Begleiter ließen 15-jähriges Mädchen zurück

Ermittlungen am Hörder Bahnhof gehen weiter

Im Fall des getöteten Mädchens aus Hörde erscheint klar, dass alle Zeugen des tödlichen Messerstichs den Tatort verlassen hatten, bevor Rettungskräfte kamen. Am Dienstag ereignete sich dort ein Zwischenfall.

Dortmund

, 28.02.2018, 10:32 Uhr / Lesedauer: 1 min
Begleiter ließen 15-jähriges Mädchen zurück

Noch immer stehen am Hörder Bahnhof Kerzen und Blumen, die an die getötete 15-Jährige erinnern sollen. © Felix Guth

Das 15-jährige Opfer der Messerattacke von Hörde ist offenbar von seinen Freunden und Begleitern nach dem tödlichen Stich am vergangenen Freitag allein im Parkhaus zurückgelassen worden. Das berichteten am Dienstag mehrere beteiligte Jugendliche unabhängig voneinander und bestätigten damit Informationen unserer Zeitung. Demnach fanden die Feuerwehrleute, die zuerst am Tatort eintrafen, die sterbende 15-Jährige allein im Treppenhaus des Parkhauses.

Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel äußerte sich hierzu am Dienstag nicht. Es seien noch nicht alle Ermittlungsergebnisse ausgewertet, teilte er mit. Fest steht, dass die Rettungskräfte am Freitag durch das Auslösen des Feueralarms im Parkhaus alarmiert worden waren. Bei den weiteren Ermittlungen der Behörden geht es um die Frage, wie die etwa 20-köpfige Gruppe von Jugendlichen zusammengesetzt war.

Jugendamt vor Ort

Mitarbeiter des Jugendamts sind am Dienstagnachmittag vor Ort. Später stößt auch ein Team der Ökumenischen Notfallseelsorge Dortmund hinzu. Die Jugendlichen haben offenbar das Bedürfnis zu sprechen. Sie erzählen von dem Abend. Manche berichten von schlechtem Gewissen. Andere erzählen von der Trauerfeier, die sie planen.  Am Freitag (2. 3.), eine Woche nach der Tat, so kündigen Freundinnen des Opfers an, soll es eine Trauerfeier am Parkdeck geben. Weil sie viele Teilnehmer erwarten, wollen sie die Veranstaltung offiziell anmelden.

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Gegen 16.30 Uhr kommt es zu einem Zwischenfall. Ein Autofahrer fährt schneller als mit Schrittgeschwindigkeit in Richtung der Schranke direkt neben der Gedenkstelle. Dort fährt der Wagen über den Fuß einer 13-Jährigen. Innerhalb von Minuten heizt sich die Stimmung auf, es wird laut. Es ist in diesem Moment gut, dass hier Erwachsene dabei sind, die beruhigend auf alle einwirken können. Die Polizei nimmt die Personalien des Autofahrers auf, die Unfallanzeige lautet auf fahrlässige Körperverletzung. Ein Rettungswagen bringt die Leichtverletzte ins Krankenhaus. Noch für eine ganze Zeit ist die Stimmung im Parkhaus angespannt. Die Mitarbeiter des Jugendamts und der Notfallseelsorge bleiben auch in den nächsten Tagen vor Ort.

„Menschen beobachten solche Situationen häufig eher, als zu helfen. Wenn so etwas Unerwartetes passiert, sind die meisten zu schockiert, um zu handeln“, sagt Dr. Claus-Rüdiger Haas, Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Marl-Sinsen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Jugendliche könnten die Tragweite einer solchen Tat selten richtig einordnen.
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