Aus alten Zechen soll neue Energie gewonnen werden

Erdwärme aus Grubenwasser

Die Bergbauvergangenheit als Schlüssel für die Energieversorgung – die Bezirksregierung Arnsberg hat dem Energiekonzern RWE vier sogenannte Bergbauberechtigungen erteilt. In vier Feldern im Dortmunder Süden hat der Konzern damit ein Erstzugriffsrecht, um gewerblich aus Grubenwasser Erdwärme zu gewinnen. Fragen und Antworten.

DORTMUND

, 19.07.2016, 02:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Bezirksregierung Arnsberg hat dem Energiekonzern RWE vier sogenannte Bergbauberechtigungen erteilt.

Die Bezirksregierung Arnsberg hat dem Energiekonzern RWE vier sogenannte Bergbauberechtigungen erteilt.

Was bedeuten die Bergbauberechtigungen?

Laut Andreas Nörthen von der Bezirksregierung hat die RWE AG mit dieser Bewilligung bisher nur das Recht erworben, die Gewinnung von Erdwärme aus Grubenwasser zu beantragen. Sollte das geschehen, kann dort in den vier Feldern lediglich die RWE AG gewerblich arbeiten.

Liegen aktuell solche Beantragungen vor?

Nein, bisher noch nicht. Es geht darum, die gewerbliche Gewinnung von Erdwärme aus Grubenwasser zu reglementieren. Ach bei  RWE kann man zu weiteren Plänen noch nichts sagen.

Laut der Pressestelle des Unternehmens befinde man sich aktuell in „Abstimmungsprozessen“: „Zur Zeit prüfen wir die wirtschaftlichen und technischen Grundlagen für ein Pilotprojekt“, konkret sei aber noch nichts. Natürlich sei das Unternehmen daran interessiert, Optionen für eventuell neue Geschäftsmöglichkeiten zu entwickeln.

Wieso interessiert sich RWE für dieses Geschäftsfeld?

RWE ist ein Energiekonzern. Aktuell steht RWE wegen der gesunkenen Großhandelspreise auf dem Strommarkt steht die konventionelle Stromerzeugung unter massivem Druck. Auch gibt es Probleme im Rheinischen Braunkohlerevier. Rund 14 000 Menschen arbeiten aktuell bei RWE Power und der internationalen Schwesterfirma RWE Generation, bis 2020 sollen europaweit 2300 abgebaut werden. Die Aktie von RWE ist stark gefallen. 

Aktuell setzt RWE-Chef Peter Terium laut Medienberichten auf eine neue Ökostromtochter namens Innogy. 10 Prozent der Anteile sollen an die Börse gebracht werden. Ressourcenschonende Energiegewinnung liegt also voll im Trend bei RWE, da können die vier Felder in Dortmund ein Ansatz sein, Erdwärme möglichst einfach zu gewinnen.

Es gibt die Geothermie schon länger. Warum jetzt Erdwärme aus Grubenwasser?

In ehemaligen Steinkohlerevieren ist die „Gebirgsdurchlässigkeit“ groß. Das heißt, das dortige Grubenwasser ist mit einer Durchschnittstemperatur von 20 bis 30 Grad Celsius wärmer als seine Umgebung. Es muss nicht – wie bei herkömmlichen Geothermieanlagen – in tiefe Tiefen gegangen werden.

20 bis 30 Grad – heiß ist was anderes, oder?

Ja. Aber es braucht weniger Energie, warmes Wasser heiß zu machen, als kaltes Wasser warm. Aufgrund der mäßigen Temperatur des Grubenwassers braucht es Wärmepumpen. Geeignet für die Energiequelle Grubenwasser wären zum Beispiel Niedertemperaturheizungen oder auch Brauchwasser. Und: Potenzielle Abnehmer müssen in der Nähe sein, die Technologie funktioniert nur in dicht besiedelten Gebieten. Zum Beispiel also in Dortmund.

Grubenwasser – was ist da eigentlich drin.

Das ist verschieden und hängt stark von der Beschaffenheit der Böden ab. Neben Natriumchlorid sind in der Regel Schwefel, Eisen und etwa Kohlensäure im Wasser gelöst und kommen neben diversen anderen Stoffen in unterschiedlicher Konzentration vor.

Das hat direkte Auswirkungen für die Förderung der Erdwärme: Undenkbar wäre es, das durch Wärmepumpen weiter erhitzte Grubenwasser direkt in Heizungen einzuspeisen. Sowohl die Pumpen als auch die Heizungsrohre und -körper würden in Windeseile korrodieren.

Wann wird das alles konkret?

Schwer zu sagen. Bei RWE heißt es auf Anfrage, man könne eventuell in einigen Monaten mehr zu dem Thema sagen. Prinzipiell gilt die Technologie als. Für die Errichtung von gewerblichen Anlagen müsste RWE gesonderte Anträge stellen, Kommunen, Behörden und betroffene Bürger müssten dabei beteiligt werden. So ein Antrag liegt bei der Bezirksregierung noch nicht vor.

Bekannt ist bisher über den Antrag hinaus: Für das Feld „Gartenstadt“ ist die ehemalige Schachtanlage „Freie Vogel & Unverhofft“ angedacht, im Feld „Hombruch“ die ehemalige Schachtanlage „Ver. Wiendahlsbank“. Für die Felder „Hörde“ und „Emscher“ laufen die Überlegungen noch.

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