Wie einfach ist es, Tage vor dem Bundesliga-Topspiel von Borussia Dortmund gegen Bayern München noch an bezahlbare Tickets zu kommen? Beinahe unmöglich, wie unsere Autorin merken musste.

Dortmund

, 08.11.2018, 17:11 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist Mittwoch, drei Tage vor dem Spiel der Spiele: BVB gegen Bayern. Okay, ziemlich spät, sich jetzt erst zu überlegen, am Samstag um 18.30 Uhr noch ins Stadion zu wollen. Wie komme ich nun an ein Ticket? Ich könnte es mir "einfach" machen und einen meiner Freunde mit Dauerkarte fragen. Aber wir wollen testen, ob man eigentlich über Ticketbörsen oder Zweitverkäufe noch an Karten kommt.

Also los: Schritt 1 ist schnell gegangen: Über den offiziellen Ticketshop des BVB komme ich nicht weiter; das Spiel ist seit Wochen ausverkauft. Am 9. Oktober gingen die Karten in den Verkauf, innerhalb eines Tages waren alle weg.

Freiverkäufliche Karten gab es nur für Mitglieder

Freiverkäuflich sind in diesem Fall rund 26.360 von 81.360 Tickets für den Signal-Iduna-Park, die aufgrund des Topspiels sowieso nur für Vereinsmitglieder käuflich sind; 55.000 sind Dauerkarten. Zehn Prozent der Tickets gehen außerdem an die Bayern.

Genauso schnell beendet ist Schritt 2: Die Geschäftsstelle der Ruhr Nachrichten an der Silberstraße hat ihr Kontingent fast so schnell verkauft wie der BVB selbst: innerhalb von zwei Tagen waren alle Tickets vergriffen.

Die Schritte 3 bis 5 muss ich im Internet gehen: Das bietet einige Möglichkeiten: Facebook-Gruppen, die als Ticketbörsen dienen; Ebay-Kleinanzeigen oder Viagogo.de, auf denen Tickets angeboten werden. Der letzte Schritt wäre dann wieder ein klassischer: es am Spieltag vorm Stadion selbst zu versuchen.

Das Manko: Bei all diesen Schritten läuft man Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. Wie soll ich erkennen, ob ein von Dritten gekauftes Ticket gesperrt ist? Aber dennoch versuche ich es. 50 Euro sollen mein Budget sein, so habe ich es mir überlegt. Normalerweise bekäme ich damit im Stadion einen guten Sitzplatz.

Auch bei Ebay gibt es keine Karten für das Spiel

Schritt 3: Zuerst einmal schicke ich am Mittwoch an verschiedene Ticketbörsen bei Facebook meine Aufnahme-Anfrage. Ticketbörsen funktionieren wie Tauschbörsen: Jemand bietet ein Ticket im Tausch gegen ein anderes. Teilweise sind das Tickets für verschiedene Spiele oder - und das ist gegen die Bayern die Mehrheit - die Sitzplatzkarten sollen gegen solche für Stehplätze getauscht werden. Offenbar werden hier nur selten Karten verkauft. Da bin ich also raus - ich muss ja erst mal überhaupt an ein Ticket kommen.

Schritt 4: Bei Ebay-Kleinanzeigen werde ich am Nachmittag zwischen all den Gesuchen, die noch dringend zwei bis vier Tickets suchen, erstmals fündig. Das Angebot für zwei Tickets auf der Südwest-Kurve, Block 37, steht gerade mal seit drei Minuten online. Zwei Karten suche ich nicht, aber zur Not finde ich jemanden, der noch spontan mitkommen will. Erfahrene Kleinanzeigen-Nutzer wissen: Nur wer schnell ist, kann hier gewinnen. Ich schreibe den Nutzer an, ob es die Tickets noch gibt. Nach zehn Sekunden bereits die Antwort: Ja. „Preis nach Vereinbarung“, hatte er in die Anzeige geschrieben - wie viel will er denn nun haben? "Bitte bieten, wie es in den Infos steht", bekomme ich als Antwort.

Nutzer bot seine Tickets bei Ebay an - die er vorher erst gekauft hat

Das Ganze kommt mir spanisch vor. Ich schaue mir das Profil des Users an - und fühle mich bestätigt. Erst in der Nacht zu Dienstag hat der Nutzer ein Gesuch bei Ebay eingestellt: "Suche Borussia Dortmund - FC Bayern München Ticket / Dauerkarte" steht da. Preis nach Vereinbarung. Eineinhalb Tage später möchte er diese offenbar weiterverkaufen - an den Höchstbietenden. Immerhin will er die Tickets persönlich vorm Stadion übergeben. Ich konfrontiere den User trotzdem mal damit, bekomme aber keine Antwort.

Später treffe ich in einer der Facebook-Ticketbörsen auf denselben Nutzer, ich erkenne ihn am Namen. Auch hier bietet er eben diese Karten an - und auch anderen Nutzern scheint das nicht ganz koscher: "Hattest du nicht vorhin noch 2 Karten für 180€ gekauft?" Auch er bekommt keine Antwort. Am Donnerstagmorgen ist das Angebot bei Ebay gelöscht.

Da gehe ich lieber in eine Kneipe

Ansonsten ist die Suche bei Ebay-Kleinanzeigen eher mühsam. Viele Tickets sind für den Gästeblock. Und - tut mir Leid, liebe Bayern-Fans - aber ich bliebe lieber zuhause, als mich dorthin zu stellen oder zu setzen. Und selbst wenn ich mich überwinden könnte: Auch preislich ist das außerhalb meiner Vorstellungen: Alles kostet entweder 150 Euro aufwärts oder der Preis muss vereinbart werden. Ich glaube nicht, dass ich genug zu bieten habe. Denn wer akzeptiert denn schon 50 Euro als Maximalgebot, wenn es User gibt, die bereit sind, weitaus mehr zu zahlen?

Ein letzter Versuch, Schritt 5 gewissermaßen. Diesmal bei Viagogo, wie Ebay-Kleinanzeigen eine beliebte Website, um Tickets weiterzuverkaufen. An Donnerstagnachmittag gab es hier noch 81 Tickets. Und sie gehen weg wie die berühmten warmen Semmeln. Aber als ich die Preise hier sehe, trifft mich fast der Schlag. Dass ich mit 50 Euro vielleicht nicht viel erreichen kann, war mir inzwischen beinah klar. Hier sind wir bei mehr als 150 Euro - für die günstigste Karte.

Leider kein Happy-End für meine Ticket-Suche

Ein Ticket für Block 13 wird für happige 600 Euro angeboten. Regulär kostet ein Stehplatz auf der Süd 17,60 Euro. Das wäre ein Anstieg von fast 3500 Prozent. Nun, Block 13 ist natürlich auch mittendrin im Getümmel. Da, wo viele gerne wären. Aber selbst wenn man drumherum guckt, sieht es mies aus. Die billigsten Blöcke wären 10 oder 15 mit für 230 Euro.

Ich gebe es auf. Das wird nichts. Wie ein Facebook-User in einer der Ticketbörsen sagt: "Zu normalen Preisen findeste hier nichts mehr." Und am Spieltag vor dem Stadion zu suchen, erspare ich mir lieber. Dann gucke ich mir das Spiel halt in einer Kneipe an. Da reichen meine 50 Euro dicke.

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