Ärger um Baumschnitt trotz Brutzeit: „Muss das sein?“

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Torsten Heymann beobachtet seit Montag fassungslos, wie Bäume in der Nähe seines Hauses geschnitten werden. Dabei ist seit dem 1. März Vogel-Brutzeit – und unnötiger Baumschnitt damit verboten.

Mengede

, 29.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Hebebühnen und Schneide-Werkzeugen seien die Arbeiter am Montag (27.4.) angerückt, erzählt Torsten Heymann. Entlang der Stämme und in den Kronen haben sie tagelang zahlreiche Äste ab- und herausgeschnitten.

„Muss das sein?“, fragt Torsten Heymann. „Die Bäume auf der anderen Straßenseite sind im Herbst geschnitten worden. Warum müssen die übrigen Bäume nun mitten in der Brutzeit geschnitten werden?“ Der SPD-Ratsvertreter wohnt an der Straße „Königsheide“ in Mengede, an der die Arbeiter beschäftigt waren.

Vom 1. März bis zum 30. September sei der Baumschnitt allerdings verboten, weil Vögel in dieser Zeit Ruhe in ihren Nestern und später für die Aufzucht ihrer Küken brauchen, so Heymann. Stadt-Pressesprecher Maximilian Löchter bestätigt, dass es in diesen Monaten verboten ist, Bäume beziehungsweise ihre Äste entlang einer Straße „abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen“.

Verkehrssicherung ist strittig

Schonende Form- und Pflegeschnitte sowie ein Baumschnitt zur Verkehrssicherung seien jedoch auch in der Brutzeit zulässig, gibt Löchter zu bedenken. Die Stadt Dortmund ist allerdings nicht für den Schnitt an der Königsheide verantwortlich.

„Es wurde vor ein paar Wochen der Schnitt eines Strauches wegen Sichtbehinderung durchgeführt“, sagt Maximilian Löchter. „Ansonsten ist Straßen NRW zuständig.“ Dort hat auch Torsten Heymann bereits angerufen – bislang ohne befriedigende Antwort.

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Auf Anfrage der Redaktion betont Frank Hoffmann von Straßen NRW, dass die Arbeiten an der Königsheide der Stammpflege und der Gewährleistung der Verkehrssicherheit dienen. „Beispielsweise Lkw sollen nicht von den Baumkronen behindert werden“, erklärt er. „Solche Schnitte sind ganzjährig erlaubt.“

Torsten Heymann kann diese Begründung nicht nachvollziehen. Die Bäume stehen entlang eines Fahrradweges, der zusätzlich durch einen Grünstreifen von der Fahrbahn abgetrennt ist. „Für Radfahrer war definitiv kein Ast im Weg – und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Autos oder Lkw bei dem Abstand gefährdet waren.“

Naturschutz muss bedacht werden

Torsten Heymann kritisiert, dass an anderen Stellen auf Naturschutz gepocht und geachtet wird, beispielsweise in Bezug auf Wildblumenwiesen für Bienen, und es beim Baumschnitt unerheblich zu sein scheint, ob Vögel brüten oder nicht.

„Mit dem Schnitt verhindern wir, dass die Sicht behindert ist oder jemand vor die Äste fährt“, betont jedoch Frank Hoffmann erneut und fügt hinzu: „Außerdem achtet das zuständige Fachunternehmen sehr darauf, dass Vögel und ihre Nester sicher sind.“

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