Berühmter Gastronom vom Phoenix-See: Toni Pace erzählt seine Geschichte

rnRestaurants in Dortmund

Am 2. November 1976 kam ein 11-Jähriger aus Italien nach Dortmund. Dunkel, kalt und laut sei es bei seiner Ankunft in der Hermannstraße gewesen. Jetzt ist Toni Pace ein bekannter Gastronom.

von Tom Thelen

Hörde

, 13.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer mehr als vierzig Jahre in der Gastronomie arbeitet, der kann einiges erzählen. Doch die meisten vermutlich weniger als das, was Toni Pace schon vergessen hat.

Erste Station seines Erwerbslebens war die Pizzeria Rimini in Lünen, in einer Zeit, als Pizza noch nicht an jeder Ecke angeboten wurde. Damals im Verbund mit 2-Liter-Flaschen Lambrusco, Spaghetti Bolo und Pizza Hawaii.

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Doch sein damaliger Chef nahm den jungen Toni für ein Jahr mit zurück nach Rimini - „Dort lernte ich Disziplin“, sagt er. Und die gute Küche. Zurück in Aplerbeck arbeitete er bei „Gino 2“. Kegelbahn, Kneipe, Pizza.

Der Erfolg kam parallel zur Fußball-Historie, Toni und die Sportler, eine Paarung, die prägen sollte. 1990 wurde Deutschland in Italien Weltmeister und der Junggastronom emanzipierte seine Küche weg vom schnellen runden Snack.

Toni ist eine Legende in Dortmund

Seinen Legendenstatus verdankt er einer Live-Schalte eines Privatsenders vor dem Champions-League-Finale 1997. Dort prophezeite er Karl-Heinz Riedle, dieser würde zwei Tore im Münchener Finale gegen Juventus erzielen.

Maria Pace ist die Schwägerin von Toni und arbeitet als Köchin in dem neuen Lokal.

Maria Pace ist die Schwägerin von Toni und arbeitet als Köchin in dem neuen Lokal. © Silke Albrecht

Der lachte, sagte im unwahrscheinlichen Erfolgsfalle einen Besuch der Mannschaft zwecks Feier zu. Was dann geschah, ist nicht nur Fußballgeschichte. Toni wurde fortan BVB-Koch, ging in die Golfplatz-Gastronomie, feierte mit Kloppo, Zorc und Co. Meisterschaften und Pokalsiege, war ganz oben.

Doch eines Tages las er auf dem rosa Papier der Gazetta della Sport, dass es aus sei. Thomas Tuchel, der neue Trainer war kein Freund der italienischen Küche. Toni, jetzt im ländlichen Löttringhausen mit Partnerin Jennifer Polte tätig, blieb aber die erste Adresse für Stiefelküche gehobener Art.

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Ein Edel-Italiener ganz nach Klischee: Großes Hallo für Stammgäste, Hauptgerichte zwischen 30 und 40 Euro, fabelhafte handverlesene Weine und viel Klatsch und Tratsch vor allem über Abwesende. Hier kam dann das Ende 2019. Trennung, persönliche Krise, Toni’s Ristorante ging pleite, zuletzt aber schon ohne Toni. Ein unschönes Ende, dem eine Pandemie noch höhnisch hinterherlachte.

Wir haben schon einen Einblick in das Restaurant bekommen. So sieht's in dem Lokal aus.

Wir haben schon einen Einblick in das Restaurant bekommen. So sieht's in dem Lokal aus. © Silke Albrecht

Jetzt, im Spätsommer 2020 , folgt aber ein (vorläufiges) Ende, das fast kitschig wirkt. Dort in der Hermannstraße, jetzt aber am Phoenix-See, dort, wo alles am Stahlwerk begann, hat Thomas Rödel sein Gourmet-Restaurant aufgegeben. Gemeinsam mit Sohn Riccardo eröffnet Toni offiziell in der nächsten Woche das Restaurant „Toni’s Gusto Italiano“.

Dortmunder möchten „viel Essen für wenig Geld“

Dortmund sei zwar „die schwierigste Stadt für Gastro“, viele Menschen wollen nach wie vor „viel Essen für wenig Geld“, aber er ist davon überzeugt, dass die Stadt derzeit „groß rauskommt“. „Wir hängen bald schon Essen ab“, ist er überzeugt, über Bochum lächelt er nur nachsichtig. Auf den Tisch kommt am Phoenixsee natürlich echte Toni-Küche.

Mhm. Auf leckere Speisen können sich die Restaurant-Besucher freuen.

Mhm. Auf leckere Speisen können sich die Restaurant-Besucher freuen. © Silke Albrecht

„Warum sollen wir unsere Küche kaputt machen, wenn wir sie gut können?“ fragt er in Richtung avantgardistischer Crossover-Tendenzen und kündigt Kost an wie „Herz und Seele von Mama“.

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Damit endet nunmehr eine Rundreise eines Dortmunders, und es beginnt ein neues Kapitel im Leben eines Vollblutgastronomen, der nach wie vor ein begnadeter Showman, ein fabelhafter Entertainer, ein kulinarischer Kompagnon der Extraklasse ist. Der Restaurant-Tisch ist seine Bühne.

Polarisierend sicherlich, geliebt und gehasst, für manche ein Auslaufmodell einer vergangenen Spesenritter-Gastronomie, für andere ein legendärer Verfechter von absoluter Qualitätsküche. Die Hermannstraße ist jedenfalls nicht mehr dunkel und kalt.

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