Aktuell werden im DB-Betriebswerk Am Spähenfelde schon ICE-Züge fit für den Einsatz gemacht. © Schaper
Neue Arbeitsplätze

Bahn will „grünes“ ICE-Werk in Dortmund bauen – auf begehrter Fläche

Die Bahn AG plant den Ausbau ihrer ICE-Flotte. Und dabei spielt Dortmund eine wichtige Rolle. Auf einer Brachfläche soll ein neues Betriebswerk zur Wartung von Fernverkehrszügen entstehen.

Im Juni 2007 wurden hier die letzten Güterzüge rangiert. Seitdem wuchern zwischen den Gleisen des alten Güterbahnhofs Westfalia am Rande des Dortmunder Hafens Gestrüpp und Birken.

Zugleich wurde das riesige langgezogene Areal – zwei Kilometer lang und 60 Meter breit – zu einer der begehrtesten Brachflächen der Stadt. Der neue Containerbahnhof, der jetzt weiter nördlich am alten Hafenbahnhof eingerichtet wurde, sollte hier entstehen, die Hafen AG hatte das Areal für eine Hafenerweiterung ins Auge gefasst und die städtischen Wirtschaftsförderung als weitere innenstadtnahe Gewerbefläche.

Direkt neben dem Hafen liegt die riesige Gleisharfe des alten Güterbahnhofs Westfaliastraße, die inzwischen von Grün überwuchert ist.
Direkt neben dem Hafen liegt die riesige Gleisharfe des alten Güterbahnhofs Westfaliastraße, die inzwischen von Grün überwuchert ist. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Doch von der DB Netz AG als Eigentümerin holten sich die Vertreter der Stadt immer wieder eine Abfuhr für ihre Kaufwünsche – zuletzt Anfang dieses Jahres, erinnert sich Planungsdezenernt Ludger Wilde. Die Bahn habe auf ihr Programm „Starke Schiene“ und möglichen Eigenbedarf verwiesen.

Was dahintersteckt, verrät jetzt eine bis Ende August 2021 befristete Bau-Ausschreibung, die die Bahn Fernverkehrs AG auf den Weg gebracht hat. Danach will sie auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs Westfaliastraße ein neues Betriebswerk für Fernverkehrszüge bauen.

Als Birkenwäldchen erscheint die Fläche des alten Güterbahnhofs an der Westfaliastraße aktuell. An die alte Nutzung erinnern noch Bahn-Signale und einige alte Gebäude.
Als Birkenwäldchen erscheint die Fläche des alten Güterbahnhofs an der Westfaliastraße aktuell. An die alte Nutzung erinnern noch Bahn-Signale und einige alte Gebäude. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

„Um die wachsende Flottengröße instandhalten zu können, muss die Instandhaltungskapazität im Fernverkehr erweitert werden“, heißt es im Ausschreibungstest. „Neben dem Ausbau von zusätzlichen Arbeitsständen in bestehenden Werken wurde auch der Neubau eines Werkes am Standort Dortmund als notwendig ausgewiesen. Ziel ist es, ein neues Werk zur betriebsnahen Instandhaltung sowie Behandlung aller Baureihen der DB Fernverkehr AG in Dortmund zu bauen.“

Die Eignung des Geländes des ehemaligen Güterbahnhofs Westfaliastraße sei als Standort für das neue Betriebswerk im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geprüft worden. „Die Fläche ist im Besitz von DB Netz und ist zurzeit ungenutzt“, heißt es.

Offen ist, wie viele Arbeitsplätze mit dem neuen Werk entstehen und wie der Zeitplan aussieht. In der Ausschreibung wird als Referenzprojekt allerdings auf das neue ICE-Werk in Köln-Nippes verwiesen. Es wird von der Bahn AG als „erstes grünes Werk“ angepriesen, weil es vollständig CO2-neutral betrieben wird. Das soll laut Ausschreibung auch für das Dortmunder Werk gelten. Die Planung aus Köln soll „weitestmöglich übernommen werden“.

400 neue Jobs möglich

Für das Werk in Köln sind gut 400 neue Jobs angekündigt. Ähnlich dürfte demnach die Größenordnung in Dortmund sein. Bauliches Kernstück des Werks ist eine 480 Meter lange, 48 Meter breite und zwölf Meter hohe Werkshalle mit vier Arbeits-Gleisen. „Jedes Gleis soll so ausgelegt werden, dass sämtlichen Baureihen der DB Fernverkehr AG behandelt werden können“, erklärt die Bahn AG. Dazu kommen Nebenwerkstätten und Verwaltungsgebäude, Innen- und Außenreinigungsanlagen, Abstellanlagen und Lagergebäude.

Was den Zeitplan angeht, gibt es ebenfalls nur indirekte Hinweise. Denn in Stellenanzeigen sucht die DB AG bereits einen „Projektleiter Infrastrukturprojekt ‚Neues ICE-Werk Dortmund“‘. Startdatum: „Ab sofort“.

Das neue Werk an der Westfaliastraße wäre das zweite ICE-Werk der DB AG in Dortmund. Seit 2002 werden am Betriebswerk am Spähenfelde in der Nordstadt bereits ICE3- und andere Fernverkehrszüge gewartet.

Interessant ist: Die Firma Siemens erweitert aktuell bereits ihr bislang auf die Wartung von RRX-Zügen ausgelegtes „Rail Service Center“ in der Nordstadt. Auch dort sollen auf einer Fläche an der Ravensberger Straße künftig ICE-Züge, die von Siemens gebaut wurden, gewartet werden.

Bei der Stadt Dortmund hat man indes noch keine näheren Informationen über das Vorhaben der Bahn AG an der Westfaliastraße. Gesprächsbedarf gibt es allerdings. Denn man benötigt einen Teil der Flächen nahe der Hafenbrücke, um eine Ab- und Auffahrt zur Schnellstraße OWIIIa zu bauen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich