Banken wollten 500-Euro-Schein nicht wechseln

Nur bei eigenen Kunden

Zum Geburtstag bekam Ingo Eisenbarth aus Gevelsberg einen 500-Euro-Schein von seinem Vater geschenkt. Ihn auszugeben, wurde aber zum Riesenproblem. Selbst die Dortmunder Sparkasse weigerte sich, die große Note "klein zu machen" - und hatte dabei das Recht auf ihrer Seite. Fragen und Antworten.

DORTMUND

, 08.04.2016, 01:54 Uhr / Lesedauer: 2 min
Banken wollten 500-Euro-Schein nicht wechseln

500-Euro-Scheine. Symbolfoto: dpa

Als Ingo Eisenbarth sich für einen Einkaufsbummel auf den Weg nach Dortmund machte, war ihm schon klar, dass in Geschäften mit seinem 500-Euro-Schein auf Probleme stoßen könnte.  Supermärkte, Einzelhändler und Tankstellen berufen sich auf ihre Vertragsfreiheit und weisen oft schon in Kassennähe darauf hin, dass sie große Scheine nicht annehmen – aus Angst um ihren Wechselgeldbestand oder vor teuren Fälschungen. Deshalb ist Eisenbarth gleich zur Hauptstelle der Sparkasse gegangen.

Mit welchem Argument hat sich die Sparkasse geweigert, Eisenbarth den 500-Euro-Schein zu wechseln?

Die Mitarbeiterin am Schalter erklärte ihm, man wechsele nur Kunden des Hauses Geldscheine, Fremdkunden aber nicht.

Wie ist es Eisenbarth bei anderen Geldinstituten ergangen?

Genauso. Erst nach einer Odyssee durch den "Dortmunder Finanzdistrikt" sei er bei einem freundlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank auf Mitleid gestoßen, der ihm den Schein gewechselt habe, aber nicht ohne den Hinweis, dass er das eigentlich nicht dürfe.

Auf Nachfrage dieser Redaktion bei der Dortmunder Volksbank erklärte Sprecher Carsten Jäger, normalerweise tausche man auch 500-Euro-Scheine von Nichtkunden: "Wenn das in diesem Fall anders war, hatte der Kollege einen schlechten Tag.“

Dürfen die Banken, Fremdkunden den Wechsel von Banknoten verweigern?

Laut Markus Pinnau, Sprecher der Sparkasse Dortmund, besteht eine Pflicht zum Umtausch von Bargeld für Nichtkunden nicht mehr. "Mit Einführung des Euro ist der Zwang zur Annahme von Bargeld entfallen."

Steht der 500-Euro-Schein nicht in dem Ruf, Geldwäsche zu begünstigen?

Ja, deshalb habe der Gesetzgeber den Kreditinstituten bei Bargeldtauschgeschäften auch eine besondere Sorgfaltspflicht zur Verhinderung der Geldwäsche auferlegt, sagt Sparkassensprecher Markus Pinnau.

Sein Kollege von der Dortmunder Volksbank bestätigt, dass man hellhörig werde, wenn jemand mit einem ganzen Bündel von 500-Euro-Scheinen daherkomme. 

Warum gilt der 500-Euro-Schein der "Lieblingsschein der Kriminellen"?

Mit ihm kann man große Summen in winzigen Verstecken lagern oder verschieben. 

Wenn man weiß, dass der 500-Euro-Schein Kriminellen die Geldwäsche und Betrügereien erleichtert, warum schafft man ihn dann nicht ab?

Auch wenn die finale Entscheidung noch aussteht, die Europäische Zentralbank möchte ihn deshalb abschaffen.

Was kaufen Kunden in der Regel mit 500-Euro-Scheinen?

Obwohl der Anteil von Kartenzahlungen stetig steigt, gebt es immer noch Geschäfte, die sehr bargeldaffin sein, sagt Sparkassensprecher Markus Pinnau, wie zum Beispiel  der Gebrauchtwagen- oder Küchenkauf. "Vor diesem Hintergrund verlangen Kunden explizit 500-Euro-Noten."

Wie viel 500-Euro-Scheine sind im Umlauf?

Die 500 prangt auf nur drei Prozent aller Euro-Banknoten, doch diese machen mit 307 Milliarden Euro fast ein Drittel des gesamten Bargeld-Wertes aus. 55 Prozent der 500-Euro-Noten im Euro-Raum  hat die Bundesbank ausgegeben - ein höherer Anteil als bei anderen Banknoten. 

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