Dortmunder Baum-Spezialist erklärt vermeintliche Fällung von 20 Weiden

rnGrünflächenamt

Diese Ankündigung des Grünflächenamts ließ aufhorchen: In der Nähe einer Lütgendortmunder Siedlung sollen in einem Rutsch 20 Weiden gefällt werden. Tatsächlich steckt etwas anderes dahinter.

Lütgendortmund

, 03.08.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Regelmäßig informiert die Stadt Dortmund über geplante Baumfällungen. Die betroffenen Bäume sind morsch, faul oder ausgetrocknet, so dass sie ein Risiko darstellen. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit“ lautet die städtische Standard-Erklärung für diese Fällaktionen.

In einer dieser Ankündigungen tauchten kürzlich 20 Weiden auf. 20 Bäume, die auf einen Schlag Axt und Säge zum Opfer fallen sollen - diese Ankündigung war uns eine Anfrage bei der Pressestelle der Stadt wert. Die Antwort verblüfft: Es handele sich gar nicht um eine echte Fällung, erklärt der Baum-Spezialist Jens Terme.

Stadt erzieht ökologisch wertvolle Kopfbäume

Standort der 20 Weiden ist die Straße Potthöferei, neben der Hausnummer 51, in Lütgendortmund. Sie grenzen an eine große Grünfläche mit einer üppigen Vegetation.

„Wir führen hier eher eine kleine forstliche Läuterungsmaßnahme durch“, so Lars Terme. „Das heißt, es werden einige schwächere, zu eng stehende Bäume entfernt, damit die jetzt schon kräftigen einen artgerechten Wuchs ausbilden können.“

Die 20 Weiden befinden sich in der Straße Potthöferei, neben Hausnummer 51.

Die 20 Weiden befinden sich in der Straße Potthöferei, neben Hausnummer 51. © Beate Dönnewald

Darüber hinaus sollen ökologisch wertvolle Kopfbäume „erzogen“ werden. „Die Bäume werden dazu in ein bis drei Metern Höhe abgeschnitten und schlagen dort neu aus“, berichtet Terme. Der Stamm faule zum Teil ein, dadurch bildeten sich am Ansatz der austreibenden Reiser kleine Habitate, zum Beispiel für Insekten und Kleinvögel.

Die Jungweiden hätten sich über Samenflug und Keimung „selbst gepflanzt“, erklärt Jens Terme. Die Folge sei ein starker Weidenbesatz. „Die Weiden sind Pionierarten und somit dauerhaft sehr konkurrenzschwach.“ Die geplante Maßnahme soll deshalb auch den Prozess der Artenvielfalt im Gehölzbestand beschleunigen.

Weil keine Fräsarbeiten geplant seien, könnten die gefällten Bäume aus dem Stock neu ausschlagen. Auch ein Teil des Stark- und Stamm-Holzes verbleibe auf der Fläche. „Diese Totholzhaufen bieten Lebensräume und Unterschlupf für viele Insekten- und Spinnenarten, Reptilien, Amphibien, Vögel und Kleinsäuger“, berichtet Terme.

System erkennt bislang unechte Fällungen nicht

„Läuterungsmaßnahmen“ wie diese werden laut Jens Terme regelmäßig durchgeführt. Das Besondere in diesem Fall: Diesmal müssten mehrere Weiden mit einem Stammdurchmesser von über 40 Zentimeter bearbeitet werden.

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Bearbeitungen, die über diesem Stammumfang liegen, würden im städtischen System häufig als „Fällantrag“ eingeordnet, so Terme, und tauchten somit in einer Liste auf, die später Grundlage für die Pressemitteilungen ist. „In der Liste ist dann nicht immer erkennbar, ob es sich um ,echte Fällungen’ handelt oder nicht“, so Terme. Das sei aber eher die Ausnahme. Das System werde zudem gerade auf ein neues umgestellt.

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