Baustellen-Chaos macht Mieter an der Godefriedstraße richtig wütend

Umstrittene Modernisierung

An der Godefriedstraße in Wellinghofen ist die Stimmung im Keller. Und der Keller ist voller Wasser. Mit Beginn der Kernsanierung mehrerer Häuser wird das umstrittene Bauprojekt Realität. Die Bewohner finden harte Worte.

WELLINGHOFEN

, 03.01.2018, 20:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Baustellen-Chaos macht Mieter an der Godefriedstraße richtig wütend

Keine schönen Perspektiven bieten sich zum Start in das neue Jahr für die Mieter der Godefriedstraße. © Stephan Schütze

Die Mieterin Martina Becker spricht von „Entmietungen in Mafia-Manier“ und „Drückermethoden“, wenn sie das beschreibt, was in den vergangenen drei Wochen rund um die Godefriedstraße 35 passiert ist. Mitte Dezember begann der erste Bauabschnitt der Modernisierung, die im Spannungsfeld von Luxussanierung auf Kosten der Altmieter und dringend notwendiger Modernisierung und Wohnungsneubau steht.

Wasser in den Wohnungen

Die Baustelle entwickelte sich laut der Anwohner schnell zum ausgemachten Chaos, das erst langsam wieder in eine Ordnung zurückfindet. Die Firma Berke Wohnbau, Hauseigentümer und Vermieter, teilt auf Anfrage dieser Redaktion mit, sich wegen der Ferien erst in der nächsten Woche zu dem Thema äußern zu können. Was Martina Becker und weiterere Anwohner im Detail schildern, klingt nach unverhältnismäßig stressigen Wochen. Begonnen habe alles mit einem vorübergehenden Strom- und Heizungsausfall. Danach folgte der Abbau des Hausdachs zwecks Aufstockung um eine Etage.

Weil es zu diesem Zeitpunkt stark regnete und schneite, sei Wasser in die oberen Wohnungen und den Hausflur gelaufen. „Die Keller standen und stehen unter Wasser“, sagt Martina Becker. Weitere Mängel seien eine nicht mehr schließende Haustür, kein Flurlicht, keine Außenbeleuchtung und Abbruchmüll auf den Zugangswegen. „Die Feiertage verbrachten einige Mieter in einer kalten, feuchten Wohnung, der Hausflur blieb dreckig“, sagt Becker.

Am 29. Dezember (Freitag) folgte der nächste Schaden. Aus einem Abflussrohr im Keller sprudelte das Wasser.

Provisorische Reparaturen

Martina Becker schildert die Reaktion so: „Ein Rohrdienst war vor Ort, machte Fotos und teilte den Mietern dann mit, dass sie nichts machen können, da von Berke kein Auftrag gegeben wurde.“ Der Hausmeister habe eine Mülltonne unter das fließende Wasser gestellt, mit einem Schlauch werde das Wasser aus dem Kellerfenster gepumpt. Die provisorische Reparatur des Rohres verhindere nicht, dass es im ganzen Haus nach Fäkalien rieche.

Der Mieterverein Dortmund und Umgebung, der eine Reihe von Mietern vertritt, kennt die aktuellen Probleme. „Es war erst wild und unorthodox, dann wurden die Dinge aber auch schnell wieder behoben. Dieses Vorgehen ist unverständlich, gerade nach der Vorgeschichte“, sagt Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins.

Das Bauordnungsamt hatte die Arbeiten Anfang Dezember genehmigt. Die Abgabe des Förderantrags für den Bau von 30 öffentlich geförderten Wohnungen soll im Laufe des Jahres erfolgen. Der Mieterverein vermisst Transparenz und klare Aussagen zur Miethöhe und dem Zugang bisheriger Mieter zu den neuen Sozialwohnungen.

November 2016: Wohnbau Berke kündigt die Modernisierung kurzfristig an. Die Mieten sollen stark steigen.  Januar - März 2017: Nach Mieterprotesten schaltet sich die Lokalpolitik ein. Berke räumt Fehler ein – und macht das Angebot, 30 öffentlich geförderte Wohnungen zu bauen. Juli 2017: Das Unternehmen kündigt an, alle Pläne zu stoppen. September 2017: Der Rat der Stadt Dortmund stimmt den ursprünglichen Plänen inklusive der öffentlich geförderten Wohnungen zu.
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