Beratungsstelle rät: Trennung statt Dauerstreit

DORTMUND Rund 1200 Menschen suchten im Jahr 2007 Hilfe bei der Evangelischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen. Leiter Jürgen Krinke spricht über die Trennung von Paaren mit Kindern und Patchwork-Familien.

von Von Bettina Kiwitt

, 03.09.2008, 17:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ja. Je heftiger die Kinder in die Streitigkeiten eingezogen werden, desto schwieriger wird für sie die Situation. Eine Trennung kann dann für Kinder eine große Entlastung bedeuten.

Durchaus. Denn sie kommen dann, wenn die Partnerschaft noch nicht auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt ist, sie noch etwas retten wollen.

Viele möchten den Partner verändern. Nach dem Motto „Wenn du das und das lassen würdest, hätten wir keine Probleme“, doch damit ruft man beim anderen nur Trotz hervor.

Man muss selbst aktiv werden, sich selbst und seine Ansprüche hinterfragen.

Wenn sich ein Partner schon angegriffen fühlt, wenn der andere nur den Mund aufmacht, sieht es sehr schlecht aus. Wenn die Auseinandersetzungen so heftig werden, dass ein Partner handgreiflich wird, ist viel zerrüttet.

Wenn sie die Verantwortung des Zusammenbleibens an die Kinder delegieren. Damit sind diese völlig überfordert.

Man sollte sie ihrem Alter entsprechend beteiligen. Eltern missverstehen das manchmal. Sie wollen ihren Kindern in epischer Breite erklären, warum sie sich trennen. Das ist gar nicht notwendig.

Dass sie sich als Mann und Frau trennen, aber dass sie den Kindern als Vater und Mutter erhalten bleiben.

Den Kindern die Schuld an der Trennung geben. Etwa sagen „ich bin ungewollt mit dir schwanger geworden, deswegen habe ich den Papa geheiratet“. Und man sollte die Kinder auf keinen Fall in Loyalitätskonflikte bringen.

Bei einer Trennung sollte man den Partner vor den Kindern nicht schlecht machen. Denn die Kinder haben eine liebevolle Bindung an den schlecht gemachten Elternteil, dürfe diese aber nicht ausleben, weil sie sonst das andere Elternteil kränken. Und Konflikte, die nicht ausgelebt werden können, führen zu Störungen.

Das größte Problem bei Trennungen sind die Kränkungen, die Wutgefühle, das Gefühl des Hintergangenwerdens und dann drehen auch noch die Kinder am Rad. Da handelt man eben nicht rational, sondern emotional. Das wollen wir auch in unserer Beratung rüberbringen: Ihr seid keine Maschinen und darum kann man nicht zu 100% alles richtig machen.

Weitere Probleme. Der Mann muss noch mehr verdienen, um die ökonomische Grundlage der Familie zu sichern, sie muss noch mehr Kinderbetreuungsarbeit leisten. Oder die Kinder akzeptieren den neuen Partner nicht.

Patentrezepte nicht, aber Tipps. Zunächst muss man Kindern Zeit lassen, sich auf die neue Situation einzustellen. Ein Jahr und mehr muss man einkalkulieren. Kinder müssen das Gefühl haben, dass sie genauso wichtig sind wie die neue Beziehung. Der außenstehende Elternteil darf nicht abgewertet werde. Vom Kind darf man nicht erwarten, dass es den neuen Partner als Vater oder Mutter akzeptiert. Das Kind hat bereits einen Vater und eine Mutter.

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