerke, die die Leute da schaffen. Diese Wonne bei der Arbeit!" Der italienische Diplomat ist neu in der Stadt. Er muss schmunzeln: "In der Heckenpflege manifestiert sich für mich deutsche Perfektion."

Ein Römer im Pott

Giordani ist 58 Jahre alt und waschechter Römer. Bewusst hat er sich entschieden, diesen Sommer in Dortmund zu verbringen. "Ich möchte die langen Tage für ausgiebige Touren nutzen und meinen Amtsbezirk noch besser kennenlernen." Das Konsulat ist für die Landesteile Westfalen und Lippe zuständig, fast 300 Kilometer mit vielen Landstraßen zwischen der westlichen und der östlichen Grenze. Giordani ist passionierter Biker, schon seit seiner Jugend ist er immer Zweirad gefahren. "Daheim in Rom steht noch eine weiße Vespa 125, Baujahr 1980."

Derzeit ist Giordani mit einer Harley Davidson vom Typ 1200 Custom unterwegs, die er vor drei Jahren an seinem früheren Posten erworben hat. Vor seinem Einsatz in Dortmund war Giordani sechs Jahre lang Kanzler, also Verwaltungsleiter, der italienischen Botschaft in London. "Von der Themse an die Ruhr zu wechseln, das war schon ein Unterschied", sagt er.

Dortmund erinnert den Konsul ans Silicon Valley

Die neue Heimat hat ihn von Beginn an begeistert. "Schon als Jugendfußballer kannte ich Borussia Dortmund, da fand ich es natürlich klasse, hierhin versetzt zu werden. Aber ich bin hier überhaupt sehr gut und freundlich aufgenommen worden." Giordanis Frau Maria Assunta und Tochter Chiara leben in Rom, kommen aber regelmäßig nach Dortmund. „Sie waren hin und weg vom Weihnachtsmarkt“, erzählt er. "Aber auch Münster und Herdecke haben ihnen gut gefallen." In Herdecke wohnt der Konsul, direkt an der Stadtgrenze zu Dortmund.

Was ihn in den ersten Monaten am meisten beeindruckt hat? "Wie Dortmund den Strukturwandel gestemmt hat. In der Stadt blüht eine digitale und technik-affine Start-up-Szene, die mich manchmal sogar ans Silicon Valley erinnert."

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Dass sich viele junge Unternehmen auf alten Industriebrachen ansiedeln und dass Kulturbetriebe entstehen, beeindruckt Giordani besonders. "Diese Idee, aus alten Fabriken Museen zu machen, das kenne ich aus Italien gar nicht", sagt er. Und so rauscht er nach Feierabend mit der Harley nicht nur über Landstraßen, sondern auch zu den Höhepunkten der Route der Industriekultur.

Immer wieder macht er Abstecher ins Sauerland. "Die grünen Hügel, diese Wälder – das fasziniert mich." Zufällig traf er auf einer seiner ersten Ausfahrten auf den Bürgermeister von Sundern am Sorpesee, Ralph Brodel. Der war ganz aus dem Häuschen, dass er in seiner Stadt den neuen Konsul auf dem Motorrad traf. Brodel ist selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer und engagiert sich in Biker-Clubs. Schon bald trifft Giordani wieder auf den Bürgermeister. Sie wollen die italienische Firma Capristo besuchen, die in Sundern Teile für die Edelmarken Ferrari und Maserati produziert.

Giordani will italienische Häftlinge besuchen

Giordani stellt sich auch anderen Welten. Bei den Gefängnisdirektoren der Region hat er sich angemeldet. "In der Weihnachtszeit möchte ich mit allen italienischen Häftlingen ein Stück Panettone essen." Bis dahin ist noch etwas Zeit.

Der Konsul startet die Harley, vermutlich die einzige weit und breit mit Diplomatenkennzeichen, und lässt das typische Donnern hören. Zieht sich die Lederjacke über den Designeranzug, setzt den Helm auf. Um den Lenker ist ein BVB-Schal gewickelt. Und weg ist er, auf dem Weg ins Grüne, ohne festes Ziel, vorbei an vielen frisch geschnittenen Hecken.

70.000 Italiener in Westfalen und Lippe
Franco Giordani ist Leiter des einzigen „echten“ Konsulats in Dortmund.
Die italienische Vertretung an der Goebenstraße im Kaiserviertel mit zwölf festen Mitarbeitern ist für 70.000 Italiener in den Landesteilen Westfalen und Lippe zuständig. www.consdortmund.esteri.it

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