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Bei „Wurst-Willi“ gibt‘s jetzt Holzgabeln - Öko-Trend packt Dortmunds Fastfood-Gastronomen

rnUmweltschutz

Fast Food - der Ernährungssünde geben sich viele Dortmunder gerne hin. Der schnelle Snack ist auch eine Umweltsünde. Das wollen einige Gastronomen jetzt ändern. Von Kunden gibt‘s Kritik.

Dortmund

, 23.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei „Wurst-Willi“ sind die Gabeln jetzt aus Holz statt aus Plastik. Und bald wird es Pommes und Currywurst nur noch in der Pappschale geben. Willi Nowakowskis Imbissstand vor der Petrikirche gehört seit zwölf Jahren zu den beliebtesten in der Dortmunder City. Dennoch musste Nowakowski etwas ändern. „Wir denken gerade um. Denn es entsteht Plastikmüll ohne Ende. Davon wollen wir weg“, sagt der Imbisswagenbetreiber.

Würstchen-Bude macht drei 120-Liter-Müllbeutel voll - pro Tag

Drei 120-Liter-Beutel Abfall pro Tag produziert die kleine Bude. Der benutzte Plastikmüll geht komplett in die Verbrennung. Selbst, wenn der Abfall vor der Verbrennung noch gepresst wird und an Volumen verliert: Schon ein kleiner Betrieb wie „Wurst-Willi“ produziert bis zu 100.000-Liter-Abfall im Jahr – also mehrere Tonnen.

In ganz Deutschland waren es laut einer Erhebung des Naturschutzbundes (Nabu) 346.419 Tonnen an Abfall für Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen im Jahr 2017. Systemgastronomie und Imbisse sind für rund 60 Prozent davon verantwortlich. Der Müllberg, den alle Imbisse, Dönerbuden und Pizzerias in Dortmund erzeugen, ist gigantisch.

Ende 2018 hat die Europäische Union ein Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten bis 2021 beschlossen. Willi Nowakowski sagt: „Es ist eine Frage der Zeit, bis es gesetzliche Regelungen zu dem Thema gibt. Deshalb wollten wir jetzt umstellen.“ Er sagt das, obwohl es gerade viele Beschwerden von Kunden gibt, denen die Holzgabeln zu sehr nach Holz schmecken. Und, obwohl ihm klar ist, dass viele Probleme bleiben.

Auch Holzgabeln und Pappgeschirr kommt in die Verbrennung

Die Menge reduziere sich durch die Umstellung nicht wesentlich, und wiederverwertet werden auch benutzte Holzlöffel und Pappschalen nicht. Zudem ist die Produktion von Holzlöffeln sehr energieintensiv. „Den richtigen Weg zu finden ist schwierig“, sagt Willi Nowakowski.

Aber immer mehr Dortmunder Gastronomen machen sich auf die Suche nach einem neuen Weg. Die neue Filiale der Kette „Frittenwerk“ in der Thier-Galerie wirbt offensiv mit dem Slogan „Go Green“ (werde grün). Kunden trügen zu einer „umweltbewussten Esskultur“ bei.

Das Düsseldorfer Unternehmen teilt auf seiner Homepage mit: „Wir verwenden Besteck, Pommes-Schiffchen und Tragetaschen, die vollständig biologisch abbaubar sind. So umgehen wir nicht nur eine Menge belastenden Plastikmüll, sondern sparen auch Wasser und Erdöl ein.“ Darunter steht eine Botschaft an die Kunden: „Der Unterschied beginnt bei dir.“

Im „Café Oma Rosa“ an der Chemnitzer Straße sind Mehrweggläser für Desserts oder Eintöpfe mittlerweile Standard. Insgesamt elf Bistros und Kaffeegeschäfte sind Teil des Pfandsystems „Cup for Cup“. Dieses soll helfen Einwegbecher-Müll zu vermeiden. In Dortmunder Diskotheken ist der Trend zu mehr Nachhaltigkeit ebenfalls schon angekommen. Viele verzichten auf Strohhalme, haben Energiesparkonzepte und versuchen Wasser zu sparen.

Verpackungsgroßhändler von der Bornstraße erhält viele Anfragen

Der Verpackungsgroßhändler „AF-Pack“ mit Sitz an der Bornstraße beliefert rund 3000 Kunden in der Region. „Wir stellen ein vollkommenes Umdenken fest“, sagt Rene Pfälzer, Assistent der Geschäftsführung. Noch vor zwei Jahren hätte man kaum Kunden mit dem Thema überzeugen können.

Doch seit das Thema Plastikmüll publik ist, gebe es von vielen Seiten Aufträge, Alternativen zu Plastik oder Alu anzubieten. „Auf einmal gibt es einen Markt dafür. Viele sind in Bewegung. Und für die Kunden ist der Preis nicht mehr das Hauptargument“, sagt Pfälzer. Und ergänzt mit Blick auf die nach wie vor schlechte Wiederverwendbarkeit: „Wir sind noch nicht am Optimum.“

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