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Karstadt und Kaufhof stehen kurz vor einer Fusion. In Dortmund sind, wie in vielen Großstädten, beide Kaufhäuser vertreten. Die Beschäftigten machen sich nun Sorgen um ihre Jobs.

Dortmund

, 07.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Medienberichte über eine mögliche Fusion von Karstadt und Kaufhof werden dieser Tage oft mit Fotos aus Trier illustriert: weil die beiden Kaufhäuser in der Römerstadt vis-à-vis liegen. Ganz so nah sind sich Karstadt und Kaufhof auf dem Westenhellweg in Dortmund zwar nicht – wirklich weit voneinander entfernt aber auch nicht. Weshalb sich schon die Frage stellt, ob beide Kaufhäuser bestehen bleiben, würde es zu einem Joint Venture, einem gemeinsamen Unternehmen, kommen. Denn ein paar Filialen, so berichtet beispielsweise die Süddeutsche Zeitung, könnten am Ende geschlossen werden.

Dortmund „stark genug“ für Karstadt und Kaufhof

Die Dortmunder Häuser wird es allerdings kaum treffen, da sind sich mehrere Akteure vor Ort einig. „Die beiden Kaufhäuser haben bis jetzt nebeneinander existiert - warum sollten sie das nicht weiterhin tun?“, fragt Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland. Er mache sich „für Dortmund keine großen Sorgen“. Synergien, glaubt er, würde es eher im Verwaltungsbereich und im Einkauf geben.

Dass Karstadt oder Kaufhof am Westenhellweg schließen könnten, diese Sorge hat auch der Dortmunder Karstadt-Betriebsrat Gerhard Löpke nicht: „Dortmund ist stark genug für zwei Kaufhäuser“, sagt er. Bei seinem Arbeitgeber Karstadt ist erst im vergangenen Jahr kräftig in die Außenfassade investiert worden; im laufenden Jahr wird die Dortmunder Filiale innen völlig umgestaltet.

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Betriebsrat fürchtet, dass bei Mitarbeitern gespart wird

Dass nun Karstadt-Eigentümer Signa plant, Kaufhof (vom kanadischen Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) zu übernehmen, könnte wirtschaftlich Sinn ergeben, sagt Löpke. Aber: „Die Befürchtung bei solchen Fusionen ist immer, dass bei Personalkosten und Mitarbeitern gespart wird.“ Die Arbeitnehmer seien bei Fusionen das schwächste Glied und müssten nicht selten „die Zeche bezahlen“. Kaufhof und Karstadt äußern sich derzeit nicht öffentlich zu den Plänen.

Karstadt beschäftigt in Dortmund rund 300 Köpfe, Galeria Kaufhof hat vor Ort rund 120 Mitarbeiter. Seine Kollegen seien besorgt, was eine Fusion bringen würde, sagt Löpke. Und dass Arbeitsplätze wegfallen könnten. Man dürfe nicht vergessen, so der Betriebsrat, dass die Karstadt-Mitarbeiter seit 2004 von einem Sanierungstarifvertrag in den nächsten geraten, dass sie „seit 14 Jahren permanent Angst um ihren Arbeitsplatz haben“. Neue Informationen zur möglichen Fusion erwartet Löpke in drei Wochen, wenn der Karstadt-Aufsichtsrat tagt.

Mitarbeiter bei Kaufhof in Dortmund sind verunsichert

Vom Dortmunder Betriebsrat bei Kaufhof mochte sich am Freitag auf Anfrage niemand äußern. Auch bei Kaufhof seien die Mitarbeiter aber „extremst verunsichert“, sagt Karsten Rupprecht von der Gewerkschaft Verdi in Dortmund: „Die Unsicherheit ist groß, unser Telefon steht kaum still.“

Kaufhof wollte mit Verdi bundesweit eine Art Sanierungs-Tarifvertrag aushandeln - da machte Verdi nicht mit. Seit einiger Zeit sprechen Gewerkschaft und Kaufhof aber über ein „Zukunftskonzept“. Nun habe man aus der Presse von der geplanten Fusion mit Karstadt erfahren, sagt Rupprecht: „Die Tarifkommission ist enttäuscht.“ Es sei offen, wie es weitergeht.

Cityring befürchtet Schließung von einem der Kaufhäuser

Beim Cityring, der Gemeinschaft der Dortmunder Kaufleute, sieht man eine mögliche Fusion von Karstadt und Kaufhof mit großer Sorge. In Städten wie Dortmund, wo es zwei Standorte gibt, „befürchten wir am langen Ende der Verschmelzung eher eine, zwangsläufig notwendige, Reduzierung der Verkaufsflächen und somit auch eine, so traurig es ist, Schließung von Häusern“, sagt Cityring-Vorsitzender Dirk Rutenhofer.

Der Einzelhandel sei im Umbruch, so Rutenhofer, die Umsätze würden sich spürbar in Richtung Onlinehandel verschieben: „Da werden sich die Konzerne zukünftig keine nahezu gleichen Häuser mit vergleichbaren Sortimenten mehr leisten können.“

Die Frage sei, so Rutenhofer, „wie und mit welchen Konzepten Premiumimmobilien in den Innenstädten einer neuen, attraktiven Nutzung zugeführt werden können“. Es stünden, sagt der Cityring-Chef, wohl „leider keine guten Zeiten“ an für die Mitarbeiter von Kaufhof und Karstadt und generell im klassischen Einzelhandel.

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