Loslaufen ohne Bargeld – und wenn man etwas essen oder trinken möchte, einfach die EC-Karte zücken. Das klappt in Dortmund nur bedingt. Warum das so ist und welche Rechte man als Gast hat.

Dortmund

, 04.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Das Essen war gut, das Glas ist leer. Wohl gesättigt und zufrieden lehnt man sich zurück, signalisiert dem vorbeihuschenden Kellner: „Ich möchte zahlen.“ Während er noch das Tablet mit den leeren Gläsern zur Theke bringt, wird in der Tasche gekramt, die EC-Karte gezückt. „Oh“, sagt der Kellner, der mit einem großen, schweren Portemonnaie zurückgekehrt ist, „Sie können hier leider nicht mit Karte zahlen. Bei uns nur bar.“ Und dann der Satz, den keiner hören will: „Wenn sie hier geradeaus laufen, dann links, dann rechts, dann ist da ein Geldautomat...“

Diese oder ähnliche Szenen haben wohl schon viele Restaurant- und Café-Gänger in Dortmund erlebt. Während man bereits in vielen Bäckereien einfach sein Smartphone an ein Terminal halten kann, um selbst ein einzelnes Brötchen zu bezahlen, machen viele Dortmunder Lokale den Trend des bargeldlosen Bezahlens nicht mit.

Mal führt der Gang zum Automaten nur über die Straße, manchmal schafft man es auch, den Rechnungsbetrag mit Hilfe der Begleitung zusammenzukratzen – oft ist man als Gast aber einfach nur genervt. Wer einmal in Skandinavien oder Großbritannien im Urlaub war, erkennt schnell: Deutschland hat bei fortgeschrittenen Zahlungsmethoden Nachholbedarf.

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Was sagen Dortmunder Lokal-Betreiber zum Zahlen mit Karte?

Doch woran liegt es, dass einige, gerade kleinere Dortmunder Lokale nicht mitziehen? Und wenn doch, warum gilt häufig ein Mindestbetrag für die Kartenzahlung? Wir haben uns unter den Betreibern umgehört:

Das Café Lotte hat in Dortmund zwei Standorte. Seit 2009 das Bistro in der Saarlandstraße und seit 2014 die Brasserie in der Kaiserstraße. In der Kaiserstraße, wo es auch warme Küche, Biere und Weine bis in den Abend hinein gibt, kann man Rechnungen ab 20 Euro mit Karte zahlen. Am älteren, kleinen Standort in der Saarlandstraße muss man Bargeld dabei haben.

„Jede Abbuchung kostet uns Geld, das rentiert sich sonst nicht“, erklären die Betreiber auf Anfrage der Redaktion. Jede Transaktion koste in ihrem Fall um die 14 Cent, dazu kommen Gebühren, die sich an den Beträgen der Kartenzahlungen orientieren, sowie Kosten für des Lesegerät. In der Saarlandstraße, wo die Leute meist nur einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen, werde die Summe von 20 Euro selten erreicht. „Deswegen bieten wir dort gar keine Kartenzahlung an und bleiben oldschool.“ Ein Sparkassen-Automat sei direkt gegenüber, heißt es.

Befürchtung: Der Gast gibt bei der Kartenzahlung weniger Trinkgeld

Der nahe Geldautomat an der Hohen Straße ist auch für Simo Slaoui ein Grund im Wohnzimmer im Kreuzviertel keine Kartenzahlung anzubieten. Zudem sei die Nachfrage gar nicht so hoch. Ausschlaggebend für Slaoui ist aber: „Alle Kosten steigen, der Gewinn an einem Kaffee wird immer kleiner, da sind für uns keine Gebühren für Kartenzahlungen drin.“ Man könne die Café-Bar im Neuen Graben nicht mit großen Restaurants vergleichen, „wir sind viel günstiger“. Außerdem habe er die Befürchtung, dass seine Kollegen bei der bargeldlosen Bezahlweise weniger Trinkgeld bekämen.

„Bei uns nur bar“ – Warum man in Dortmunder Lokalen oft nicht mit Karte zahlen kann

Im Wohnzimmer im Kreuzviertel kann man nur bar zahlen. © Christin Mols

Die Café-Lotte-Betreiber sagen, dass die Kartenzahlung auch bei der Buchhaltung einen „Rattenschwanz“ hinter sich her ziehe, der für inhabergeführte Läden, die alles alleine machen, einen Mehraufwand bedeute. Noch ein weiterer Nachteil: „Wenn es voll ist, hält die Kartenzahlung unnötig den Betrieb auf.“ Zudem sei unter Stress das Risiko höher, dass Mitarbeiter im Umgang mit dem EC-Gerät Fehler machen und sich vertippen. „Wir machen das nicht, um die Leute zu ärgern“, so das Café Lotte. Beschwerden gebe es kaum.

Gegenüber vom Café in der Kaiserstraße kann man im Restaurant Westermanns Deli auch kleine Beträge mit Karte zahlen, ebenso im Bismarck weiter östlich im Kaiserstraßenviertel. Inhaberin Nicola Feldkamp sagt: „Kartenzahlung gehört heutzutage dazu. Das ist Service am Gast.“ Gerade junge Gäste haben selten Bargeld in der Tasche. Feldkamp räumt ein: „Natürlich finden wir es nicht toll, wenn ein Gast 2,70 Euro mit Karte zahlen will, aber wir möchten ja auch, dass er wiederkommt.“ Und weiter: „Gegen den Trend wird man sich nicht mehr lange wehren können.“

Kleine Rechnungsbeträge erfordern kein bargeldloses Bezahlen

In Heidi‘s Bakery, ehemals Café Crème, in der Olpe wehre man sich nicht gegen den Gedanken – man habe ihn gar nicht, sagt Yasmin Öcal. „Wir kommen seit 14 Jahren ohne Kartenzahlung aus.“ Die kleinen Rechnungsbeträge, die man im Café habe, erfordern kein bargeldloses Bezahlen. „Für uns lohnt sich das nicht.“

Im Café Froilein Meier im Kreuzviertel hätte man mit der Eröffnung vor 4,5 Jahren gerne Kartenzahlung angeboten, es gab aber technische Probleme, berichtet Inhaber René. „Wir hatten ein Jahr lang nicht mal einen Festnetzanschluss.“ Die Kunden hätten sich in der Zeit daran gewöhnt, dass man an der Große Heimstraße 45 nicht mit Karte zahlen kann und wären damit einverstanden. Auch wenn die technischen Voraussetzungen inzwischen gegeben seien, brauche das Café keine Kartenzahlung. „Und wenn jemand kein Bargeld hat, lässt er seinen Ausweis hier und kommt später mit Geld wieder.“

Verbraucherzentrale: Es gibt kein Recht auf bargeldloses Bezahlen

Um diese für den Gast unangenehme Situation zu vermeiden, sollte das Restaurant dem Kunden deutlich sichtbar machen, wie gezahlt werden kann – “und das am besten schon im Eingangsbereich“, sagt Ralf Scherfling, Finanzexperte von der Verbraucherzentrale NRW. „Gibt es keinen Hinweis, sollte man den Kellner schon vor der Bestellung danach fragen.“

Und was ist, wenn man erst nach dem Essen feststellt, dass man kein Bargeld hat? Rechtlich sei die Situation nicht ganz eindeutig zu beantworten, sagt Scherfling. Fest steht aber: Der Kunde muss zahlen. „Er sollte dem Wirt anbieten, ein Pfand hinterlegen zu dürfen oder seine Personalien zu hinterlassen.“ Danach gelte es, den Betrag schnellstmöglich zu begleichen.

Auch wenn es natürlich angenehmer wäre, wenn man überall die Wahl zwischen Karten- und Barzahlung hätte: Ein Recht darauf, ohne Scheine und Münzen zu zahlen, gibt es nicht. „Es ist ein Service“, so Scherfling.

Viele Lokale geben einen Mindestbetrag für die Kartenzahlung vor

Den bietet inzwischen auch das Monchi Kitchen in der Essener Straße an. Lange Zeit konnte man in dem 2010 eröffneten Sushi-Restaurant nicht mit Karte zahlen. Doch: „Wir leben in 2019“, sagt Inhaberin Hoa Dong, „und wir sind ein Dienstleistungsunternehmen.“ Der Service-Gedanke stehe an erster Stelle. „Aber auch wirtschaftlich ist das für uns besser, weil der Gast bei der Bestellung nicht erst überlegen muss, wie viel Bargeld er dabei hat.“ Seit Ende 2017 kann man ab einem Rechnungsbetrag von 15 Euro die EC-Karte zücken. Darunter lohne es sich wegen der Gebühren nicht. Dongs Befürchtung, dass das System technisch Schwierigkeiten machen könnte, hätten sich aber nicht bestätigt.

Im Kreuzviertel geben beispielsweise auch das Restaurant Luups mit 20, das Kaffeehaus Herr Liebig mit 15 und die Pizzeria Taormina mit 10 Euro einen Mindestbetrag für die Kartenzahlung vor. In der Chemnitzer Straße bei Oma Rosa drücke man ausnahmsweise auch bei 7 Euro mal ein Auge zu, sagt Melanie Wentzel-Terrahe. Aber auch hier gilt: „Kartenzahlung erst ab 10 Euro.“ Die Inhaberin weist auf einen weiteren Nachteil der Kartenzahlung hin: „Du hast das Geld nicht direkt im Portemonnaie.“ Es dauere ein paar Tage, bis es auf dem Geschäftskonto und damit verfügbar ist. Das könne gerade für kleine Lokale zum Problem werden.

Dehoga macht keine Vorgaben

Der Branchenverband des Gastgewerbes, der Dehoga, gibt seinen Mitgliedern keine Empfehlungen für oder gegen die Kartenzahlung. Jedes Unternehmen müsse für sich entscheiden, ob es betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, sagt Pressesprecher Thorsten Hellweg. „Die Barzahlungsquote in Deutschland ist nach wie vor hoch, wahrscheinlich sehen einige nicht die Notwendigkeit.“ Auch wenn der Trend zum bargeldlosen Bezahlen erkennbar sei.
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