Auf einen TU-Professor kommen 105 Studenten

Betreuungsverhältnis verschlechtert

Die Studentenzahlen an der TU Dortmund steigen seit Jahren auf immer neue Rekorde - doch die Zahl der Professoren wächst nicht mit. Auf einen Professor kommen mittlerweile rechnerisch 105 Studenten. Landesweit liegt Dortmund damit beim Betreuungsverhältnis in der Schlussgruppe.

DORTMUND

, 08.02.2016, 03:24 Uhr / Lesedauer: 3 min
Auf einen TU-Professor kommen 105 Studenten

Eine Vorlesung im Fach Maschinenbau an der RWTH Aachen.

Die Studierendenzahlen steigen in Deutschland seit Jahrzehnten fast kontinuierlich. So wurden mit den Einschreibungen zum Wintersemester 2015/16 wieder Rekorde erreicht. Auch die TU Dortmund hat so viele Studierende wie nie zuvor: mehr als 33.500.

Die Zahl der Professorinnen und Professoren aber – und damit steht Dortmund nicht alleine – ist nicht mitgewachsen. Allerdings fällt die Betreuungsrelation sehr unterschiedlich aus: In Münster kümmert sich ein Professor um 77 Studierende, an der Uni Duisburg-Essen um 86 und an der TU Dortmund um mehr als 100.

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Seit 2012 ist die Zahl der Studierenden an der TU von 29.672 auf 33.554 gestiegen. Bei den Professuren hat sich fast nichts getan: 302 sind es. „Die Anzahl der vom Land zugewiesenen Beamtenstellen für W2/W3-Professuren ist konstant“, teilt TU-Sprecherin Eva Prost zur Entwicklung der vergangenen drei Jahre mit. Andere Lehrkräfte wurden vermehrt beschäftigt, statt 825 im Jahr 2012 setzt die TU nun 1048 ein (auf Vollzeitstellen umgerechnet).

„Bundesweit kommen an Universitäten immer mehr Studierende auf eine Professur, da die Studierneigung stark gestiegen ist, während die Zahl der Professuren nahezu konstant geblieben ist“, so Eva Prost. Die TU bilde damit „nicht das Schlusslicht“ im Landesvergleich. Es gebe in NRW sowohl Universitäten als auch Fachhochschulen mit einem schlechteren Betreuungsverhältnis.

Das trifft auf die öffentlich-rechtlichen Universitäten allerdings nur bedingt zu. Laut einer Aufstellung der NRW-Landesregierung zum Wintersemester 2013/2014 haben nur zwei Universitäten ein schlechteres Betreuungsverhältnis Profs zu Studierenden, und die sind nicht unbedingt vergleichbar: die Fernuni Hagen mit fast 76 000 Studierenden und die Sporthochschule Köln, beides universitäre Sonderfälle.

 

Vergleich mit Fachhochschulen ist "nur eingeschränkt möglich"

An den Fachhochschulen gibt es in NRW im Verhältnis zu den Studierenden deutlich mehr Professuren, was mit dem höheren Lehraufwand und dem Personaleinsatz zusammenhängt, wie die Landesregierung auf ein eine Kleine Anfrage im Landtag mitteilte. „Ein Vergleich zwischen beiden Hochschultypen ist daher nur eingeschränkt möglich.“

Der Beschäftigungsumfang beim Lehrpersonal sei in hohem Maße vom Lehraufwand der einzelnen Fächer abhängig. „Mint-Fächer erfordern beispielsweise einen deutlich höheren Lehraufwand“, heißt es in Düsseldorf; Mint steht für Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik.

Wissenschaftsministerium: Lehrpersonal einzustellen ist Sache der Hochschulen

Die TU bemühe sich um Aufstockung der Lehrkräfte, lässt die Pressestelle wissen. Man habe in der Resolution Wissenschaftsregion Ruhr gemeinsam mit den rund 20 Hochschulen im Ruhrgebiet im Sommer 2015 an das Land appelliert, aufgrund der gestiegenen Studierendenzahlen mehr Beamtenstellen für Professuren bereitzustellen.

Das Wissenschaftsministerium NRW teilt dazu mit: „Es ist Aufgabe jeder einzelnen Hochschule, die Qualität der Ausbildung zu sichern und hierfür ausreichendes Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen.“ Zurzeit fließen über den Hochschulpakt von Bund und Land jährlich gut eine Milliarde Euro zusätzlich an die Hochschulen in NRW; die Hälfte davon sind Landesmittel. Im Hochschulpakt II ist festgelegt, dass die Hochschulen hiervon 50 Prozent für Personal ausgeben sollen.

„Die Hochschulen in NRW haben die höchste Autonomie aller Bundesländer“, so Pressereferentin Verena Hoppe. „Es gibt keine allgemeinen Schlüssel oder Vorschriften, nach denen eine selbstständige Hochschule den einzelnen Fachbereichen Planstellen zuordnet. Die Hochschule entscheidet in eigener Verantwortung, welchen Bedarf die Fachbereiche haben (...).“

Uni: Andere Stellen rechnen sich mehr

TU-Sprecherin Prost relativiert: Theoretisch sei die Hochschule frei bei der Einrichtung von Professorenstellen. Doch wenn das Ministerium keine Beamtenstellen als „Hüllen“ bereitstelle, werde es für die Unis teuer. Sie müssten dann zusätzlich Pensionslasten zurücklegen. Deshalb rechne es sich mehr, in andere Stellen zu investieren.

Die TU Dortmund setze die Mittel aus dem Hochschulpakt so ein, „dass damit in optimaler Weise die Lehrkapazität gesteigert wird“, so Eva Prost. Während ein kleiner Teil für zusätzlich notwendige Infrastruktur, wie beispielsweise Seminarraum-Gebäude ausgegeben werden müsse, werde der überwiegende Teil für Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter verwendet, darunter auch so genannte Hochdeputat-Stellen mit erhöhter Lehrverpflichtung. „Auf diese Weise konnte das Betreuungsverhältnis von Studierenden zu Lehrenden in den vergangenen Jahren in etwa konstant gehalten werden“, so Sprecherin Eva Prost.

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