Baustelle seit vier Monaten unter Bomben-Verdacht

Schmiedingstraße

Ein Bauloch an der Schmiedingstraße, das für Autofahrer für einen Engpass an der Einmündung zum Königswall sorgt, müsste eigentlich nur verfüllt werden. Doch es besteht der Verdacht auf Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Fraglich ist, warum der Verdacht noch nicht erhärtet werden konnte und die Baustelle so lange stillliegt.

DORTMUND

, 16.10.2016 / Lesedauer: 3 min
Baustelle seit vier Monaten unter Bomben-Verdacht

Der Schaden ist repariert, die Baustelle an der Schmiedingstraße – kurz vor der Einmündung auf den Wall – liegt aber seit Mitte Juni still.

Fast flächendeckend wurde das Dortmunder Stadtgebiet im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Deshalb schlummern auch noch reichlich Bombenblindgänger im Boden. Und so ist es üblich, dass vor dem Start von Bauarbeiten eine Auswertung von Luftbildern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Auftrag gegeben wird.

So war es auch im Fall der Baustelle an der Schmiedingstraße. Die DEW21-Tochter Donetz musste hier Schäden an einer Ferngas-Leitung beheben. Am 4. April wurde von DEW21 deshalb ein Antrag auf Luftbildauswertung gestellt, „um die Kampfmittelbelastung für den Bereich der Baumaßnahme festzustellen“, wie Stadtsprecher Maximilian Löchter mitteilt. Schon einen Tag später wurden die Unterlagen zur Auswertung an den Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Arnsberg weitergeleitet.

Schaden im Juni behoben

Das Problem: Der Schaden an der Leitung drohte sich zu vergrößern. Deshalb konnte Donetz nicht auf die Luftbild-Auswertung warten und schritt Anfang Juni zur Tat. „Mit der gebotenen Vorsicht“, wie DEW-Sprecherin Jana-Larissa Marx betont, wurde das Bauloch ausgehoben und die Leitung auf einer Länge von zwei Metern erneuert.

Die erneuerte Leitung ist noch heute im offenen Bauloch zu sehen. Denn am 13. Juni ging das Ergebnis der Luftbildauswertung beim städtischen Ordnungsamt ein. Die Experten hatten zwei Blindgänger-Verdachtspunkte unmittelbar im Bereich der Baummaßnahme lokalisiert, berichtet Maximilian Löchter. Die Konsequenz: Die Baustelle wurde vom Ordnungsamt stillgelegt. Das Bauloch über der geflickten Leitung konnte nicht verfüllt werden.

Vier Monate Verzug

Die Frage ist, warum das bis heute so ist und nicht schon bald der zweite Schritt in Angriff genommen wurde. Denn wenn es in Luftbildern Hinweise auf Bombenblindgänger gibt, gilt es, dem Verdacht vor Ort nachzugehen. „Wir haben dazu immer wieder bei der Stadt nachgefragt“, betont Jana-Larissa Marx.

Gestellt wurde der Antrag auf Sondierung der Verdachtspunkte beim Kampfmittelbeseitigungsdienst nach Auskunft der Bezirksregierung Arnsberg allerdings erst am 12. Oktober, fast vier Monate nach Stilllegung der Baustelle. Um die Sondierung vergeben zu können, sind generell umfangreiche Anfragen bei allen Leitungsversorgern notwendig, erklärt Löchter den Zeitverzug. Es könne mehrere Wochen dauern, bis alle Rückmeldungen vorliegen. Das scheint jetzt der Fall zu sein – zufälligerweise genau einen Tag nach der Anfrage unserer Redaktion, warum sich an der Schmiedingstraße nichts tut.

Straße soll zum Weihnachtsmarkt frei sein

Und es ist auch schon ein Happy End in Sicht: Bei einem Ortstermin, ebenfalls am 12. Oktober, wurde das weitere Vorgehen abgestimmt. „Der erste Verdachtspunkt im Straßenbereich wird in der ersten November-Woche von der Bezirksregierung überprüft, sodass die Straßenfläche in der Schmiedingstraße noch vor Beginn des Weihnachtsmarktes wieder vollständig frei gegeben werden kann“, berichtet Löchter. „Der zweite Verdachtspunkt in den Außenanlagen des Studieninstituts Ruhr wird im Laufe des November überprüft.“

Blindgänger-Fund hätte weitreichende Folgen

Sollte sich der Blindgänger-Verdacht bestätigen und eine Entschärfung nötig sein, hätte das weitreichende Folgen. Denn im üblichen Evakuierungsradius von 250 Meter liegen Teile der Kampstraße und des oberen Westenhellwegs mit der Thier-Galerie, Fußball-Museum, Harenberg-Haus und U-Turm sowie die Zentrale der BIG-Krankenkasse. Auch für die Stadt macht die Überprüfung Sinn. Sie plant den Verkauf des Studieninstituts-Gebäudes direkt neben der Baustelle. Es könnte abgerissen werden.

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