Bei der Awo arbeiten Menschen mit Behinderungen mit 3D-Druckern

rnInnovative Inklusion

Die inklusive Awo-Werkstatt verbindet die „unterstützende Kommunikation“ mit dem Ansatz der 3D-Produktion und schafft Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen.

Mitte

, 06.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Betritt man den großen, hellen Raum in der Innenstadt, hört man sofort die drei Drucker, die nebeneinander aufgestellt emsig arbeiten. Das Schnurren der Maschinen wird gelegentlich von Gesprächen unterbrochen, während einer der Mitarbeiter am Computer den Entwurf für das nächste zu druckende Hilfsmittel, eine spezielle Handyhalterung, optimiert.

Seit sieben Jahren sitzt das „Büro für unterstützende Kommunikation“ der Werkstätten der Awo in der Leuthardstraße. Menschen mit Behinderungen stellen in diesen Räumen Hilfsmittel im Bereich der unterstützenden Kommunikation her. Das können Talker, Tablets oder auch Karten für Menschen sein, die nicht aktiv sprechen können. Die Arbeit soll dabei helfen, dass die Menschen mit Behinderungen aktiv am Arbeitsleben teilnehmen.

Unterstützenden Kommunikation

In der Leuthardstraße findet die Beratung für diesen speziellen Bereich der Kommunikation statt. Auch die Herstellung von Symbolkarten oder Merkspielen und deren Vermarktung. Dort werden ebenfalls Grußkarten oder Holzschmuck von den zwölf Mitarbeitern mit komplexer Behinderung hergestellt. Vor allem bringen sie aber in der unterstützenden Kommunikation ihr Expertenwissen und Erfahrungswerte ein. Ein Tätigkeitsbereich ist vor einiger Zeit dazu gekommen, der in der Form bis heute einzigartig ist: die individuelle Herstellung von Hilfsmittel mit 3D-Druckern. Als Modelprojekt „Selfmade“ begann die Arbeit in Kooperation mit der Fakultät für Rehabilitationswissenschaften und der Sozialforschungsstelle der TU Dortmund in 2017 und 2018. Nun hat sich das Projekt als „MakerSpace“ verstetigt.

Innovative Ideen zum Nachmachen

„Für uns sind die sinnstiftende Arbeit und die Teilhabe im Sozialraum zwei wichtige Aspekte. Dazu passt die Innovation 3D-Druck bestens, da wir hierbei Bedarfe gemeinschaftlich untersuchen, Lösungen finden und diese dann drucken können“, erklärt Projektleiterin Henrike Struck von der Awo. Es geht auch darum, die Herstellung individualisierter Hilfsmittel mit den Mitarbeitern zusammen zu professionalisieren. Neben den Druckern stehen in einem Regal verschiedene Boxen mit bereits hergestellte Hilfsmitteln.

Der 3D-Druck diene entweder als Vorlage zum Nachdruck oder als Ideengeber für neue Produkte. Mit den drei 3D-Druckern lassen sich sehr spezielle, individuelle Hilfsmittel für den Alltag oder besondere Situationen produzieren – wie beispielsweise Schlüsselhalterungen, anpassbare Tassenhalterungen, Leseführungen, spezielle Trinkbecher, Buchhalterungen oder Griffverdickungen, die das Halten von Gegenständen und das Schreiben mit einem Stift erleichtern.

Bei der Awo arbeiten Menschen mit Behinderungen mit 3D-Druckern

Frau Buss (Mitarbeiterin im UK-Büro) mit einigen der selbst hergestellten Hilfsmittel vor einem der 3D-Drucker im „MakerSpace“. Die Gegenstände vor ihr helfen Menschen mit Behinderungen, Becher besser in der Hand halten zu können. © Didi Stahlschmidt

Diese Herstellungsweise ist viel besser als die industrielle Serienfertigung geeignet, um individuelle Bedarfe zu berücksichtigen. Wichtig ist, dass der „MakerSpace“ einmal in der Woche für Interessierte kostenlos geöffnet hat. „Uns besuchen hier Ingenieure, Technikbegeisterte, Schulklassen oder auch Senioren aus dem Wohnumfeld, wie eine ältere Dame, die sich ein Ersatzteil für ihren Briefkasten machen lies. Das ist gelebte Inklusion und der Zuspruch reißt nicht ab“, freut sich Struck. Zudem bringt dieses Projekt einen Perspektivwechsel für alle Beteiligten mit sich. Denn hier sind die Menschen mit einer Behinderung die Experten und beraten kompetent die Besucher. Stuck verbindet damit die Hoffnung, dass sich die positiven Erfahrungswerte aus dem Projekt auf andere Werkstätten übertragen. In der Leuthardstraße wird es zukünftig noch ein 3D-Scanner dazu kommen – verbunden mit dem Wunsch, dass sich das vorhandene Netzwerk mit einigen Ehrenamtlichen und Vereinen oder Initiativen erweitert.

„MakerSpace“ im Büro für unterstützte Kommunikation der Awo, Leuthardstraße 13 // jeden Donnerstag von 10 bis 18 Uhr // info@uk-buero-dortmund.de // Weitere Informationen unter www.selfmadedortmund.de
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