„Außergewöhnliche Umstände“: Universität schafft zwei Institute ab

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Die Institute Anglistik/Amerikanistik und Germanistik der TU Dortmund gibt es nicht mehr: Anfang April wurden sie aufgelöst. Wie es weitergeht, ist auch nach zwei Monaten noch nicht klar.

von Paula Protzen

Dortmund

, 10.06.2019, 15:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Institute Anglistik/Amerikanistik und Germanistik der TU Dortmund wurden am 4. April von der Rektorin Prof. Dr. Ursula Gather mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Der Grund: „außergewöhnliche Konflikte“ und Beeinträchtigungen in Forschung und Lehre. Beide Institute waren an der Fakultät für Kulturwissenschaften angegliedert. Jetzt ist die Fakultät nur noch nach den einzelnen Lehrstühlen untergliedert. Einzig das Institut für Journalistik blieb an der Fakultät bestehen.

Die Uni betont: Für die Studierenden ändere sich nichts. „Die Fakultät wird sich auf die Erfüllung der originären Pflichten in Forschung und Lehre konzentrieren“, heißt es auf Anfrage von der Pressestelle.

Informationen? Dürftig.

Doch wieso war die Auflösung der Institute überhaupt nötig? Nach Angaben der Pressestelle sei die Handlungsfähigkeit der Fakultät Kulturwissenschaften „aufgrund der komplexen und zunehmend kleinteiligen Gliederung in Institute, AG und Professuren“ zuletzt stark eingeschränkt gewesen. In der Fakultät hätte es außerdem viele Probleme gegeben, „zum Beispiel zahlreiche Beschwerden von Studierenden (bspw. über kurzfristige Absagen von Lehrveranstaltungen)“. Alles also recht vage.

Von Professoren gibt es keine offiziellen Statements zu den Institutsauflösungen. Das berichten sowohl das Campusmagazin Kurt als auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Interviews seien kurzfristig abgesagt worden, Gespräche nur unter Zusicherung der Vertraulichkeit und außerhalb der Diensträume geführt worden. Die Pressestelle antwortet allen Medien mit den immer gleichen Standardsätzen.

Waren interne Konflikte der Grund?

Zu dem angespannten Klima passt, was die FAZ als Hintergrund für die Auflösung nennt: ein interner Konflikt im Institut für Germanistik. Der habe schon länger geschwelt, mindestens seit 2017. Einige Professoren hätten sich am Institut nicht wertgeschätzt gefühlt, außerdem vermissten sie eine Vertrauensbasis. Im vergangenen Juli seien dann drei Professorinnen aus dem Institut für Germanistik ausgetreten, nachdem sie zuvor mit einer Reform der Fakultätsstruktur gescheitert waren.

Daraufhin arbeiteten sie auf die Gründung eines „Institut für Diversitätsstudien in Kognition, Literatur, Sprache und Medien“ hin. Am 23. Januar 2019 wurde über die Institutsgründung im Fakultätsrat abgestimmt. Das Ergebnis: Bei zwei Enthaltungen gab es elf Nein- und zwei Ja-Stimmen. Zwei der Professorinnen, die das Institut gründen wollten, gehören dem Fakultätsrat an.

Studierende sind verunsichert

Am 4. April wurden die Institute dann aufgelöst. Klar kommuniziert wurde das nicht. Laut dem Campusmagazin erfuhren die Studierenden zuerst aus Facebookposts der Fachschaften, dass die Institute, an denen sie studieren, gar nicht mehr existieren. Auf Facebook schreibt die Fachschaft Englisch: Man könne den Studierenden versichern, dass „diese Änderungen vorerst keinerlei Auswirkungen auf das Englischstudium und die Lehre haben werden“.

Also alles gut? Eine Woche nach der Auflösung befragte das Unimagazin Studierende auf dem Campus. Gut informiert fühlte sich kaum einer. Eine offizielle Mitteilung der Uni gibt es bis heute nicht.

Wie geht es weiter?

Ob eine Neugründung der aufgelösten Institute geplant ist, ist bisher nicht bekannt. Die Pressestelle schreibt dazu, dass es der Fakultät frei stehe, „zu gegebener Zeit neue Binnenstrukturen zu bilden, die hinsichtlich ihrer Bezeichnung, Themen, Aufgaben und Größe fachlich und organisatorisch angemessen sind“. Zu gegebener Zeit: schon wieder eine vage Angabe. Laut der FAZ empfiehlt Rektorin Gather ein einjähriges Moratorium.

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